Wie umweltfreundlich ist der Christmarkt?

Helle Lichter, Glühwein und leckeres Essen prägen den Freiberger Weihnachtsmarkt. Das alles kostet Strom und verursacht Müll. Doch es gibt schon neue Ideen.

Freiberg.

Tausende Besucher strömen derzeit zum Freiberger Christmarkt auf dem Obermarkt. Bei Bratwurst, Punsch, Glühwein und anderen Leckereien genießen sie die Vorweihnachtszeit. Doch wie umweltfreundlich ist der Markt? Die "Freie Presse" hat sich auf dem Obermarkt umgeschaut.

Plastik: Teller und Besteck aus Plastik oder auch Pappschalen sind noch an einigen Ständen anzutreffen. Doch es gibt einen Trend: Plastikbecher werden verstärkt durch Gläser und Porzellantassen, wie die neue Humboldttasse, ersetzt. Auch Bambusschüsseln oder essbares "Geschirr" gibt es: zum Beispiel die Bratwurst - wie schon immer - in der Semmel und Herzhaftes im ausgehöhlten Brot. Ronny Thieme aus der Oberlausitz ist Inhaber der Stände "Santa Claus Bar" und Käsebude. Er sagt: "Wir verwenden seit zwei Jahren keine Pappbecher mehr, sondern haben eigene Tassen." Allerdings sei es aufgrund der Kosten schwierig, Pappschalen und Plastikteller durch essbare Waffelbecher und Plastikbesteck durch Bambusbesteck zu ersetzen. "Dann wäre alles 50 Cent teurer, der Kunde müsste es bezahlen. Und der Umweltschutz geht oft nur so weit, bis er ans Portemonnaie geht", sagt Thieme. Doch er erwartet, dass der Gesetzgeber ohnehin in einigen Jahren Plastebesteck ganz verbietet. Sein Team leiste aber einen Beitrag zum Umweltschutz: "Früher sind wir immer gependelt. Jetzt haben wir in der Adventszeit eine Wohnung in der Freiberger Innenstadt angemietet."

Heidemarie Stahlberg, Inhaberin des Standes "Allerlei Süßkram", fragt bei Schoko-Obstspießen jedes Mal: Zum Mitnehmen oder zum Hieressen? Die meisten Kunden entscheiden sich fürs Hieressen. Ihre Lebkuchenherzen sind in Plastikfolie eingepackt - wegen der Hygiene, sagt die Langenauerin, seit 1987 selbstständige Händlerin. "Auf dem Freiberger Weihnachtsmarkt bin ich seit tiefsten DDR-Zeiten." Im Sommer betreibt sie den Imbiss am Langenauer Pochwerkteich, ihr Sohn hat den Kiosk am Erzengler.

Strom: Die Beleuchtung des Christmarktes und der Altstadt ist laut Babette Erler vom Amt für Kultur-Stadt-Marketing bereits komplett auf LED umgerüstet. Die Umstellung sei ein hoher Kostenfaktor für die Stadt gewesen. Eine Summe nennt Babette Erler auf Nachfrage der "Freien Presse" nicht.

Nachhaltigkeit: Julian Lorenz aus Schwarzenberg offeriert an seinem Stand Gänseburger und Bio-Eierlikör. Der 21-jährige Koch betont, dass bei den Gänsen alles verwendet wird: Das Fleisch wird abgezupft, die Knochen zu einer Brühe ausgekocht, in der das Fleisch später warmgehalten wird, und die Innereien werden zu einer Pastete verarbeitet. Serviert wird der Burger in einem Fettbrötchen mit einem Glitscher und leicht karamellisiertem Rotkraut - in etwas Papier. Der selbstgemachte Eierlikör aus Bio-Eiern (besonders lecker: der Stolleneierlikör) wird in Waffel-Schokobechern kredenzt. Und statt Heizstrahlern feuert Lorenz mit Holz einen Alpenofen an, an dem sich die Gäste wärmen können. "Das ist eine gute Sache", sagt Wolfgang Götze (66) aus Dresden. Seine Frau Monika (63) ergänzt: "Der Christmarkt ist hübsch wie immer. Wir kommen jedes Jahr nach Freiberg. Jetzt wohnen Tochter und Enkel hier. Auch schon vorher waren wir in der Weihnachtszeit gerne in Freiberg." Dass Nachhaltigkeit "immer ein Thema" ist, sagt auch Babette Erler von der Stadtverwaltung. Die Händler legten auch oft selbst Wert auf Umweltfreundlichkeit. David Bojack, Sachgebietsleiter Events und Märkte, ergänzt auf Anfrage von "Freie Presse", dass der Sächsische Oberberghauptmann Carl von Carlowitz (1645 bis 1714) den Gedanken der Nachhaltigkeit "von Freiberg in alle Welt getragen hat". Bojack: "Das ist auch für uns eine Verpflichtung, an dem Thema dranzubleiben." In Gesprächsrunden mit den Händlern in Auswertung des Christmarktes gehe es um künftige Schritte. Als Beispiele nennt Babette Erler das Umstellen von permanenten Warmhaltebehältern auf Durchlauferhitzer oder den Ersatz von Plastiktüten durch Papiertüten oder Baumwolltaschen. Eine Kundin auf dem Christmarkt zückt nach dem Kauf von Wollsocken gleich ihre Stofftasche: "Die habe ich stets dabei."

Dekoration: Laut Babette Erler legt die Stadt Wert auf eine Dekoration aus natürlichen Rohstoffen, meist ist es Holz. Neu sind die Schilder an den Stolleneingängen zum Markt, die Umrandung der Bergparade (Vitrinen, zum Beispiel zu Alexander von Humboldt), und die Figuren der beiden obersten Etagen der Pyramide.

Müll: Auf dem Freiberger Christmarkt hinterließen die Tausenden Gäste im Vorjahr 30,8 Tonnen gemischte Siedlungsabfälle, 3,13 Tonnen kompostierbare Abfälle und 890 Kilogramm Straßenkehricht. In diesem Jahr stehen 42 Mülltonnen (240 Liter) und sechs Festtagstonnen (1100 Liter) auf dem Obermarkt.

Fazit: In Sachen Umweltfreundlichkeit gibt es auf dem Freiberger Christmarkt Luft nach oben, etwa beim Einsatz von Mehrweggeschirr. Aber in den vergangenen Jahren hat sich schon einiges bewegt.

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