Wo einst die Schmalspurbahn fuhr

Den Mitstreitern des Freiberger Modellbahnclubs 1965 ist es zu verdanken, dass der längst still-gelegte Bahnhof Falkenberg nicht in Vergessenheit gerät. Jetzt hatten sie einen besonderen Grund zu feiern.

Falkenberg.

Vom alten Bahnhof Falkenberg existiert eigentlich nur noch ein Gebäude. Das ist nicht der Güterschuppen, der zwar an alter Stelle steht, doch erst in jüngerer Vergangenheit auf dem Fundament seines Vorgängers neu errichtet wurde. Allein das Wiegehäuschen ist halbwegs im Original übrig geblieben. Das Gleis, das heute vor dem Güterschuppen verlegt ist, war dort auch nicht im Original zu finden. Es wurde etwa 50 Meter entfernt entdeckt, als im Jahr 2005 die Falkenberger Straße in Richtung Bundesstraße 173 neu gemacht wurde. Bevor dieser fast vergessene Zeuge einer vergangenen Schmalspurbahngeschichte auch auf dem Schrott landete, wurde er direkt vor den Güterschuppen verlegt.

Dass man heute noch am Ortsausgang Falkenberg jene Überbleibsel sehen kann, ist auch den Mitgliedern des Freiberger Modellbahnclubs 1965 zu verdanken, die sich seit 20 Jahren der Pflege des Areals auf eine ganz besondere Art und Weise verschrieben haben und diese Tatsache in der vergangenen Woche mit einem kleinen Fest vor Ort würdigten.

Erzählt wird hier die Geschichte der Schmalspurstrecke von Oberdittmannsdorf nach Klingenberg-Colmnitz. Deren erstes Teilstück wurde am 1. Oktober 1921 zwischen Klingenberg-Colmnitz und Naundorf eröffnet. Ein gutes Jahr später führte sie bis nach Niederschöna und schließlich ab dem 1. November 1923 bis nach Oberdittmannsdorf. Ein ewiges Leben war ihr leider nicht beschieden. Am 1. Juli 1971 kam die Stilllegung für den Güter-, am 28. Mai 1972 für den Personenverkehr. Es folgte der komplette Abbruch der Strecke, doch blieben einige Gebäude entlang der Route teilweise bestehen. Das ehemalige Falkenberger Bahnhofsgelände wucherte in den Jahrzehnten immer mehr zu. Selbst heute kann man sich kaum noch vorstellen, dass hier einmal Züge Station machen konnten. Doch unter all dem Wildwuchs verborgen blieb das ehemalige Gleisbett unangetastet.

"Vor 20 Jahren wurde endlich der Durchbruch in Richtung Oberschaar geschaffen", erzählt Jochen Winkler vom Modellbahnclub, der damals an den Arbeiten beteiligt war. Ziel war es, einen Rad- und Wanderweg zu schaffen, wofür sich die Strecke hervorragend eignete. Sie führt nicht nur durch eine herrliche Natur, sondern auch mitten durch ehemaliges Bergbaugebiet. Geht man den Pfad nur wenige hundert Meter, so trifft man auf einen Stein und eine Tafel. Beide erinnern an die Existenz des König-August-Erbstollns an dieser Stelle, der 1699 erstmals Erwähnung findet und in den am 17. Oktober 1711 niemand Geringeres als der russische Zar Peter der Große einfuhr.

Noch einmal ein paar hundert Meter weiter steht man vor einer Bank. Sie ist auf den ersten Blick nicht gerade spektakulär, doch für die Modellbahner von besonderer Bedeutung. "Wir haben sie im Juni 1999 hier aufgestellt und seither kümmern wir uns um ihren Erhalt und die Verschönerung des Areals", sagt Jochen Winkler. Auch hier war damals noch alles zugewuchert. Als man das Gestrüpp entfernt hatte, kamen weitere Überreste der Schmalspurbahnhistorie zum Vorschein. Ein alter Telegrafenmast etwa, und die alten Gleisschwellen, die hier offenbar einfach abgelagert und vergessen wurden. Einmal im Jahr trifft sich der Club an seiner Bank, trinkt ein Bierchen auf die Geschichte und stößt auf den Wanderweg an.

Zum 20. Jubiläum kam auch Halsbrückes Bürgermeister Andreas Beger dazu. "Die Gemeinde kann froh sein, dass ihr das macht", sagte er. "Heutzutage ist schnell mal eine Idee geboren, sie aber 20 Jahre durchzuhalten, das ist selten geworden." Besonders freue ihn, dass in all der Zeit kaum Vandalismus an den Schautafeln entlang des Weges oder an der Bank stattgefunden habe. Selbst der Flaschenöffner, vor zwei Jahrzehnten an einem Tisch befestigt, sei noch immer das Original.

Erinnert wird damit daran, dass das zentrale mittelsächsische Schmalspurbahnnetz einstmals über eine Länge von bis zu 235 Kilometern verfügte. Geblieben sind davon vor allem Erinnerungen, ein paar Schienen und nur wenige Gebäude. Die Strecke zwischen Klingenberg-Colmnitz und Oberdittmannsdorf jedoch lebt über weite Teile hinweg als Rad- und Fußwanderweg weiter.

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