Ab September dreht sich kein Rad mehr

Der Zeitplan für das Zwei-Millionen-Projekt steht: Die Drahtseilbahn in Augustusburg wird in sieben Monaten generalüberholt. Doch entlang der Strecke passiert noch viel mehr.

Augustusburg/Erdmannsdorf.

Es geht um fast 2,2 Millionen. Damit soll die Drahtseilbahn Augustusburg modernisiert werden. Sachsen unterstützt das Vorhaben mit rund 870.000 Euro. Die Summe entspricht rund 75 Prozent der förderfähigen Ausgaben für das Millionen-Projekt des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS). Der straffe Zeitplan steht: Gebaut wird vom 9. September bis 20. März 2020. Nun sind sämtliche Aufträge dazu vergeben worden. Für die VMS-Mitarbeiter bedeutet das Großprojekt eine echte Herausforderung.

An seinen ersten Arbeitstag in Augustusburg erinnert sich Tino Groß, Teamleiter Drahtseilbahn, noch ausgesprochen gut: ",Herzlich willkommen, wir brauchen eine neue Steuerung', so begrüßte mich Betriebsleiter Peter Donat." Weil es bei der Steuerung, Baujahr 1998, mittlerweile in Bastel-Lösungen ausarten würde, habe man bereits 2015 begonnen, nach einer dauerhaften Lösung zu suchen. Der Wartungsaufwand sei mit jedem Jahr gestiegen, die Beschaffung von Ersatzteilen für die Steuerung wurde von Mal zu Mal komplizierter.


Um so größer nun die Vorfreude: Zusätzlich zur neuen Bahnsteuerung, die in der Bergstation eingebaut wird und eine Anbindung zur Talstation erhalten muss, kommt auch in die beiden Wagen der Standseilbahn neue Technik. Doch das ist längst nicht alles. In den gut sieben Monaten Bauzeit bleibt kein Stein auf dem anderen - oder besser: kein Wagen auf der Schiene. Für eine Generalüberholung werden die Wagen komplett entkernt. In Güstrow übernimmt eine Spezialfirma diese Aufgaben. An der Ostseeküste wird auch das Fahrwerk demontiert, das wiederum dann zum Schweizer Hersteller für eine große Werksrevision kommt.

Lack, Fenster, Sitze, Heizung ... alles wird neu. Warum der Verkehrsverbund nicht gleich zwei neue Wagen in Auftrag gibt? "Die Wagen sind Spezialanfertigungen. Ein Neuauftrag würde uns das Fünffache kosten - schon mit Blick auf die heutigen Sicherheitsanforderungen", sagt Teamleiter Tino Groß.

Hat ein Kran die Wagen auf die Tieflader an der Bergstation gehievt, sei das gleichzeitig der Startschuss für den Gleisbau. "150 Schwellen der 1239 Meter langen Strecke wollen wir austauschen. Schläge werden geglättet, das Gleisnivelliert", so Tino Groß weiter. Um im schwer zugänglichen Gelände schneller voranzukommen, würden jedoch in den ersten zwei Wochen der Betriebsruhe Anfang September die Wagen gleich als Transportmittel für die neuen Schwellen genutzt.

Wie neu bezeichnet Tino Groß das 1390 Meter lange Drahtseil der Standseilbahn. Das heißt, um es zu sichern wird es während der Bauzeit auf eine Trommel gezogen. Es war 2006 aufgelegt worden, bisher habe es noch keinen Drahtbruch gegeben. Bei der jüngstenMaterialprüfung habe es keine Beanstandungen gegeben.

Der Fahrplan für die Bauarbeiten ist mehr als sportlich. Besonders mit Blick auf die neue Steuerung, in die der Antrieb - er ist 47 Jahre in Funktion - eingebunden werden muss. Die Aufgaben für die fünf VMS-Mitarbeiter in der Drahtseilbahn sind genau definiert. Betriebsleiter Peter Donat wird die Bauüberwachung leiten. Tino Groß ist Ansprechpartner beim Thema Wagen und Fahrwerk. Maschinist Sascha Böhm hält den Kontakt nach Thüringen, wo an der Steuerung gearbeitet wird. Die zwei weiteren Mitarbeiter sind gefragt, wenn es um die Objektpflege und Schönheitsreparaturen geht. So soll während des Baus beispielsweise die Talstation aufgehübscht werden, wie es Tino Groß umschreibt. "Unser Team legt viel Wert auf historische Details", sagt der stellvertretende Betriebsleiter. Deshalb sei er auch stolz auf die Einschätzung des Denkmalschutzes, der - begeistert vom Ist-Zustand - Grünes Licht gab.

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