Wo Wärme aus der Erde kommt

Die Kreisstadt bietet im übertragenen Sinne einen heißen Boden - etwa jede neunte Geothermie-Anlage von Mittelsachsen steht in Freiberg.

Freiberg.

Der Bundesverband Wärmepumpe hat in dieser Woche zu einer Exkursion nach Freiberg eingeladen. "Heizen und Kühlen mit erdgekoppelten Systemen - Modernisierung" war das Thema der Rundfahrt, an der Fachjournalisten aus ganz Deutschland teilgenommen haben. "Wir haben die Stadt ausgewählt, weil es hier dicht beieinander mehrere interessante Beispiele für die Erdwärmenutzung gibt", erklärte Katja Weinhold als Pressesprecherin des Vereins.

In der Tat ist die mittelsächsische Kreisstadt ein Zentrum der Geothermie. Wie Cornelia Kluge vom Landratsamt informiert, sind bei der unteren Wasserbehörde seit dem Jahr 2000 insgesamt 117 Erdwärmeanlagen in Freiberg registriert worden - eine wasserrechtliche Erlaubnis gehört zu den Voraussetzungen für die Nutzung der sogenannten oberflächennahen Geothermie. Konkret sind nach den Worten der Pressesprecherin in der Gemarkung Freiberg 97, in der Gemarkung Zug 12, in der Gemarkung Kleinwalters-dorf 7 und in der Gemarkung Halsbach eine dieser Anlagen erfasst.

Torsten Kleditzsch

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Wie Karina Hofmann vom Landesamt für Umwelt, Geologie und Landwirtschaft mitteilt, addiert sich die Leistung der Freiberger Anlagen auf circa 1675 Kilowatt (Stand April 2019). Den Angaben der Fachreferentin zufolge sind das etwa 16 Prozent der in ganz Mittelsachsen in-stallierten Geothermie-Leistung.

In der nächsten Woche gibt es in Freiberg wieder ein Stelldichein von Geothermie-Experten mit internationaler Beteiligung. Zum Geoenergietag 2019 am 23. und 24.Mai werden etwa 100 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft erwartet. Im Vorfeld dazu findet am Dienstag und Mittwoch die Abschlusskonferenz des EU-Projekts GeoPLASMA-CE statt. "Die Ergebnisse umfassen Feldmessungen, Potenzial- und Konfliktkarten in Bezug auf die Eignung von Erdwärmesonden und Grundwasserwärmepumpen sowie Strategien zur Förderung der Nutzung von Oberflächennaher Geothermie", erläutert Rüdiger Grimm von der Freiberger Firma Geoenergie-Konzept. Ziel der Konferenz sei es, Experten aus Regulierungsbehörden, Industrie und Forschung zusammenzubringen.


Das Wohnhaus

135 Quadratmeter Fläche beheizt Rüdiger Grimm in seinem Wohnhaus an der Donatsgasse in Freiberg (Foto: bwp/Rüdiger Grimm) mit Erdwärme - rund ein Drittel über eine Fußbodenheizung und den Rest über klassische Heizkörper. Dafür wurde in dem kleinen Garten hinter dem Gebäude eine 100 Meter tiefe Bohrung niedergebracht. "Das Bohrgerät musste mit

einem Kran über das Dach gehoben werden", erinnert sich der Hausherr und Geschäftsführer der Firma Geoenergie-Konzept, die sich auf die

Planung von Geothermie-Anlagen spezialisiert hat. 2008 habe er seine Heizung umgerüstet, erläutert der Fachmann: "Ich kann ja schlecht eine Gastherme nutzen, wenn ich von

Erdwärme überzeugen will." Dank

der Messwerte-Überwachung habe

er dabei 2017 die ursprüngliche

8,9-Kilowatt-Wärmepumpe durch

ein 5,9-Kilowatt-Aggregat ersetzen können: "Das kleinere Gerät reicht aus. Es läuft durchgängiger und ist damit auch effektiver." (jan)


Das Firmengebäude

50.000 Kilowattstunden Heiz- und Kühlenergie benötigt die Firma Freiberg Instruments (Foto: bwp/Freiberg Instruments) in etwa pro Jahr, um ihr Produktionsgebäude im Gewerbegebiet Freiberg-Nord zu klimatisieren. Die Wärmepumpe, die diesen Bedarf deckt, verbraucht nach den Worten von Geschäftsführer Kay Dornich pro Jahr ungefähr 10.000 Kilowattstunden Strom. Der "Gewinn" von circa 40.000 Kilowattstunden wird durch fünf Erdwärmesonden erzielt, die 120 bis 130 Meter tief reichen. Der Komplex wird damit nicht nur im Winter beheizt, sondern im Sommer auch gekühlt - die überschüssige Wärme wird im Untergrund gespeichert. "Der Freiberger Gneis ist dafür sehr gut geeignet, und die Kombination von Heizen und Kühlen macht die Anlage besonders effektiv", sagt Geothermie-Experte Rüdiger Grimm. Darüber hinaus verfügt die Firma über eine Sonnenstromanlage mit bis zu 45 Kilowatt Leistung; die Energie wird zu 95 Prozent selbst genutzt. (jan)


Die Bibliothek

Bis zu 205 Meter tief sind die Bohrungen (Foto: bwp/Rüdiger Grimm) für die zehn Sonden, die das Kornhaus an der Korngasse in Freiberg mit Erdwärme versorgen. Sie sind damit die tiefsten Geothermie-Bohrungen in Sachsen. Am Dienstag wurde die Sole durch das Rohrsystem mit einer Temperatur von 3 Grad Celsius in die Tiefe gepumpt und kam auf 9 Grad Celsius erwärmt wieder nach oben. Wie Frank Bendix von der Firma Viessmann weiter erläuterte, setzen zwei Wärmepumpen den Energiegewinn in 45 bis 48 Grad Celsius Vorlauftemperatur für die Heizung um. Das 500 Jahre alte Haus wird nach umfangreicher Sanierung seit 2015 von der Stadtbibliothek und einer Krankenkasse genutzt. Dabei zeigte sich, dass die Geothermie-Anlage überdimensioniert ist. Bendix: "Wir könnten noch ein Kornhaus dranhängen." Die Innendämmung aus Kalziumsilikatplatten mit Lehmputz sei offenbar besser als die Normwerte, mit denen gerechnet wurde, sagte Planer Arne Gorzolla. (jan)

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