150 Stellen entstehen in neuem Paket-Verteilzentrum

Amazon will in Frankenberg bauen - Industrie- und Handelskammer sieht fairen Wettbewerb nicht in Gefahr

Frankenberg.

Der Logistik-Konzern Amazon will in Frankenberg ein ortsansässiges Tochterunternehmen gründen und auf circa 5,5 Hektar Fläche im Ortsteil Dittersbach ein Paket-Verteilzentrum errichten. Dies teilte Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU) beim Stadtrat am Mittwoch mit. "Freie Presse" beantwortet Fragen zur Neuansiedlung.

Was genau ist geplant?


Auf einer circa 5,5 Hektar großen Fläche im Ortsteil Dittersbach soll ein Paket-Verteilzentrum gebaut werden. Das bestätigte Amazon auf "Freie Presse"-Anfrage. Solche Zentren gibt es bereits in Olching bei München, Berlin, Mannheim, Köln, Düsseldorf, Bochum und in Raunheim. Ein weiteres Verteilzentrum soll im Herbst nördlich von Dresden, in Lampertswalde in Betrieb gehen.

Was passiert in dem geplanten Verteilzentrum?

Paketlieferungen aus den größeren Logistikzentren des Konzerns wie etwa in Leipzig werden künftig in Frankenberg auf kleinere Fahrzeuge verteilt und zum Kunden gebracht. Dabei will Amazon nach eigenen Angaben lokalen Lieferpartnern die Möglichkeit bieten, gemeinsam mit dem Konzern zu wachsen. Amazon wolle Kapazität und Flexibilität auf der letzten Meile steigern.

Wem gehören die Grundstücke in Dittersbach?

Ein 1,77 Hektar großes Grundstück gehört der Stadt Frankenberg, eine 3,78 Hektar große Fläche gehört der kommunalen Wohnungsgesellschaft Frankenberg/Sa. (WGF). Der Stadtrat stimmte mehrheitlich für den Verkauf beider Areale an den von Amazon ausgesuchten Bauträger Garbe Logilux zum Preis von 13 Euro pro Quadratmeter.

Wohin fließen die Steuern?

Die in fünfstelliger Höhe erwartete Gewerbesteuer fließt nach Frankenberg. Amazon hat Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU) nach dessen Worten zugesichert, ein ortsansässiges Tochterunternehmen zu gründen. Das werde einen Mietvertrag für zehn Jahre abschließen, mit Option auf Verlängerung. Linken-Stadtrat Jörg Hommel findet diesen Zeitraum zu kurz, wenn man schon kommunale Flächen verkaufe. Das Rathaus prüft, ob sich ein städtisches Vorkaufsrecht für das Areal vereinbaren lässt.

Wie viele neue Stellen entstehen?

Das Rathaus geht von 150 Stellen aus, zu Spitzenzeiten 250. Am Standort soll im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet werden. Der Logistiker habe zugesichert, die Arbeiter mit mehr als dem Mindestlohn zu bezahlen.

Wann soll der Betrieb starten?

Unternehmensziel ist die Aufnahme des Betriebes vor dem Weihnachtsgeschäft 2020.

Welche Auswirkungen auf den Handel sind zu erwarten?

Nur mittelbare. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) begrüßt, wenn in der Region investiert wird. Dies sei positiv für den Wirtschaftskreislauf, so IHK-Referatsleiter Bert Rothe aus Chemnitz. Drohenden Schaden für den stationären Einzelhandel durch die Ansiedlung eines Logistikers befürchtet er nicht. Über dessen Plattform könnten auch hiesige Händler Waren verkaufen. Die Kammer sei für fairen Wettbewerb, was auch Amazon einschließe.

Welche Folgen hat der zusätzliche Verkehr?

Das Stück Bundesstraße 169 zwischen der Autobahnabfahrt Frankenberg und dem Sachsenburger Weg muss ausgebaut werden. Das wird laut Beigeordnetem Ralf-Peter Regner bereits geprüft.

Welche Folgen haben die Stellen für den Wohnungsmarkt?

Alleine die WGF als zweitgrößter örtlicher Vermieter verzeichnet bereits einen Leerstand von circa 20 Prozent. Daher kritisierte Linken-Stadtrat Hommel den ebenfalls beschlossenen Abriss der Gebäude Gutenbergstraße 30 bis 38. Diese boten Mieten im unteren Bereich und passten so am besten zu niedrigen Löhnen. Der Beigeordnete Regner hofft durch die Ansiedlung auf positive Impulse für den Wohnungsmarkt und rechnet mittelfristig mit einer Leerstandsquote in der Stadt von unter 20 Prozent. dahl

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