App soll Kommunikation verbessern

Mitarbeiter der Stadt Chemnitz können sich künftig über ein Programm der Firma Staffbase austauschen. Das Ziel: ein Kulturwandel.

Chemnitz.

Wie lange geht die Mitarbeiterversammlung? Wer will am Firmenlauf teilnehmen? Nimmt jemand ein neugeborenes Kaninchen auf? Drei Fragen, die in den vergangenen Wochen und Monaten unter den Mitarbeitern der Stadtverwaltung kursierten. Wenn es früher auf solche Fragen überhaupt eine Antwort oder Reaktion gab, fand sich diese vielleicht im hauseigenen Intranet, vielleicht im Gespräch mit dem Büronachbarn, vielleicht auch an einem Papier-Aushang. Alle 4000 Mitarbeiter haben derartige Fragen und Informationen aber nur äußerst selten erhalten. Das soll sich nun ändern. Als erste deutsche Großstadt führt die Chemnitzer Stadtverwaltung die Mitarbeiter-App des hiesigen Start-ups Staffbase ein. Die vor fünf Jahren gegründete Software-Firma hat sich innerhalb kurzer Zeit zu einem der weltweit führenden Anbieter für Apps zur Verbesserung der Mitarbeiterkommunikation in großen und internationalen Unternehmen entwickelt. Gestartet als sechsköpfiges Team, zählt das im Gewerbepark Wirkbau ansässige Unternehmen mittlerweile 270 Beschäftigte und unterhält Büros in New York, Amsterdam, München, Dresden, London und Köln. Zu den 350 Kunden zählen Schwergewichte wie die Deutsche Bahn, Adidas, die Deutsche Telekom, Audi - und nun das Chemnitzer Rathaus.

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig verwies auf die Nachteile der bislang erfolgten hausinternen Kommunikation. Die sei vor allem über Aushänge und das Intranet gelaufen, auf das von Computern im System der Stadtverwaltung zugegriffen werden kann. "Das ist aber nicht besonders anregend, wenn man ohnehin den ganzen Tag am Computer sitzt", sagte Ludwig. Zudem hätten viele Mitarbeiter - beispielsweise Erzieher oder Feuerwehrleute - gar keinen eigenen Computer. Ihnen seien deswegen Informationen, aber auch Austauschmöglichkeiten entgangen. Mit Hilfe der neuen App, die den Namen SVC2go trägt und auf dem privaten Smartphone oder Diensthandy installiert werden kann, erhalten sie nun alles Wissenswerte wie Ausschreibungen, Veranstaltungstipps oder Informationen zum Betriebsablauf. Außerdem können alle miteinander in Kontakt treten, von der Friedhofsgärtnerin über den Erzieher bis zur OB. "Wir müssen in der Verwaltung Hierarchien haben, können aber hierarchiefrei kommunizieren. Das ist ein Kulturwandel", so das Stadtoberhaupt. Auch kritische Anmerkungen seien möglich. "Wir vertrauen unseren Mitarbeitern, da muss man auch mal Kritisches aushalten", sagte Ludwig.

Die Installation der App sei freiwillig, erklärte Personalbürgermeister Sven Schulze. Inhalte würden hauptsächlich von zwei Mitarbeitern im Personalamt in die App eingestellt, berichtete Schulze. Alle für die Arbeit notwendigen Informationen würden aber weiterhin auch in das Intranet eingespeist, ergänzte er. In den ersten acht Wochen seit dem Start hätten rund 1500 Mitarbeiter die App installiert; pro Tag registriere man bis zu 700 Zugriffe. Vor allem eine Pinnwand-Funktion werde rege genutzt, sagte der Bürgermeister. Auf großes Interesse stoße die App bei den etwa 170 Auszubildenden der Stadtverwaltung: "Für sie ist Vernetzung wichtig." Einige Mitarbeiter, berichtete Schulze, hätten die Sorge geäußert, über die App kontrolliert zu werden. Die habe man aber zerstreuen können. Man könne nur das Nutzerverhalten insgesamt analysieren, aber nicht sehen, wer wann was mit der App gemacht habe. Das Rathaus zahlt laut Schulze eine jährliche Nutzungsgebühr in Höhe eines mittleren fünfstelligen Betrags an Staffbase. Eine Weiterentwicklung der Software ist bereits angedacht: Künftig sollen auch die Krankmeldung und Einreichung von Urlaub auf diesem Weg möglich sein.

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