Wo der Borzeldreher zu Hause ist

Die Erzgebirgsregion ist einzigartig - schon wegen ihrer Sprache. Und auch das hiesige Handwerk ist mundartlich nicht auf den Mund gefallen. Heute zu Gast bei: Drechslermeister Hans Lichtenberger in Olbernhau.

Olbernhau.

Löffelbohrer und Klöpfel, Brustleier und Schrubber begleiten Hans Lichtenberger im Berufsalltag ein Leben lang: Der Olbernhauer ist erfahrener Drechslermeister. Als Erzgebirger fühlt er sich seit frühester Jugend mit dem Land, den Leuten und dem Brauchtum verpflichtet. "Indes sind dies Werkzeuge, die auch an anderen Orten so bezeichnet werden", stellt der agile 71-Jährige fest. "Die Begriffe werden aber in jeder Region mit speziellem Zungenschlag gesprochen."

Auch als Vorsitzender des Erzgebirgszweigvereins Olbernhau hat sich der Unruheständler jetzt Gedanken darüber gemacht, welche Worte er zum Wettbewerb um das Mundartwort des Jahres 2019 aus der Stadt der sieben Täler beisteuern könnte. "Aus meiner Branche sind Raachermannl und Raacherkerzl hinlänglich bekannt. Aber unter der Bezeichnung Borzeldreher werden Uhiesige wenig verstehen", gibt Hans Lichtenberger zu bedenken. "Damit ist mein Beruf gemeint, als Borzel wird das Stück Holz bezeichnet, welches ich an der Drehbank einspanne und dann bearbeite." Ungezählten Stücken des Naturmaterials hat der Fachmann in über fünf Jahrzehnten seines Wirkens Form und Gestalt gegeben.


Einst in einem Unternehmen in Rothenthal gelernt, schloss sich der Tätigkeit im VEB-Betrieb bald der ehrgeizige Wunsch an, als Selbstständiger zu arbeiten. "Dies war seinerzeit nicht so einfach, aber es gelang mir, die Meisterausbildung zu absolvieren und 1981 die eigene Drechslerei aufzubauen." Bis zum Ende der DDR lieferte der Olbernhauer seine Ware vor allem an einen Genossenschaftsbetrieb nach Marienberg. "Mit der Wende hieß es, sich neu auszurichten, jetzt waren beispielsweise auch Aktivitäten in Marketing und Verkauf von mir gefragt. Und vor allem: Hochdeutsch zu sprechen. In der ersten Nachwendezeit haben mich Kunden manchmal nicht verstanden, wenn ich hiesigen Dialekt gesprochen habe." Nach und nach habe er sich ein belastbares Netzwerk an Geschäftskontakten aufbauen können, so der Meister.

Dessen Kunststücke sind längst in vielen Regionen Deutschlands zu finden. Für eine Kirchgemeinde nahe Düsseldorf hat er mit einem drei Zentner schweren Elefanten sein bis dato mächtigstes Exemplar gefertigt, während der Erzengel Michael samt Ungeheuer mit knapp zwei Metern Höhe für eine Kirche in Brühl als größtes Teil gilt. Eine für Stendal gefertigte Krippe umfasst die meisten Figuren eines Bildes. Als Briefmarkenleichtgewicht wiederum erweist sich die Reifendrehfigur eines Eichhörnchens. Dieses Motiv wissen Touristen zu schätzen, die an von Lichtenberger gestalteten Messen bzw. Schnupperkursen teilnehmen. In seinem ehrenamtlichen Engagement versteht sich das Mitglied der Drechsel- und Spielzeugmacher-Innung des Erzgebirges durchaus als Botschafter des Erzgebirges.

"Auf einem kleinen Bauernhof groß geworden, haben sich mir vor allem Begriffe der Landwirtschaft eingeprägt", so Lichtenberger. Eher ungern denke er an die Mahnung des Vaters zurück, mal eine hinter die Kumtleisten zu bekommen. "Gebaurich meint ein Gebäude in schlechtem baulichen Zustand, als Schiebock wird der Schubkarren bezeichnet." Lorks verwende man als Wort für schlechte Ware, Kuhfloden sei Kuhmist und ein Heipfaar ein Grashüpfer. Sudelfass und Sudelpump dürften sich erschließen lassen, wie der Heibudn. Als Schlepprachn werde ein Heu-Rechen genannt und der Draschflegel als ein weiteres Arbeitsgerät. "Und zu Berufsvertretern fallen mir ein der Barwier, also Bader bzw. Friseur und der Feieressnriebl oder auch Rußbuttn bezeichnete Schornsteinfeger. Erzgebirger kennen auch den Bitzelheinrich, einen Bastler, der wenig drauf hat." Ein Leitspruch hat für ihn symbolischen Bestand: "Handwerk ist Werk von Hand, geleitet vom Herzen, gelenkt vom Verstand."


Teilnahmebedingungen

Ihr Lieblingswort zum Handwerk versehen mit kurzer hochdeutscher Übersetzung sowie Ihren Kontaktdaten per Post an: "Freie Presse", Lokalredaktion Annaberg, Markt 8, in 09456 Annaberg-Buchholz. Via E-Mail an: Red.Annaberg@freiepresse.de. Einsendeschluss: 1. September 2019.

Der Teilnehmer/die Teilnehmerin erklärt sich gegenüber der Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG einverstanden, dass seine/ihre Zusendungen kostenfrei veröffentlicht werden können in gedruckter wie digitaler Form. Für die Verarbeitung der Daten gilt der unten angegebene Datenschutzhinweis, den der Teilnehmer/die Teilnehmerin zur Kenntnis genommen hat. Der Teilnehmer/die Teilnehmerin erklärt sich damit einverstanden, dass die Daten ausschließlich aus organisatorischen Zwecken an den Erzgebirgsverein e.V., Markt 6, in 08289 in Schneeberg, weitergegeben werden. Nach Auswertung des Wettbewerbs werden die Teilnehmerdaten vom Erzgebirgsverein komplett gelöscht.

Datenschutzhinweis: Die "Freie Presse" und ihre Dienstleister verarbeiten meine oben genannten Angaben nach Art. 6 Abs. 1 a, b EU-DS-GVO für die Organisation und Abwicklung der Veranstaltung bis zum Ablauf einschlägiger Aufbewahrungsfristen sowie für Zwecke mit separat erteilter Einwilligung, bis ich diese widerrufe, z.B. durch eine kurze Nachricht an datenschutz@freiepresse.de, an Freie Presse, Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG, Brückenstr. 15, 09111 Chemnitz oder an: datenschutzbeauftragter@freiepresse.de. Ich habe das Recht zur Beschwerde über diese Datenverarbeitung bei der Datenschutz-Aufsichtsbehörde und kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen Auskunft, Berichtigung, Löschung oder die eingeschränkte Verarbeitung verlangen, der Verarbeitung widersprechen oder mein Recht auf Datenübertragbarkeit geltend machen.

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