Wo ein Preis viel eher Ansporn als Ehre ist

Die Kirchgemeinde Oberbobritzsch kümmert sich nicht nur ums Seelenheil ihrer Schäfchen, sondern ebenso um den Erhalt wertvollen Kulturguts. Das blieb auch außerhalb des Dorfes nicht verborgen.

Oberbobritzsch.

Es ist ja nicht so, dass man die Kirche übersehen könnte. Sie dominiert das Tal der Bobritzsch weithin. Manchmal, wenn der Herbstnebel ins Tal strömt, ist die Spitze ihres Turms das einzige, das aus dem Dunst herausschaut. Als ob die Kirche ihre Nase in die Welt reckt. Hin und wieder, sagt Katrin Voigtländer vom Pfarramt, finden Touristen den Weg hierher. "Erst letztens", sagt sie, "waren welche da, die sehr überrascht waren, was für eine prachtvolle und schöne Kirche sie hier auf so einem Dorf finden."

Man kann das nachfühlen, wenn man das Kirchenschiff betritt mit dem barocken Innenraum, dem prächtigen Altar mit der mittelalterlichen Tafelmalerei, der bemalten Decke, der imposanten Orgel. Die Oberbobritzscher Kirche, 1361 erstmals erwähnt, ist nicht nur die größte von Bobritzsch-Hilbersdorf, sie ist kunsthistorisch bedeutsam weit über die Gemeindegrenzen hinaus. Und dass das so ist und so bleibt, daran hat die Kirchgemeinde großen Anteil.

"Wir machen nicht nur Kirche, wir erhalten auch Kulturgut", sagt Jonas Schönlebe vom Kirchenvorstand. Für das Engagement seiner Leute bei der Denkmalpflege hat der Landkreis die Kirchgemeinde mit dem Denkmalschutzpreis 2018 gewürdigt. "Es geht um Arbeitseinsätze und um Planvorleistungen, Fördermittelbeantragung und Abstimmungen - und dies im Ehrenamt", begründete Falk-Uwe Langer vom Denkmalschutz-Referat im Landratsamt.

Zum denkmalgeschützten Ensemble in Oberbobritzsch gehören neben der Kirche auch der Friedhof und dessen Einfassung, das Pfarrhaus und der Pfarrhof mit der Scheune. "Die Identifikation mit all dem ist groß", berichtet Jonas Schönlebe vom Kirchenvorstand. Erst kürzlich haben groß und klein wieder mitgebunden an den Kränzen fürs Erntedankfest, haben Erntegaben vorbeigebracht. Beim Thema Denkmalschutz hält Jonas Schönlebe die Fäden in der Hand. Zu tun gab und gibt es genug. Zuletzt wurde die Friedhofsmauer mit dem Treppenaufgang saniert. Kosten: rund 200.000 Euro, aufgebracht von der Kirchgemeinde und der Landeskirche. Nun steht die Instandsetzung der Außenhülle der Kirche an, ebenfalls für rund 200.000 Euro. Das wird diesmal voraussichtlich auch von der EU unterstützt. Leader-Programm sei Dank.

Bald soll auch die um 1914 eingerichtete Lutherstube restauriert werden. Das sachsenweit wohl einmalige Turmzimmer mit filigraner Wandbemalung ist dem Reformator als Ehrenkammer gewidmet. An zwei Stellen hat eine Restauratorin die teils verblasste, teils abgeblätterte Bemalung wieder hergestellt. Eine aufwändige Angelegenheit. "Ich habe mir sagen lassen, zur damaligen Zeit wurde das einfach aus der Hand heraus gemalt", sagt Schönlebe über die Buchstaben eines Spruchs aus Paulus' Römerbrief, der auf der Wand geschrieben steht. "Heute, da man das nicht mehr jeden Tag macht, ist ein Restaurator mit viel Mühe beschäftigt."

Nach Absprache mit dem Pfarramt kann all das gern besichtigt werden, berichtet Schönlebe. Doch zu den Aktivitäten gehört auch die Idee, die Oberbobritzscher Kulturgüter allgemein der Öffentlichkeit leichter zugänglich zu machen. Gedankenspiele gehen dahin, die Räume etwa für Diskussionsabende zu öffnen. Schönlebe: "Wir versuchen, Gesprächsforum zu sein." Mit Luthers Ansatz zum freien Denken, wie er sagt. "Und mit Gottes Liebe durch Jesus Christus als Inspiration."

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