Wie schaffen die das bloß?

Wie die Bäder rund um Freiberg den Ansturm personell bewältigen, hat die "Freie Presse" in einer Umfrage erkundet. Ergebnis: In den Freizeitoasen ist der Fachkräftemangel noch nicht angekommen - dem Ehrenamt sei Dank.

Weißenborn/Neuhausen.

Als in Neuhausen im Frühjahr ein Mitarbeiter des Bauhofs ausfiel, fielen auch dunkle Schatten über das Freibad. Denn es schien dem Bauhof kaum mehr möglich, den Freibad-Betrieb zu unterstützen. Dort aber gibt es nur einen Bademeister. Wie kann er den Betrieb allein meistern, wenn die Sonne Badegäste zu Hunderten bis aus Olbernhau hertreibt? Die Gemeinderäte redeten sich die Köpfe heiß. Recherchierten schon mal, was ein Drehkreuz kostet, damit der Eintritt per Automat entrichtet werden könnte. Denn eines war klar: Die Freizeitoase zu schließen, war keine Option. Aber extra Mitarbeiter einzustellen, verbot die finanzielle Lage.

Inzwischen ist die Situation entspannt. Die Gemeinde hatte Glück, eine Aushilfe zu finden, die auf Abruf zur Verfügung steht. Ist das Bad leer, kann der Bademeister den Betrieb händeln. Steigt die Anzahl der Gäste, übernimmt die stundenweise bezahlte Aushilfe die Kasse. In den Morgenstunden kann der Bauhof doch vorbeischauen, dazu kommt Unterstützung durch den Bundesfreiwilligendienst und Ehrenamtler. Das Neuhausener Freibad musste keine weiße Fahne hissen.

Das gilt auch anderswo. Die Badbetreiber managen den mit der aktuellen Wetterlage verbundenen Ansturm der Erfrischungssuchenden souverän. Beispiel Weißenborn. Nachdem vor zwei Jahren dort wegen personellen Engpässen noch zeitweise die Tore geschlossen blieben, tummeln sich derzeit dort manchmal 1000, manchmal sogar 1500 Leute am Tag. Zwei Fachangestellte für Bäderbetriebe, ein Schwimmmeister und zwei Rettungsschwimmer sorgen für Ordnung und Sicherheit. "Derzeit ist das alles sehr gut zu händeln", so Schwimmmeister René Schneider. "Zusätzlich können wir noch auf Pauschalkräfte zurückgreifen."

Etwas ruhiger geht es mit bis zu 200 Badegästen im Ökobad Rechenberg zu. "Wir sind damit sehr zufrieden", versichert Jens Fischer, der das Bad für die Gemeinde betreibt und den Imbiss mit frischer Ware aus seiner Fleischerei versorgt. Drei Leute sehen im Bad nach dem rechten. Fischer: "Wir bewältigen das ganz entspannt."

Von einer guten Personalsituation berichtet auch Schwimmmeisterin Anja Schindler im Erlebnisbad Mulda. Zwei Kassiererinnen, zwei Schwimmmeister, zusätzlich sichern Rettungsschwimmer mit ab, da bleibt für Schindler nur ein Urteil: "Wir sind personell gut ausgestattet und schaffen es auch."

Das Romanusbad in Siebenlehn würde ohne das Engagement Ehrenamtlicher wohl schon längst nicht mehr existieren. Doch im Verein haben sich genügend Mitstreiter gefunden, um das Bad am Leben zu halten. Bademeister Marcel Säurich ist fest angestellt, dazu wechseln sich insgesamt zwölf ehrenamtliche Rettungsschwimmer ab. Säurich spricht von einem "Bombensommer" - mit bis zu 400 Leuten täglich: "Wir kriegen das mit dem Personal gut hin." Ähnliche Modelle mit einer Mischung aus Ehrenamt und Festangestellten gibt es auch in Hetzdorf und Reinsberg. Speziell für den Verein Reinsberg.er.leben, Betreiber des Badeparks, ist die Situation noch neu. "Wir haben erst im vorigen Jahr angefangen", sagt Chefin Ute Flemming. Sie schaut, dass neben dem hauptberuflichen Schwimmmeister vier bis fünf Rettungsschwimmer vor Ort sind. Letztere zu finden, sei aber gar nicht so einfach. "Wir wollen an die Jugend herantreten, als Verein auch die Ausbildung zahlen." Aber die Resonanz stellt sie noch nicht zufrieden. "Wir hoffen, dass es dieses Jahr funktioniert. Aber auf Dauer müssen wir da weiterdenken, die Leute vielleicht noch direkter ansprechen.

In Naundorf, sagt Arndt Appler vom Touristikverein, der das Bad betreibt, läuft alles ehrenamtlich. Dafür sorgen er und seine Mitstreiter. Acht Mitglieder bilden den festen Kern des Vereins. Appler: "Außer mir sind alle berufstätig."


Die Öffnungszeiten der Freibäder der Region im Überblick

Naturbad "Erzengler Teich" Brand-Erbisdorf: Öffnungszeiten sind von Montag bis Sonntag von 9 bis 20 Uhr.

Johannisbad Freiberg: Badehalle und Saunalandschaft sind bis 2. September planmäßig geschlossen, wegen Revisionsarbeiten, wie die Stadtwerke mitteilen. Das Freibad ist täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnet, ab 13. August mit dem Ende der Sommerferien wochentags aber nur noch von 10 bis 20 Uhr.

Waldbad "Soldatenteich" Freiberg: Die Badestelle ist in diesem Jahr wegen groß angelegter Munitionssuche geschlossen.

Sumpfmühlenbad Hetzdorf: im Juli und August täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnet. Im September wochentags von 10 bis 19 Uhr und an den Wochenenden von 9 bis 19 Uhr.

Erlebnisbad Mulda: Seit Mai geöffnet. Außerhalb der Ferien täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. An Wochenenden und in den Ferien täglich von 9 bis 20 Uhr.

Freibad Naundorf: Das Freibad Naundorf ist montags bis freitags in der Regel von 13 bis 20 Uhr geöffnet, an den Wochenenden von 10 bis 20 Uhr. Nach Vereinbarung mit dem Naundorfer Tourismusverein unter Telefon 01723786574 kann das Bad auch schon früher geöffnet werden.

Freibad Neuhausen: Bei schönem Wetter ist das Freibad täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

Ökobad Rechenberg: Seit Mitte Mai geöffnet. Wird solange offen gehalten, wie das Wetter es zulässt.

Täglich von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Auch hier witterungsbedingt flexibel.

Badepark Reinsberg: Aktuell bis 12. August von 10 bis 20 Uhr, Kernzeit 18 bis 20 Uhr. 13. August bis Ende August 10 bis 19 Uhr, Kernzeit 18 bis 19 Uhr. Bleibt der Badepark witterungsbedingt geschlossen, besteht die Möglichkeit, das Schwimmbecken täglich zur Kernzeit zu benutzen.

Romanusbad Siebenlehn: Im Juli und August täglich von 9 bis 20 Uhr. In der Nachsaison bis 16. September10 bis 19 Uhr. Bei idealen Bedingungen (Luft- und Wassertemperaturen über 20°C) ist eine Verlängerung der Saison möglich. Wetterfeste Badegäste können in der Hauptsaison auch bei Schlechtwetter in der Kernzeit

von 10 bis 12 Uhr und 16 bis 18 Uhr schwimmen gehen.

Freibad Weißenborn: Bei gutem Wetter von 9 bis 20 Uhr geöffnet. Ansonsten 10 bis 19 Uhr. Offen seit dem letzten Mai-Wochenende - so lange, wie gutes Wetter herrscht.

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