Altar in Mittweida: Rettung mit Holz, Pinsel und Seidenpapier

Farbe blättert ab, Säulen wackeln und Vogelkot ist auf den Figuren. Das Retabel der Stadtkirche wird derzeit saniert. Kosten: 50.000 Euro. Doch es wird noch mehr restauriert.

Mittweida.

Als Anne-Kathrin Läßig ihn zum ersten Mal gesehen hat, empfand sie Ehrfurcht. Die Rede ist vom Altar der Stadtkirche Mittweida. 13 Meter hoch und sieben Meter breit - das sind die Maße des hölzernen Kunstwerks. Die Meißner Valentin Otte und Johann Richter schufen ihn vor mehr als 350 Jahren. Nun wird er saniert. Die Diplom-Restauratoren Anne-Kathrin Läßig aus Chemnitz sowie Katja Matauschek und Dirk Zacharias aus Dresden wollen bis Ende September die Konservierung abschließen. Das ist die erste Phase der Restauration.

Die evangelisch-lutherische Kirche hat Läßig im vergangenen Jahr zum ersten Mal betreten. Damals sollte der Altar nur einer groben Reinigung unterzogen werden. Doch wie sich schnell herausstellte, würde das nicht genügen. Die Liste der Mängel ist lang: abblätternde Farbe, wackelnde Säulen, Löcher durch Holzwürmer und sogar Vogelkot auf den Figuren.


Die Fachleute färben den Schrein aber nicht neu ein. "Wir konservieren den Bestand", erklärt Katja Matauschek. Dazu wird an einigen Stellen auf die Malerei zunächst Seidenpapier aufgetragen. Danach pinseln die Restauratoren ein Festigungsmittel darüber. Läßig: "Durch die Spannung der Seide wird die Farbe zusätzlich an das Holz angedrückt." Die Seide wird später wieder entfernt. Wackelnde Säulen werden mit Holzstücken befestigt.

Knapp 50.000 Euro bezahlt die Kirchgemeinde für die Sanierung. 60 Prozent davon stammen aus Fördermitteln des Landesamtes für Denkmalpflege, informiert Maria Görlitz vom Kirchenvorstand. Der Rest wird mit Fördergeldern der Landeskirche, Spenden und Eigenmitteln der Kirchgemeinde finanziert.

Auch die Orgel in der Kirche wird derzeit saniert. Am 21. November, dem Buß- und Bettag, soll sie wieder zu hören sein, sagt Andreas Löffler, der stellvertretende Vorsitzende des Orgelvereins Stadtkirche Mittweida. Die Pfeifen würden bis dahin gereinigt und das Gehäuse für die Orgelpfeifen erneuert.


Seit 356 Jahren in Mittweida

Die Ausstattung des viergeschossigen Altars der Stadtkirche in Mittweida besteht aus 17 Figuren, sieben Gemälden und einem Relief. Sie zeigen etwa Jona und den Wal oder das Abendmahl. Der Altar ist aus Linden- und Fichtenholz gefertigt. An einigen Stellen ist das Retabel mit Plattgold überzogen. Neue Farbe erhielt der Altar zuletzt um 1900, wie Diplom-Restauratorin Anne-Kathrin Läßig sagt.

Die Geschichte des Kunstwerks beginnt im 17. Jahrhundert. 1661 wurde es in der Kirche eingeweiht. Zwei Meißner Handwerker haben ihn gebaut. Der Schnitzer Valentin Otte schuf ihn gemeinsam mit dem Maler Johann Richter. Der Altar, im Stile des Manirismus, vereint Merkmale zweier Kunstepochen in sich, erklärt Michael Kreskowsky. "Der geometrische Aufbau und die Säulen sind typisch für die Renaissance", sagt der Chef des Fördervereins des Museums "Alte Pfarrhäuser". Die darauf folgende Zeit des Barocks spiegele sich in der Symmetrie, der Erhabenheit und etwa den Ornamenten wieder. Die Künstler waren nicht nur in dieser Region

aktiv. Ähnliche Altäre befinden sich etwa in den Kirchen St. Matthäus in Leisnig und St. Afra in Meißen.

Die Konservierung ist erst der

Anfang einer umfänglichen Restaurierung, wie ein Sprecher der Landeskirche mitteilt. Bis zum Herbst soll diese erste Phase abgeschlossen werden, da die Kirche im Winter zu kühl ist, um mit dem nötigen Festigungsmittel zu arbeiten, so Läßig. (jreb)

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