Auf den Pfaden Silbermanns

Gottfried Silbermann war wohl der bedeutendste Orgelbauer seiner Zeit. Dort, wo er geboren wurde, erinnert nun ein Wanderweg an ihn, der erstmals drei Stadtteile miteinander verbindet. "Freie Presse" ist zur Eröffnung mitgewandert.

Frauenstein.

In Frauenstein ist am Sonntag der sogenannte Silbermannpfad eingeweiht worden. Der Wanderweg führt vom Geburtsort des berühmten Orgelbauers Gottfried Silbermann (1683-1753) in Kleinbobritzsch über Frauenstein bis hin nach Nassau, wo in der dortigen Kirche eine der letzten Orgeln aus seiner Werkstatt zu finden ist. Reiner Hentschel, Bürgermeister von Frauenstein und den Stadtteilen, zeigte sich zur Premierenwanderung hocherfreut von der großen Resonanz. Über 70 Wanderfreunde fanden sich am Startplatz in Kleinbobritzsch ein. Nicht alle blieben die ganze Zeit über bei der vom Wanderwegewart Reiner Hengst geführten Gruppe, nahmen nur einige Stationen mit, doch waren in Nassau immer noch mehr als 30 wackere Naturfreunde dabei.

Dass es überhaupt zur Einrichtung des Silbermannpfades kam, war eher ein Zufall, der sich aus der Idee ergab, dass die Postmeilensäule nahe der Frauensteiner Kirche saniert werden sollte. Dieses Projekt geisterte schon mehr als 15 Jahre durch die Köpfe der Stadtverantwortlichen. 2017 nun sollte es endlich angepackt werden. Gemeinsam mit André Kaiser, dem Vorsitzenden der Forschungsgruppe Kursächsische Postmeilensäulen, begab sich Reiner Hentschel zu Regina Bezold, ihres Zeichens Leiterin des Regionalmanagements "Silbernes Erzgebirge". Dort stießen sie mit ihrem Anliegen zwar auf offene Ohren, aber auch auf ein paar Hinweise. "Sie sagte uns, damit das förderungswürdig wäre, müssten noch ein paar Sachen mehr restauriert werden", erzählt Hentschel. Nichts leichter als das, wenn man einen findigen Fachmann wie André Kaiser dabei hat. Der wurde auf einen maroden Halbmeilenstein in Kleinbobritzsch aufmerksam gemacht, der gut dazu passen würde. Schnell kam auch noch das sanierungsbedürftige Kriegerdenkmal in Nassau dazu. Und schon hatte sich eine Verbindung ergeben. "Wie sollte man das Ganze nun nennen?", so Hentschel. "Da kam man zwangsläufig auf den Namen Silbermann."

Und so entwickelte man einen Pfad, der von Kleinbobritzschs Mitte über Frauenstein bis nach Nassau führte. Die Gestalterin Karin Kreher aus Klingenberg entwarf ein Logo für den Wanderpfad, eine weiße Orgel auf rotem Grund, und Reiner Hengst legte den Verlauf des Weges fest. Mit im Boot waren auch Angelika Börnert und Frieder Göhler vom Verein zur Förderung der Stadt- und Regionalentwicklung, sowie die Zeichnerin Karin Kempe. Eine besondere Rolle fiel bald auch Hans-Jürgen Schulze und Jan Haufe zu. Die beiden gestalteten drei Wanderpicknickplätze entlang des Pfades. Der erste ist an der Calwer Brücke in Kleinbobritzsch, der zweite am Fuß des Schlosses Frauenstein und der dritte an der Turnhalle Nassau zu finden. Diese Rastmöglichkeiten umfassen überdachte Sitzplätze und ein paar Spielgeräte für Kinder. "Eine tolle Idee für Wanderer", findet Wanderwegewart Reiner Hengst. Insgesamt 170.000 Euro hat die Einrichtung des Wanderpfades gekostet, zu 80 Prozent gefördert durch das Leader-Programm zur Entwicklung des ländlichen Raumes.

Zwei Stationen, so Reiner Hentschel, seien noch nicht vorhanden. Zum einen die Weihnachtspyramide in Frauenstein, die gerade schön gemacht wird für den Advent, und das Kriegerdenkmal Nassau, welches derzeit von Restaurator Michael Eilenberger saniert wird.

Station 1 ist der bereits erwähnte Halbmeilenstein. Erst am Freitag war er fertig restauriert inmitten von Kleinbobritzsch platziert worden. Er stammt aus dem 19. Jahrhundert und erlebte einige Umsetzungen, bis er schließlich einmal in die nahe Bobritzsch kippte, aus der ihn dann in den 1960er-Jahren der Anwohner Arthur Gelfert zog und in seinem Garten aufstellte. Sein Sohn machte dann André Kaiser auf den Stein aufmerksam und so fand er schließlich wieder einen Platz an der Straße. Nur wenige hundert Meter weiter in Richtung Frauenstein steht dann als Station 2das Geburtshaus Gottfried Silbermanns und seines Bruders Andreas, wo sie bis 1686 lebten. Eine Tafel über dem Portal erinnert daran. "Die Goldschrift könnte ruhig wieder einmal aufgefrischt werden", so Reiner Hengst.

Weiter geht es am Wanderpicknickplatz vorbei auf dem sogenannten Buttersteig durch den Wald hin zum Pestfriedhof, wo man in den Friedhofssteig abbiegt, der hinauf zur Frauensteiner Burgruine und auf den Marktplatz führt.

Hier kommt man zu Station 3, dem Wohnhaus der Silbermanns von 1686 bis 1699, welches etwas unscheinbar in einer Seitenstraße liegt. Ein weiteres Prachtstück ist die frisch sanierte Postmeilensäule aus dem Jahr 1725 (Station 4). "Daran sieht man, dass wir in sechs Jahren 300 Jahre Postmeilensäule feiern könnten", schmunzelt Reiner Hentschel.

Der Blick geht daraufhin zum Schloss Frauenstein (Station 5) hinauf, welches auf den Mauern der alten Burg entstand und 1588 fertiggestellt wurde. An ihrem Fuße findet sich der zweite Picknickplatz. Station 6, die Pyramide, steht wie gesagt noch nicht, weshalb es nun durch die Wassergasse geht, in der mit einem 2018 sanierten Wassertrog Station 7 wartet. Diese Tröge sorgten schon im 15. Jahrhundert für die Wasserversorgung der Stadt. Am Böhmischen Tor entlang geht es weiter zur Saydaer Straße, an deren Wegkreuzung Richtung Nassau eine Wegweisersäule (Station 8) steht, die im Januar 1820 ein paar Meter weiter aufgestellt worden war, im Laufe der Zeit stark verwitterte und vor zwei Jahren saniert und an neuer Stelle platziert wurde.

150 Meter geht es an der B 171 entlang, dann hat man den Pfad wieder über Felder und Wiesen bis hinein in einen Wald, in dem man auch dem Wanderzeichen "Grüner Balken auf weißem Grund" folgen sollte, um nicht vom Weg abzukommen. Über das Mäusebachtal geht es hin nach Nassau, wo die Kirche mit ihrer Silbermannorgel von 1748 Station 9 bildet. Zur Premiere des Pfades gab es ein Orgelvorspiel von Sabine Fischer, welche humorvoll in die Feinheiten des 1998 sanierten Instrumentes einführte. Station 10, das Kriegerdenkmal, kommt erst 2020 wieder an seinen Platz, dann aber schmuck und schön. "Das passt sehr gut", so Reiner Hentschel. "Denn genau hundert Jahre zuvor, 1920, war es errichtet worden."

Knapp zehn Kilometer Strecke vereint der neue Silbermannpfad, knapp 17.000 Schritte geht man. Für Geübte kaum ein Problem, auch für Gelegenheitswanderer ist das zu schaffen. Erholung gibt es an den neuen Picknickplätzen, die dank einiger Spielgeräte auch Kindern viel Spaß machen. Der Pfad, der erstmals drei Stadtteile miteinander verbindet, ist ohne Frage eine Bereicherung. Er lädt zum lernen, erholen und genießen ein.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...