Windräder: Gemeinderat lehnt Petition von 389 Bürgern ab

Eine Bürgerinitiative kämpft gegen den Bau weiterer Windkraftanlagen auf der Voigtsdorfer Höhe. Die Dorfchemnitzer Räte sehen das jedoch anders.

Dorfchemnitz/Zethau.

Die Zethauer Bürgerinitiative "Wir für unser Dorf" macht sich gegen weitere Windräder rund um den Muldaer Ortsteil stark. "Genug der Windkraftanlagen um Zethau" heißt ihre Petition, die genau 389Einwohner von Zethau, Obersaida, Voigtsdorf und Dorfchemnitz unterschrieben haben. Darin lehnen sie die drei geplanten neuen Windkraftanlagen auf der Voigtsdorfer Höhe im Dorfchemnitzer Ortsteil Voigtsdorf ab.

Laut Bürgerinitiative würden sich weitere Anlagen negativ auf die Lebens- und Wohnqualität sowie Gesundheit der Anwohner auswirken. Zudem sinke der Wert der Grundstücke und das Ökosystem werde gefährdet. Ferner werde das Orts- und Landschaftsbild zerstört, weil der Horizont verstellt werde. Obendrein lasse sich Strom derzeit nur schlecht speichern. Die Bürgerinitiative betont, dass die Energiewende "allein mit regenerativer Elektroenergie (Ökostrom) für die Industrienation Deutschland physikalisch und elektrotechnisch nicht machbar" sei. Ökostrom könne nur begleitend bei der Energieversorgung sein.

Der Gemeinderat Dorfchemnitz jedoch lehnte die Petition auf seiner jüngsten Sitzung ab - bei drei Enthaltungen. Laut Beschlussvorlage wurde die Petition bereits beim Erörterungstermin innerhalb des immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahrens behandelt, bei dem schädliche Einwirkungen auf die Umwelt geprüft werden. Zuvor waren die Antragsunterlagen einen Monat lang öffentlich einzusehen. Der seit 2009 rechtswirksame gemeinsame Flächennutzungsplan der Verwaltungsgemeinschaft Sayda-Dorfchemnitz und fünf weiterer Erzgebirgsorte weise in dem Gebiet zwei Standorte für Windparks aus. "Damit hat sich die Gemeinde grundsätzlich für die Nutzung von Windkraft positioniert", heißt es in der Vorlage. Bereits im August hatte Bürgermeister Thomas Schurig (parteilos) gegenüber "Freie Presse" gesagt: "Für uns als Gemeinde ist das die Chance, Mehreinnahmen ohne Zweckbindung zu bekommen." Rund 60.000 Euro Pacht fielen pro Jahr an, die dann in die Gemeinde fließen. 80 Prozent davon sollen in Voigtsdorf, 20 Prozent in Dorfchemnitz genutzt werden. Schurig: "Wegebau, verbesserte Infrastruktur, Spielplatz: Das ist das Geld, was der Gemeinde hilft und nutzt."

Derzeit stehen in Pfaffroda 25und in Voigtsdorf zwei Windkraftanlagen. Die drei neuen sollen zwischen Voigtsdorf und Pfaffroda entstehen. Laut dem Meißner Unternehmen UKA läuft derzeit ein Genehmigungsverfahren für drei Windenergieanlagen mit je 4,5 Megawatt Nennleistung und einer Gesamthöhe von 200 Metern. "Wir hoffen auf eine Errichtung und Inbetriebnahme 2020", so UKA-Pressesprecherin Lisa Fritsche auf Anfrage von "Freie Presse". Über diesen Genehmigungsantrag wird das Landratsamt Mittelsachsen laut einer Behördensprecherin voraussichtlich Ende 2019/Anfang 2020 entscheiden. Ferner liege für den Bereich Zethau/Dorfchemnitz/Pfaffroda ein Vorbescheidantrag für zwei weitere Anlagen vor.

Dass die Bedenken der Anwohner ernst genommen werden, betont UKA-Mitarbeiterin Fritsche. Beim Erörterungstermin am 25. September habe das Unternehmen mehrere Stunden lang über das Projekt informiert und sei auch auf die Einwände eingegangen. UKA behalte während der gesamten Projektierung die Auswirkungen auf die Umwelt im Blick. Untersuchungen, so zu Schall, Schattenwurf und Naturschutz, seien von zentraler Bedeutung, da keine Anlage genehmigt werde, "von der unzumutbare Belastungen für Mensch, Tier und Pflanzenwelt ausgehen", sagt Fritsche.

Unterdessen überarbeitet der Regionalverband Chemnitz noch seinen Windplan (siehe Kasten). (mit cor)


Abstand von Anlagen und Häusern noch nicht neu festgelegt

Der Planungsverband Chemnitz überarbeitet seit Jahren den "Windplan" in seinem Regionalplan - jenen Teil also, der Vorrang- und Eignungsgebiete für Windräder und Abstandsregelungen zur Bebauung festlegt. Mehrere tausend Einwendungen von Bürgern, Kommunen und Verbänden wurden bereits geprüft und teils eingearbeitet.

Allerdings: "Im aktuellen Entwurf des Konzeptes haben wir bisher einen Abstand von Windenergieanlagen zur Wohnbebauung von 750 Metern zugrunde gelegt", so Sebastian Kropop vom Verband. Doch jetzt sehe der Kabinettsausschuss Klimaschutz der Bundesregierung einen neuen gesetzlichen Mindestabstand von 1000 Metern vor. Darüber sei auch in der Verbandsversammlung am 8.Oktober in Flöha informiert worden. Denn die beabsichtigten neuen Abstandsregelungen hätten "erhebliche Auswirkungen auf die Abwägung/Fortschreibung des Windenergiekonzeptes".

Eigentlich wollte der Verband am 17. Dezember über den überarbeiteten Entwurfes des Windenergiekonzeptes beraten. Das sei verschoben worden. Denn zunächst müssten für die Fortschreibung des Windkonzeptes die verbindlichen neuen gesetzlichen Regelungen vorliegen. (hh)

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