Altmittweidaer Feuerwehrchef vermisst praktisches Training

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Im Ernstfall muss jeder Handgriff sitzen - regelmäßige Übungen sind daher wichtig. Auch die Technik könnte eine Auffrischung gebrauchen.

Altmittweida.

Den Altmittweidaer Feuerwehrchef André Glaschke plagen derzeit viele Sorgen. Um das Infektionsrisiko in der Coronapandemie zu minimieren, sind Übungen und Veranstaltungen abgesagt worden. Die derzeit 36 Aktiven in der Freiwilligen Feuerwehr Altmittweida sind zwar weiterhin einsatzbereit. Doch soziale Aspekte und praktisches Training kommen nach Ansicht des Gemeindewehrleiters derzeit zu kurz. Zusätzlich ist er über die Auswirkungen des Lockdowns auf den Nachwuchs besorgt. Hinzu kommen Bedenken, ob die Einsatzkräfte künftig mit der vorhandenen Technik den Anforderungen des Feuerwehralltags noch gewachsen sind. Darüber informierte er die Gemeinderäte.

Der Einsatzschwerpunkt habe sich in den vergangenen Jahren zunehmend in Richtung technische Hilfeleistungen verschoben, schilderte der Gemeindewehrleiter. Schon jetzt sei größtenteils nicht der Einsatz von Löschmitteln gefordert, sondern es gehe um Hilfeleistungen anderer Art. Denn die Tätigkeit der Wehr umfasse auch die Rettung von Menschenleben und Sachwerten, die durch Unfälle oder Ereignisse wie Sturm oder Überschwemmungen in Gefahr sind. Die Gemeindefeuerwehr hoffe deshalb, dass ihr Löschfahrzeug durch ein moderneres Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug abgelöst wird, so Glaschke.

Im Gremium stieß er mit dieser Forderung auf offene Ohren. Der Bedarf für ein modernes Fahrzeug vom Typ HLF solle im neuen Brandschutzbedarfsplan festgeschrieben, werden, sagte der stellvertretende Bürgermeister Ralph Steiner (CDU). Diese Forderung fand bei den Räten Zustimmung. Mit dem Beschluss zum neuen Bedarfsplan in der Sitzung sehen sie den Weg geebnet.

"Wir werden unser Augenmerk darauf richten, ein neues Fahrzeug zu beschaffen", sagte Steiner. Wie Bürgermeister Jens-Uwe Miether (parteilos) im Vorfeld der Sitzung erklärt hatte, geht es bei der Aktualisierung des Planes aller drei bis fünf Jahre unter anderem darum, Qualitätskriterien festzulegen. Der zuletzt 2016 überarbeitete Plan war nach seinen Angaben nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Mit der Neufassung solle sichergestellt werden, dass die Wehr den örtlichen Besonderheiten entsprechend Aufgaben erfüllen kann, die im Gemeindegebiet relevant sein können, erläuterte er.

Von den Anforderungen hängt wiederum ab, über welche Ausrüstung die Einsatzkräfte verfügen müssen. Das schließe die Technik ein, die sich rasant weiterentwickele, so Miether. Steiner äußerte sich zudem optimistisch, dass im Gemeindehaushalt der kommenden Jahre Spielraum für die Investition in ein Feuerwehrfahrzeug ist. "Wir haben in den vergangenen Jahren sparsam gewirtschaftet und jeden Euro umgedreht", sagte er. Dadurch verfüge der Ort über einen Liquiditätsüberschuss. Dass dieser infolge der Coronapandemie aufgebraucht werden muss, etwa weil Steuererträge geringer ausfallen als geplant, zeichnet sich laut Steiner momentan nicht ab.

Glaschke sieht trotzdem nachteilige Auswirkungen der Pandemie auf die Wehr. Die Aktiven, 32 Männer und vier Frauen, müssten in der Lage sein, im Einsatz körperliche Höchstleistungen zu bringen. Im Lockdown fit zu bleiben sei nicht einfach. Zudem müsse regelmäßig geübt werden. Derzeit finde die Ausbildung nur noch in kleinen Gruppen statt. In Bereichen wie beispielsweise dem Atemschutz, wo schnelle Handgriffe und Zusammenspiel wichtig sind, drohten deshalb Defizite. Sollten die Einschränkungen noch längere Zeit nötig sein, sieht Glaschke zudem den Zusammenhalt in der Truppe gefährdet. Alle vermissten die sozialen Aspekte der Feuerwehrarbeit, sagte er.

Pro Jahr rückt die Altmittweidaer Feuerwehr laut Glaschke zu etwa fünf bis zehn Einsätzen aus. 2020 wurde sie nach seinen Angaben siebenmal gerufen. Einen Löscheinsatz, wie beispielsweise beim Großbrand auf dem Gelände der Pyral AG in Mittweida 2019, gab es im vorigen Jahr nicht. Die Kameraden rückten unter anderem aus, um nach einem Verkehrsunfall die Personenrettung zu organisieren, einen vom Sturm gefällten Baum von der Straße zu schaffen oder Ölspuren zu beseitigen. Die Hilfe der Feuerwehr wurde auch benötigt, um eine Schlange einzufangen, die sich in einen Laden verirrt hatte. "Wie sich herausstellte, war es eine ungiftige Ringelnatter. Das Tier konnte gerettet werden", sagte der Feuerwehrchef.

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