AfD-Kreisvorstand: Rücktritt vom Rücktritt

Prominente Personalie: Mit wehenden Fahnen hat der Frankenberger Thomas Goebel die Partei verlassen. Das will er nun ungeschehen machen.

Frankenberg.

Seine Wahl zum Delegierten für den AfD-Bundeskonvent konnte Thomas Goebel schon nicht mehr annehmen. Der Frankenberger hatte den Landesparteitag der sächsischen AfD in Markneukirchen am 10. Februar vorzeitig verlassen. Wenig später erklärte er auf seiner Facebook-Seite "Mein Standpunkt/AfD" öffentlich seinen Parteiaustritt und den Rücktritt von allen Ämtern - unter anderem dem des stellvertretenden Schatzmeisters im Kreisverband Mittelsachsen. Zudem erhob Goebel mehrere Vorwürfe gegen die AfD, unter anderem diagnostizierte er eine "Führungsschwäche des Landesvorstands".

Mittlerweile würde der Malermeister das gern ungeschehen machen. Den Facebook-Eintrag hat er gelöscht, stattdessen einen neuen veröffentlicht, in dem er seinen Austritt zurückzieht. "Es gab Dinge auf dem Parteitag, die mir missfallen haben und aufgrund derer ich in der Situation überreagiert habe", sagte Goebel auf Anfrage der "Freien Presse". "Manchmal gehen im politischen Diskurs eben die Pferde durch." Aus heutiger Sicht sei der Rücktritt wenig konstruktiv gewesen, das in ihn gesetzte Vertrauen könne er so nicht umsetzen. Die Probleme innerhalb der AfD seien lösbar. "Daher auch die Korrektur und der Rückzug vom Rücktritt."

In seinem gelöschten Facebook-Eintrag hatte Goebel auch den Umgang der Partei mit dem Untersuchungsausschuss "Frauke Petry" kritisiert. Weder dazu noch zu seinem Urteil über den Landesvorstand wollte sich der Frankenberger auf Nachfrage äußern. Indes bekräftigte er die - in seinem zweiten Text formulierte - Kritik, die AfD habe für die Landtagswahl eine "Landesliste Dresden" aufgestellt. Kleinere Kreisverbände wie Mittelsachsen seien bei der Aufstellung der Liste nicht ausreichend berücksichtigt worden, erläuterte Goebel. Mitgliederstärkere Verbände wie Dresden hingegen seien überrepräsentiert. "Meine Hoffnung ist, dass das beim Landesparteitag im März, wenn die Liste fortgesetzt wird, korrigiert wird."

Beim Parteitag in Markneukirchen hatte Goebel selbst für die Landesliste kandidiert und gegen Martina Jost aus dem Kreisverband Dresden verloren. Diese Niederlage sei jedoch nicht der Grund für seine Reaktion gewesen, erklärte er.

"Unser Ziel ist es, die verschiedenen sächsischen Regionen in die Politik der neuen AfD-Fraktion einzubinden", kommentierte Andreas Harlaß, Sprecher der Sachsen-AfD, die Vorwürfe auf Anfrage. Auf der Liste für die Landtagswahl werde jeder Kreisverband vertreten sein.

Aktuell ist Goebel kein Mitglied der AfD mehr, hat aber einen Antrag auf Wiederaufnahme gestellt. Auch seine Parteiämter hätte er gern zurück. Ob Goebel bei Wiederaufnahme in die Partei allerdings in den Kreisvorstand zurückkehren kann, ist unklar. "Das müsste mindestens ein Mitgliederkonvent des Kreisverbands entscheiden", sagt dessen Vorsitzender René Kaiser, der in Teilen Verständnis für den Frankenberger zeigt. "Dass jemand emotional wird, ist verständlich - gerade im Stress des Vorwahlkampfes. Aber derart öffentlich hätte das nicht passieren müssen." Wie es um Goebels Wiedereintrittsgesuch steht und wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist, wollte der Landesverband der AfD unter anderem mit Verweis auf Datenschutz und Persönlichkeitsrechte nicht mitteilen.

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