August der Starke präsentiert Sagenhaftes

Von einer gemeinsamen Identität wird seit der Gründung des Landkreises 2008 geträumt. Doch die Realität ist eine andere. Nun soll eine Sammlung von Legenden für ein stärkeres Wir-Gefühl sorgen.

Hainichen / Striegistal.

Der Landkreis Mittelsachsen feilt rund neun Jahre nach der Gründung weiterhin an seiner Identität. Das jüngste Mittel auf dem Weg zu diesem Ziel: Eine zweibändige Sammlung von fast 300 Sagen, die auf Schloss Rochsburg präsentiert worden ist. "Ein solches Projekt kann das gesamtmittelsächsische Zugehörigkeitsgefühl fördern", ist Landrat Matthias Damm überzeugt. Zugleich betonte der CDU-Politiker aber, dass Mittelsachsen - ein Landreis, der sich auf einer Fläche von 2113 Quadratkilometer erstreckt und somit einer der größten des Freistaates ist - ein zusammengewürfeltes Gebilde von sehr unterschiedlichen Regionen ist.

"Diese Vielfalt macht den Landkreis aus", fuhr Damm fort. Die Buntheit der Kulturlandschaften - neben dem Rochlitzer Land zählt beispielsweise das Osterzgebirge genauso dazu wie das Döbelner Löshügelland - spiegelt sich auch in der Sagenwelt wider, die einen spannenden Einblick in die Geschichte der Region gewährt. So erfahren die Leser, wie Wege, Höhlen, Plätze oder ganze Orte zu ihren Namen kamen. In Eulendorf bei Hainichen etwa fanden die ersten Siedler des Ortes, der 1284 urkundlich erwähnt wurde, bei Rodungsarbeiten im Geäst eines mächtigen Baumes ein Eulennest vor. Da im dortigen Wald offenbar viele dieser Vögel lebten, lag die Namenswahl für die Gründer auf der Hand. Nahe der Steyermühle in Hainichen befindet sich der Trompeterfelsen. Vor Jahrhunderten soll in einem Krieg ein Trompeter, um seinen Verfolgern zu entgehen, samt Ross hinabgesprungen sein. Der Sprung endete tödlich. Mitleidige Menschen haben ihn mit seiner Trompete begraben. Ein herrlicher Blick bietet sich dem Wandersmann von der Teufelskanzel in Mobendorf ins Striegistal.

Ein gutes Dreivierteljahr lang arbeitete die Waldheimer Kulturwerkstatt um Dr. Brunhild Becker an den zwei jeweils 150 Seiten starken Büchern. "Eine Mammutaufgabe", wie sie bemerkte. Die Arbeit baute auf einer Studie der TU Dresden zur Kulturlandschaft Mittelsachsens auf, die vor drei Jahren erstellt worden war. Damals führten die Wissenschaftler neben Umfragen zu Klimawandel und Energiewende, auch welche zum Landkreis im Allgemeinen durch. Dabei stießen sie nebenbei auf zahlreiche Überlieferungen von Geschichten und Begegnungen.

"278 Sagen lagen uns am Anfang zugrunde. Wir haben jedoch rasch festgestellt: Es gibt viel, viel mehr", brachte es Brunhild Becker auf den Punkt. Und Vize-Landrat, Lothar Beier, ergänzte: "Wir sprachen mit Kommunen, Akteuren aus Bildung und Kultur und führten Workshops durch, mit dem Ziel, ein qualifiziertes Werk zu erhalten." Eine Maxime hatte die Projektgruppe nach Angaben von Leiterin Becker immer im Blick: "Die Sagensammlung darf nicht langweilig sein."

Die Sagenbände wurden in einer Auflage von 1000 Stück gedruckt. Da für das 42.000 Euro teure Vorhaben eine kräftige Finanzspritze des Freistaats floss - das Land übernahm 75 Prozent der Kosten -, dürfen die Exemplare nicht verkauft werden. Daher werden diese nun unter anderem Kommunen, Schulen und Museen zur Verfügung gestellt. Außerdem soll der Sagenschatz in den Schulunterricht mit einfließen. Wie Projektleiterin Becker sagte, wird es in absehbarer Zeit eine Weiterbildung für Lehrer geben, in denen die Inhalte der Bücher vermittelt werden. Das grüne Licht der Bildungsagentur dazu liegt nach Aussagen der Expertin vor. Ein weiterer Wunsch von Becker: Eine Wanderausstellung, "um das Thema lebendig zu machen". (mit ps)

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