Wolf in der Fotofalle: Erster Beweis im Osterzgebirge

In Mittelsachsen gibt es seit Mittwoch mindestens sechs Nachweise, dass der Wolf die Region durchstreift. Wird er nun in der Kammregion sesshaft?

Holzhau/Rehefeld.

Die Vermutungen gibt es schon lange. Nun ging er in die Fotofalle. Am Mittwoch bestätigten Experten: Am 17. Dezember 2018 wurde erstmals ein Wolf im Osterzgebirge nachgewiesen. "Das Foto stammt aus dem Forstrevier Rehefeld. Wir vermuten, dass es ein einzelner Durchzügler gewesen sagt", erklärt Kristina Funke, Sprecherin im Forstbezirk Bärenfels, zu dem das Revier nahe der tschechischen Grenze gehört. "Allerdings gib seit dem Foto vom Dezember dort keine Hinweise mehr auf das Tier", so die Sprecherin.

Die Verantwortlichen des Lausitzer Kontaktbüros Wölfe in Sachsen stuften das Foto "als eindeutigen Nachweis" ein. Auch Förster Frank Müller, der ein Revier bei Holzhau im Forstbezirk Marienberg betreut, hat bereits Hinweise, darunter Wolfsspuren im Wald gesichtet. Ein Tier selbst habe er aber noch nicht beobachten können. Dennoch: "Der letzte bestätigte Wolfshinweis beziehungsweise eine Sichtung stammt von Mitte Dezember 2018 aus dem Raum Holzhau", so die Wolfsbeauftragte des Landkreises, Jenny Eichelmann.

Ob das jetzt aufgenommene Tier aus einem der bekannten Wolfsterritorien in den grenznahen Regionen der Tschechiens stammt, das steht nicht fest. Unklar ist zudem, ob sich das Tier dauerhaft niederlassen wird oder das Gebiet nur durchwandert hat. Weitere Informationen aus der Region seien nötig, so das Kontaktbüro. Es hat Informationen über ein Rudel im Nationalpark Böhmische Schweiz und das Výsluní Rudel, benannt nach der gleichnamigen Stadt auf dem Erzgebirgskamm. Beide Territorien sind 2017/2018 zum ersten Mal nachgewiesen worden.

Wölfe werden in Mittelsachsen immer häufiger entdeckt. Der jüngste Hinweis stammt vom 28. Februar aus der Gegend bei Waldheim, wie es auf Nachfrage der "Freien Presse" aus der Pressestelle des Landratsamtes heißt. Jedoch sei dies kein bestätigter Nachweis. Insgesamt haben die Kreis-Wolfsbeauftragten 2018 und 2019 bisher 38 Hinweise auf das Raubtier in Mittelsachsen bekommen, so die Behörde. Dabei gebe es keine Schwerpunktregionen, Beobachtungen würden aus dem gesamten Kreis gemeldet. Dazu zählt laut Jenny Eichelmann eine Beobachtung aus der Gegend bei Zettlitz, die der Behörde Ende Januar gemeldet wurde, welche aber aufgrund von fehlenden Foto-, Filmaufnahmen oder anderen konkreten Hinweisen nicht bestätigt werden konnte.

Für Aufsehen sorgte erst vor wenigen Tagen die Nachricht, als am 24. Februar auf der A 14 bei Döbeln vermutlich eine Wölfin überfahren wurde. Das Tier "ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein weiblicher Wolf" wie Vanessa Ludwig vom Kontaktbüro "Wölfe in Sachsen" bestätigte. Es war in einen Verkehrsunfall auf der Autobahn verwickelt. Wie die Autobahnpolizei Leipzig berichtete, war es in Fahrtrichtung Magdeburg bei Döbeln zur Kollision mit einem VW Passat gekommen. Die 40-jährige Fahrerin blieb dabei unverletzt, an ihrem Auto entstand Sachschaden von etwa 3000 Euro.

Der Priestewitzer Rico Krellmann war einer der ersten Autofahrer am Unfallort und fotografierte das tote Wildtier: "Ich habe es von der Fahrbahn auf die Seite gezogen. Ich schätze, es war etwa 40 Kilogramm schwer und sah aus wie ein ausgewachsener Wolf", sagte der 50-Jährige. Da die Polizeibeamten das Tier aufgrund seiner Verletzungen vor Ort nicht zweifelsfrei als Wolf identifizieren konnten, zogen sie das Kontaktbüro "Wölfe in Sachsen" hinzu. Der Kadaver wurde zur wissenschaftlichen Untersuchung nach Berlin an das Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) gebracht. Ein Ergebnis liegt laut Kontaktbüro bisher nicht vor.

Inzwischen gibt es wenigstens sechs Beweise, dass der Wolf die Region zumindest durchstreift. Das Wolfsbüro und das Landratsamt bestätigten, dass Fotos die Raubtiere zeigen: Im Dezember 2017 hatte beispielsweise ein Jäger in Seifersbach bei Mittweida Handyaufnahmen eines Wolfes gemacht. Im April 2017 war einer Person nahe Mochau ein Bild gelungen. Auch im Februar 2018 war in Chursdorf bei Penig ein Wolf fotografiert worden.

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