AfD-Demo statt Händlerprotest

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Die Ladeninhaber machen seit Wochen auf ihre wirtschaftliche Misere aufmerksam. Immer montags protestieren sie für eine rasche Öffnung ihrer Geschäfte. Doch diesmal war es anders als sonst.

Mittweida.

Eigentlich wollten sich die Einzelhändler aus Mittweida an diesem Montag um 11 Uhr auf dem Markt versammeln, um auf ihre finanzielle Notlage aufmerksam zu machen und für eine rasche Öffnung ihrer Geschäfte zu demonstrieren. So wie schon in den letzten Wochen. Doch diesmal fiel der Protest der Händler ins Wasser. Denn für dieselbe Zeit hatte die AfD auf dem Markt eine Veranstaltung unter den Namen "Kundgebung mit Dialog in Mittweida: Unternehmer in Not - Das sagt die AfD" angemeldet.

Das stieß jedoch auf wenig Gegenliebe bei den ansässigen Händlern, die sich nicht von der Partei instrumentalisieren lassen wollten. Und so sprachen zwar die AfD-Landtagsabgeordnete Romy Penz und Holger Zielinski, der im Vorstand der mittelsächsischen AfD sitzt, über die Situation der Einzelhändler, allerdings weitgehend ohne die Betroffenen. Denn nur wenige Gewerbetreibende ließen sich bei der Veranstaltung sehen. Und so fand auch kein nennenswerter Dialog zwischen Politikern und Händlern statt.

Außerdem kritisierten die Ladeninhaber gegenüber der "Freien Presse" das Verhalten der Partei. Denn gewählten Zeitpunkt nannte ein Gewerbetreibender "problematisch". Ein anderer bemerkte, die AfD nutze die Situation für ihre politische Sache lediglich aus. Wieder andere bezeichneten die Rechtspopulisten als "Trittbrettfahrer".

"Wir haben von Anfang an beschlossen, bei den Protesten politisch neutral zu sein", sagte Melanie Otto von der Blumenboutique Melanie. Während die Bundespolitikerin Veronika Bellmann und Landtagsabgeordnete Iris Firmenich (beide CDU) von den Händlern zu einem Gespräch eingeladen wurden, hatte die AfD die Veranstaltung auf dem Markt selbst organisiert.

Susanne Seidel, Inhaberin der Welt der Bücher in Mittweida, war eine der wenigen Händler, die bei der Kundgebung gewesen ist. "Die Händler hätten wenigstens zu hören können", so Seidel. Immerhin sei es eine Veranstaltung für die Händler gewesen, äußerte sie sich. "Ich kann zudem keine Prognose abgeben, ob die AfD den Händlern helfen kann", sagte Joachim Löwe, Vorstandsvorsitzender des Gewerberings Mittweida nach der Veranstaltung.

Derweil soll der Protest der Händler in Mittweida weitergehen. Als alternative wollen sie sich nun am Donnerstag erneut auf dem Marktplatz versammeln, und zwar zur gewohnten Zeit um 11 Uhr, wie Melanie Otto "Freie Presse" mitteilte.

Die Anliegen aus Mittweida sollen auch in der Landeshauptstadt Dresden Gehör finden. Das hatte Landrat Matthias Damm (CDU) bereits am letzten Donnerstag, nach seinem Gespräch mit den Händlern, angekündigt. So werden er und OB Ralf Schreiber (CDU) an der am heutigen Dienstag stattfindenden Videokonferenz mit Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) teilnehmen. Darunter sind außerdem Vertreter der Einzelhändler aus Mittweida.

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55 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    6
    Tauchsieder
    03.03.2021

    Die dümmsten Kälber suchen sich ihre Metzger selber und immer schön neutral bleiben, dies hilft auf jeden Fall.

  • 11
    8
    mops0106
    02.03.2021

    Die AfD hat Anfang 2020, als die Lage noch nicht klar war, richtigerweise die Schließung der Grenzen gefordert. Sie fordert seit Frühjahr 2020 die Beendigung der Lockdown-"Maßnahmen" und hat komplett (bis auf 6 Fehlstimmen) am 18.11.20 gegen das neue Infektionsschutzgesetz gestimmt.

    Bitten und Flehen bei den Mitgliedern der Parteien, die für die derzeit geltenden Maßnahmen verantwortlich sind, wird nichts nutzen. Von ihren Verbänden wurden Einzelhändler und Mitglieder des Hotel- u. Gaststättengewerbes bis jetzt nicht unterstützt.

    Öffnen.

  • 9
    8
    Tauchsieder
    02.03.2021

    Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat bereits verloren.
    Also dann auf Händler im Kampf mit der CDU, SPD und den Grünen gegen die Pandemie.
    Da bietet sich doch förmlich ein schönes Bild an: Geht ein Schwein Hand in Hand mit seinem Metzger gemeinsam den Schlachthof besuchen - und die Mär von der Geschicht .....!

  • 10
    9
    sachse26
    02.03.2021

    Es ist schade, aber die Händler sind halt noch nicht so weit.
    Und mit der politischen Neutralität, ich weiß nicht so recht, CDU wird eingeladen.
    AfD geht gar nicht, sind Rechtspopulisten und "Trittbrettfahrer". Ich glaube etwas zu kurz gedacht oder nur so geschrieben Frau Pfeiffer?
    Wer die Hilfe und Unterstützung nicht möchte und sich lieber auf diejenigen verlässt die für das Versagen verantwortlich sind. Dann bitte weiter vertrösten, bedauern und hinhalten lassen. Wer kämpfen will, sucht Verbündete, wer untergehen will macht weiter so. Wir bleiben Gesprächsbereit. Herzlichst Holger Zielinski

  • 12
    8
    censor
    02.03.2021

    "...die sich nicht von der Partei (der AfD) instrumentalisieren lassen wollten."

    Was glauben denn diese Händler, wer sie die letzten 11 Monate instrumentalisiert hat? Das waren auch Parteien, regierende und nicht regierende, aber mit allen Maßnahmen einverstanden seiende.

    Es ist inzwischen unglaublich, wie tief gespalten unsere Gesellschaft ist. Man mag von der AfD das eine oder andere halten, aber wenn sie als einzige Partei noch an die Gewerbetreibenden denkt, und diese drehen sich weg, dann brauchen die Gewerbetreibenden auch nicht mehr herum zu ningeln, dass niemand ihre Interessen in der Politik wahrnimmt.

    Bei den restlichen Parteien haben sie keine Lobby, sonst wären sie nicht seit Monaten mit Berufsverbot belegt.