32-jähriger Mittweidaer muss elf Jahre hinter Gitter

Zum Tötungsverbrechen von Geringswalde ist am Landgericht Chemnitz das Urteil gefallen. Die Richterin betonte die Brutalität der grausamen Tat.

Chemnitz/Mittweida.

Der Mittweidaer Ronny S., der am frühen Abend des 17. Oktober vorigen Jahres seine Ex-Freundin Mareen Z. in der Küche ihrer Geringswalder Wohnung erstochen hat, muss für elf Jahre ins Gefängnis. Nach vier Verhandlungstagen ist am Dienstag das Urteil am Chemnitzer Landgericht gefallen. Zudem muss er 1012 Euro, die er dem Opfer schuldete, an die Erben zurückzahlen. Der 32-Jährige kann innerhalb einer Woche gegen das Urteil Revision einlegen.

Er habe der Frau 18 Stiche zugefügt, die schnell zum Tode geführt hätten, sagte die Vorsitzende Richterin Simone Herberger in ihrer Urteilsbegründung. Die junge Frau habe die Beziehung beenden und ihn mit einem Messer aus der Wohnung drängen wollen. "Es gibt aber keinerlei Anlass, über eine Notwehrsituation zu diskutieren", sagte die Richterin. Er sei es gewesen, der den Streit eskalieren ließ. Seine Freundin habe ihm mehrfach die Möglichkeit gegeben, die Situation anderweitig zu klären. "Diesen Verlust, den Sie der Familie zugefügt haben, können Sie nicht wieder gutmachen", erklärte Simone Herberger. An Ronny S. gewandt, meinte die Richterin abschließend: "Sie brauchen ganz dringend eine psychologische Behandlung. Ihr großer Fehler ist, zuallererst die Fehler bei anderen zu suchen." Das Verhalten von Ronny S. während der Tat bezeichnete sie als brutal. Zugute hielt sie ihm, dass er bei der Aufklärung mitgewirkt hatte. Das Gericht befand den Angeklagten für voll schuldfähig.

Vor der Urteilsverkündung hatte eine Gutachterin eine umfassende Persönlichkeitseinschätzung des Angeklagten abgegeben. "Er erhebt einen gewissen Besitzanspruch an den Partner und erwartet uneingeschränkte Zuneigung", sagte die Fachärztin für Neurologie. Auch neige er zu "aggressiven Durchbrüchen". Im Affekt habe er nicht gehandelt. Denn er sei noch geistig in der Lage gewesen, nach der Tat das Geld, das Telefon und das Tatwerkzeug mitzunehmen. Einzelne Gegenstände habe er in Etappen entsorgt, "nicht in Panik, wie bei Affekthandlungen üblich", so die Ärztin.

Mit dem Urteil blieb das Gericht leicht unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die 13 Jahre und sechs Monate Freiheitsentzug gefordert hatte. Die Stich- und Schnittverletzungen seien schnell hintereinander und mit großer Wut ausgeführt worden. Er habe die Beendigung der Beziehung nicht akzeptiert, habe seine Freundin als Geldquelle behalten wollen, argumentierte die Staatsanwältin. Für Ronny S. habe es keine Notwehrsituation gegeben, als er in den Besitz des Messers gekommen war.

Die Anwälte des Vaters und der Schwester des Opfers - beide Familienmitglieder traten als Nebenkläger in diesem Gerichtsverfahren auf - hatten eine Freiheitsstrafe im höheren zweistelligen Bereich gefordert. Da der Verteidiger von Ronny S. von einem minderschweren Fall ausging, da sein Mandant über Merkmale einer Persönlichkeitsstörung verfüge, forderte er dagegen eine Gefängnisstrafe von "nicht mehr als neun Jahren".

Ronny S. selbst sagte weinend nur einen Satz am Ende der Plädoyers: "Es tut mir alles so leid." Seinen Anwalt hatte er gebeten, einen Brief zu verlesen, den er bereits vor dem 19. März - also kurz vor Beginn der Verhandlungen - verfasst hatte. "Ich möchte mich entschuldigen für das, was ich euch angetan habe. Ich möchte gern die Zeit zurückdrehen. Mareen war der kostbarste Mensch für mich. Ich bedaure meine sinnlose Tat auf das Äußerste. Es hätte so viele andere Möglichkeiten gegeben, das Problem zu lösen", heißt es darin. Das Urteil selbst nahm der Angeklagte ohne sichtliche Regung entgegen.

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