Abschied von der Saxonia - nicht von der neuen Heimat

Als Geschäftsführer hat Erich Fritz 22 Jahre lang mitgeholfen, Altlasten in der Freiberger Region zu beseitigen. Er hätte nie gedacht, dass er solange bleibt. Und nun will er gar nicht mehr weg.

Freiberg/Mittweida.

Man möge bitte nichts Großes daraus machen. Das meint Erich Fritz am Ende des Gespräches, das anlässlich seines Abschieds als Geschäftsführer der von Landkreis und Kreisstadt gemeinsam getragenen Saxonia Standortentwicklungs- und -verwaltungsgesellschaft Freiberg zum Jahresende stattfand. Doch das ist leichter gesagt als getan. Denn wie will man in wenigen Zeilen der Arbeit eines Menschen gerecht werden, der mehr als 22 Jahre in einem so wichtigen Unternehmen tätig war, dabei wesentliche Marksteine für die Entwicklung der Region setzte? Es sei dennoch versucht.

Erich Fritz wurde 1951 im badischen Stockach geboren und wuchs in der Gemeinde Stetten auf. Ein paar Jahre seiner Schulzeit absolvierte er im oberschwäbischen Blönried, in einem Internat der Steyler Missionare. Die Zeit dort endete ein wenig unfreiwillig. "Vielleicht hatte ich einfach mal ein Mädchen angeschaut", erzählt Fritz mit einem Schmunzeln. Unter anderem wegen überaus guter Leistungen konnte er zunächst eine, später eine zweite Klassenstufe überspringen. Ein Studium als Diplom-Verwaltungswirt in Karlsruhe schloss sich an, das er im Alter von 17 Jahren abschloss und so einer der jüngsten Beamten in seinem Bundesland wurde. In der Heimatgemeinde stieg er dann bald zum Hauptamtsleiter auf.

"Ich hätte mich mit meiner Beamtenlaufbahn bescheiden können", sagt er. "Aber das wollte ich nicht." Als 1990 die Wende in der DDR stattfand, packte ihn unbändiger Tatendrang. Er machte sich im Auftrag eines Stuttgarter Unternehmens auf in die neuen Bundesländer. Berlin, Waltershausen, Weimar, Lichtenstein, Gotha hießen die Stationen, an denen er Unterstützung beim Aufbau neuer Verwaltungsstrukturen leistete.

In Chemnitz schließlich wirkte er mit an der ersten Altlastenvereinbarung zwischen einem Privatunternehmen und dem Freistaat. 1998 war in Freiberg die Stelle des Geschäftsführers der Saxonia Standortentwicklungs- und -verwaltungsgesellschaft ausgeschrieben. Fritz bekam sie.

"Eigentlich war das nur ein Drei-Jahres-Vertrag", so Fritz. "Ich hätte nie gedacht, dass ich so lange dabei bleiben würde." Es kam aber immer wieder etwas dazu. "Altlasten waren ein sehr großes Thema", erinnert sich Erich Fritz. "Und von der Aufgabenstellung her war das überaus komplex." Auch hier wurde ein entsprechender Vertrag mit dem Land Sachsen geschlossen. "Damit war klar, dass die Saxonia das Heft selbst in der Hand behielt", beschreibt Fritz das wohl ehrgeizigste Projekt seiner Amtszeit. 2013 konnte der Abschluss der Altlastensanierung gebührend begangen werden.

Der Abschied von der Saxonia bedeutet für Erich Fritz jedoch nicht ein Abschied von der Region. "Für mich gibt es kein Zurück mehr in die alte Heimat", sagt er. "Ich habe hier mit den Jahren so viele Menschen kennengelernt, Freunde gewonnen, bin so in der Region verwurzelt, dass ich es nicht anders möchte."

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