Alte Ansichten verhelfen Gemälde zu neuem Antlitz

Das Porträt der Johanna Dorothea Naumann wird restauriert. Der Erlös aus dem Verkauf eines speziellen Kalenders soll das möglich machen.

Mittweida.

Der Förderverein "Museum Alte Pfarrhäuser" hat sich an die Gestaltung eines A3 großen Kalenders gewagt. "Es ist unser erster Kalender. Mit den Einnahmen möchten wir die Restaurierung des Portraits der Johanna Dorothea Naumann aus dem Jahre 1770 finanzieren. Das Bild befand sich in unserem Museumsfundus", erklärt Vorstandsmitglied Patricia Otto, die die Idee dafür hatte.

Gemeinsam mit ihrem Sohn Dominik suchte sie die Orte auf, wovon Postkarten im Museum vorlagen. Somit erfolgt auf zwölf Kalenderblättern die Gegenüberstellung von damals und heute. "Dominik hat viel Aufwand betrieben, denn er hat genau die Stelle recherchiert, die das Motiv auf der jeweiligen Postkarte zeigt. Dafür sind wir teils auf Dachböden gestiegen und haben auch auf die Uhrzeit geachtet wegen des Schattens", erklärt Patricia Otto die Entstehung der neuzeitlichen Bilder. Der Kalender kann zwei Jahre verwendet werden. Außerdem sind alle Motive als Postkarten auf den letzten Seiten abgedruckt. Zum Altstadtfest startete der Verkauf, bislang konnten über 70 Kalender verkauft werden. Es wurden 500 Stück angefertigt. Erhältlich sind sie im Bürgerbüro, im Museum, im T9 und demnächst auch im Shop der "Freien Presse".

Mittlerweile arbeitet Restauratorin Grit Stamm-Lange am Gemälde. "Es muss gereinigt werden, Fehlstellen ergänzt, neu aufgespannt und mit einem Firnis überzogen werden. Der Schmuckrahmen muss ebenfalls gereinigt und leicht retuschiert werden", berichtet Museumschefin Sibylle Karsch. Danach wird es einen besonderen Platz im Haus an der Kirchstraße 16 erhalten. Dieses Gebäude wird zurzeit saniert und nach Fertigstellung als Museum genutzt. "Es ist ein Glücksfall, dass es vor dem Abriss gerettet wurde", berichtet Karsch. Bis 1993 war es noch bewohnt, danach stand es leer und verfiel immer mehr. Vor dem Abriss wurde Bauforscher und Denkmalpfleger Wolfgang Schwabenicky beauftragt, das Gebäude zu untersuchen. Und so kam unter anderem eine historische Bohlenstube zum Vorschein. Dies bestätigte den Historiker, dass es sich um das ehemalige Erbgericht handelt müsste, nach dem er schon lange gesucht hatte. Die Bohlenstube stammt aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Besitzer des Hauses war ab 1766 Philipp Joseph Naumann, der Ehemann der Porträtierten. Er war Hofjäger und Oberförster, später Stadtrichter und Bürgermeister von Mittweida. Bisher wurden das Haus gesichert und das Dach erneuert. Im Inneren erfolgte eine Entkernung. Für die zwei Etagen, die genutzt werden sollen, erstellen Architekten und das Museum ein Konzept.

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