2260 "Erstis" starten ins Wintersemester

Die Studienanfänger der Hochschule Mittweida feiern heute Immatrikulation. Vor allem außergewöhnliche Studiengänge ziehen junge Leute aus aller Welt in die Stadt.

Mittweida.

"Hier liegt der Hund begraben" heißt es in einem Song über Mittweida, der täglich um Mitternacht auf dem Hochschul-Radiosender "99drei" läuft. Mit der Anspielung wird das Klischee aufgegriffen, wonach der Ort im Gegensatz zu Uni-Standorten in Großstädten eher durch Ruhe besticht. Trotzdem oder gerade deswegen zieht es jedes Jahr Tausende Studierwillige in die Kleinstadt.

So nehmen jetzt laut Helmut Hammer, Pressesprecher der Hochschule, rund 2260 Erstsemester, kurz "Erstis" genannt, ihr Studium auf. Im Vorjahr waren es mit 2230 fast ebenso viele. Damit seien nun zum Beginn des Wintersemesters insgesamt 6616 Studierende immatrikuliert. Etwa 40,5 Prozent sind junge Frauen, 1493 Ausländer studieren in Mittweida. Auch das entspreche dem Niveau der Vorjahre, so Hammer. Die gleichbleibend hohe Beliebtheit der Bildungseinrichtung führt er auch auf die familiäre Atmosphäre zurück.

Aber vor allem habe es mit einigen außergewöhnlichen Studiengängen zu tun, wie Erstsemester berichten. So könne man zum Beispiel Allgemeine und Digitale Forensik nur in Mittweida und Bonn zu studieren, was die Hochschule attraktiv mache. Das schlägt sich in der Beliebtheitsskala der Studiengänge nieder: Forensik nimmt dabei mit 144 Studienanfängern und einem Frauenanteil von 65 Prozent den ersten Rang ein, gefolgt von Betriebswirtschaft mit 131 und Medienmanagement mit 96 Studienanfängern. Nachdem gestern die Vorlesungen offiziell begonnen haben, findet heute die Immatrikulationsfeier für alle künftigen Studenten und deren Angehörigen in der Stadtkirche statt. Bereits in der vergangenen Woche konnten die Neuankömmlinge durch Campustouren, das Erstsemestergrillen und einen Kinoabend ihre zukünftige Wirkungsstätte und ihre Kommilitonen kennenlernen. Zum Start gab es sogenannte "Ersti"-Beutel mit Aufklebern, die dem Kleinstadtflair mit Selbstironie begegnen. Auf ihnen steht unter anderem: Mittelschule Hochweida.


Zwei der Neuen an der Hochschule Mittweida

Uyoyou-Oghene Ogbonda studiert ab diesem Semester Angewandte Mathematik im Master an der Hochschule Mittweida. Die 36-jährige Nigerianerin ist über die Website des "Deutschen Akademischen Austauschdienstes" (DAAD) auf Mittweida aufmerksam geworden. Der DAAD hat dabei die Vermittlung übernommen, es handle sich aber nicht um ein finanziell unterstütztes Stipendium. Die Wahl fiel schließlich auf die Hochschulstadt, da sie vom Anfang bis zur Aufnahme in die Unterkunft Unterstützung erhalten habe. "Keine andere Universität hat das getan, das weiß ich von anderen nigerianischen Studierenden, die sich an deutschen Hochschulen beworben haben", so die Mutter einer vierjährigen Tochter. Ihr englischsprachiger Studiengang beschäftigt sich mit der Mathematik und ihrer Anwendungen in einer zunehmend technisierten und digitalen Welt. Dazu gehört unter anderem die IT-Sicherheit. Momentan beherrsche sie die deutsche Sprache noch nicht, will sie aber unbedingt erlernen. Sie erzählt: "Eine Frau im Bahnhofsladen lachte über mein Deutsch, schaute mich aber stolz an, weil sie weiß, dass ich es versuche". Die ausländerfeindlichen Proteste in Chemnitz betrachte sie mit Sorge, sagt aber: "Mittweida ist eine friedliche Stadt. Das ist es, wonach die Menschheit sucht: Frieden". Zu ihren Erwartungen an die kleine Hochschulstadt in Mittelsachsen sagt die junge Mutter: "Mittweida ist das, was du daraus machst".

Sebastian Tack beginnt ein Lasertechnikstudium im Bachelor. Der Studiengang zählt zu den außergewöhnlichen Studiengängen, da man die Kombination unter den Namen Lasertechnik/Physikalische Technik nur in Mittweida studieren kann. Der gute Ruf der Einrichtung und der Umstand, dass seine Freundin im nahen Chemnitz wohnt, zog den 22-jährigen Bayer in die Stadt. Zu seinen ersten Eindrücken sagt er: "Hier ist es fast ein bisschen dörflich, aber da ich auch aus einem Dorf nahe München komme, gefällt mir das ganz gut". Wohnen wird der gelernte Elektroniker allerdings in Chemnitz. Zu den Erstsemestertagen in der vergangenen Woche hat er die Gelegenheit genutzt, studentische Initiativen und zukünftige Kommilitonen kennenzulernen. "In unserem Studiengang sind wir wohl nur zehn Studienanfänger." Besonders das Projekt "Technikum Mittweida Motorsport" (TMM), das sich mit dem Bau von Rennwagen beschäftigt, interessiere ihn sehr. (grot)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...