Auftritt von rechter Hooliganband im letzten Moment abgesagt

Ein kurzfristig angekündigtes Konzert der Gruppe Kategorie C in Hainichen fand nicht statt. Dennoch will nun der Verfassungsschutz den Vorfall prüfen.

Hainichen.

Noch im Juni waren sie die Hauptattraktion auf dem Rechtsrock-Festival "Schild und Schwert" in Ostritz (Kreis Görlitz). Am vergangenen Wochenende nun sollte die Hooliganband Kategorie C in Hainichen spielen. Es handle sich um eine rechtsextremistische Band aus Niedersachsen. Dort werde die Band auch im aktuellen Verfassungsschutzbericht aufgeführt, so das sächsische Landesamt für Verfassungsschutz auf Anfrage der "Freien Presse" am Montag. Die Nachricht, dass die Gruppe am Samstagabend in der ehemaligen Diskothek "Crazy" an der Gerichtsstraße spielen würde, machte besonders in den sozialen Netzwerken schnell die Runde.

Die Diskothek im einstigen Kreiskulturhaus ist eigentlich seit Jahren geschlossen, gelegentlich finden dort allerdings Privatveranstaltungen statt. Aus bislang unbekannten Gründen wurde der Auftritt der Band schließlich abgesagt. In den sozialen Netzwerken berichteten Augenzeugen dennoch von "szenetypischen" Personen und Polizeipräsenz. Die Polizeidirektion Chemnitz gab an, vom Nachmittag bis zum späten Abend mit mehreren Einsatzkräften vor Ort gewesen zu sein. Straftaten seien dabei nicht registriert worden.

"Es handelt sich um eine rechtsextremistische Veranstaltung", sagt Karin Keck vom sächsischen Verfassungsschutz. Erkenntnisse darüber, ob in der früheren Diskothek regelmäßig vergleichbare Veranstaltungen stattfinden, lägen allerdings nicht vor. "Das Objekt und der Betreiber sind uns bisher noch nicht bekannt", so Keck. Der Verfassungsschutz wolle nun prüfen, was genau am Samstagabend in Hainichen passiert ist. Je nach Ausgang dieser Prüfung werde sich die Behörde gegebenenfalls auch mit den Organisatoren der Veranstaltung befassen.

Hainichens Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD) wurde nach eigenen Angaben am Samstagmorgen von mehreren Personen über das geplante Konzert informiert. "Daraufhin habe ich sofort die Polizei verständigt", sagt der Stadtchef. Gemeinsam mit den Beamten habe er zunächst den Veranstaltungsort aufgesucht. Später habe er den Mann, der für die Vermietung der Räumlichkeiten zuständig sei, ins Rathaus bestellt und ihn sich dort "zur Brust genommen", wie Greysinger sagt. Der Mann, bei dem es sich weder um den Eigentümer des Hauses noch um den ehemaligen Betreiber der Diskothek handle, habe erklärt, die Veranstaltung sei eine private Feier. Davon, dass dort eine rechte Band auftreten solle, habe er nichts gewusst. "Wir wollen in Hainichen keine rechts- oder linksradikalen Veranstaltungen, das habe ich ihm klargemacht", so der Bürgermeister. Der Mann habe einsichtig gewirkt.

Frühere Veranstaltungen dieser Art in der einstigen Diskothek sind Greysinger nicht bekannt. Er kündigt Konsequenzen an, sollte sich ein Fall wie dieser wiederholen. "Es geht nicht, dass dort regelmäßig als privat bezeichnete Veranstaltungen mit so vielen Leuten stattfinden", betont Greysinger. Schon allein der bauliche Zustand des einstigen Kreiskulturhauses sei dafür nicht geeignet. "Soweit ich weiß, ist dort seit Jahren nichts mehr in Stand gesetzt worden." Im Wiederholungsfall wolle er das Landratsamt auffordern, zu überprüfen, ob derartige Veranstaltungen in dem Gebäude zulässig sind. Das ehemalige Kreiskulturhaus war zuletzt 2010 in die Schlagzeilen geraten, weil im Keller unter der Diskothek eine 200 Quadratmeter große Hanfplantage entdeckt worden war.

Kerstin Köditz, Abgeordnete der Linken im sächsischen Landtag, kennt die Band Kategorie C. Sie hat - ebenso wie ihre Fraktionskollegin Juliane Nagel - auch die Landesregierung bereits zu den Aktivitäten der Gruppe im Freistaat befragt. Die Band sei in den vergangenen Jahren mehrfach in Sachsen aufgetreten, schwerpunktmäßig in Leipzig und Umgebung. "Das Besondere an Kategorie C ist, dass die Band im klassischen Neonazibereich ebenso beliebt ist wie im Hooligan-Spektrum", erklärt Köditz. Das "Crazy" sei ihr nicht als regelmäßiger Ort rechtsextremer Veranstaltungen bekannt. Aus ihrer Sicht sei die ehemalige Diskothek bisher nicht einschlägig in Erscheinung getreten, so Köditz. "Bei Anmietungen ist es nicht unbedingt üblich, dass die Personalien überprüft werden, sodass Strohleute vorgeschickt oder auch falsche Angaben über die Identität der Nutzer und den tatsächlichen Mietzweck gemacht worden sein könnten. Bei derartigen Szeneveranstaltungen kommt das vor", erklärt die Landtagsabgeordnete. Seit Jahren gebe es aus der rechten Szene heraus Bemühungen, immer wieder neue Orte für Veranstaltungen zu erschließen.

Von einer eigenständigen rechten Szene in Hainichen geht Köditz derzeit nicht aus. "Wahrnehmbare und organisierte Aktivitäten sind dort in jüngerer Zeit nicht die Regel. Offenbar orientiert man sich deutlich in Richtung Chemnitz." Rechtsmotivierte Straftaten seien in der Gellertstadt vergleichsweise selten - in den vergangenen beiden Jahren seien insgesamt neun solcher Vorkommnisse registriert worden, sagt Köditz, die die Zahlen jeden Monat bei der Staatsregierung abfragt. In allen Fällen habe es sich um die Verwendung verbotener Parolen oder Symbole gehandelt.

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1Kommentare
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  • 1
    4
    516315
    08.10.2019

    Laut Wikipedia kommt die Band aus Bremen und nicht aus Niedersachsen.



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