Aus dem Schatten getreten

Die Theatergruppe "Septem Mulieres" zeigt zum Internationalen Frauentag in ihrem neuen Stück, wie starke Frauen sich für ein Recht auf Mitbestimmung eingesetzt haben. Würdigen Frauen heute das, was damals erreicht wurde?

Rochlitz/Mittweida.

Mit Rosa Luxemburg ins Gespräch kommen. Sich mit Clara Zetkin unterhalten. Käthe Kollwitz zu ihren Ansichten fragen. Das soll für Interessierte möglich werden, wenn sie eine Aufführung der Theatergruppe "Septem Mulieres" besuchen. Denn die Darstellerinnen spüren in ihrem neuen Stück einem Thema nach, das untrennbar mit den drei berühmten Denkerinnen verbunden ist: der Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren.

Nicht nur während der Aufführung, sondern auch in den Pausen werden die Laienschauspielerinnen in ihren Rollen zu erleben sein, sagt Julita Decke. Die 45-Jährige leitet das Projekt, das beim Verein Müllerhof Mittweida angesiedelt ist. "Die Chance des Stückes ist, dass wir die Frauen in den heutigen Kontext holen können, um zu schauen: Was wollten die früher und was haben wir daraus gemacht", sagt die Milkauerin. Es sei wichtig, sich mit dem Wahlrecht zu beschäftigen, findet sie - "und sei es, um bewusst zu dem Schluss zu kommen, dass man nicht wählt."

Torsten Kleditzsch

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Seit Herbst 2016 hatte die Gruppe bereits ein Dutzend Auftritte. In einem ersten Stück widmete sie sich starken Frauen der Reformation. Das wurde 2016 mit 16.000 Euro über die Gleichstellungsrichtlinie vom Freistaat gefördert. Auch beim neuen Thema wird gearbeitet wie bisher. Jede Darstellerin sucht sich eine Frau aus, die zwischen 1850 und 1918 Schritte zur Einführung des Frauenwahlrechts gegangen ist, und befasst sich mit ihr. Die Darstellerinnen recherchieren zum Beispiel in Büchern, auf Internetseiten wie Fembio - einer Datenbank mit Frauenbiografien -, oder in der Leipziger Frauenbibliothek "Monaliesa".

Welche historischen Frauen zu sehen sein werden, steht laut Decke noch nicht fest. "Ich habe eine Tabelle mit mehr als 20 Frauen, die für uns interessant sind." Im Stück sind es später sieben Frauen, denn das bedeutet "Septem Mulieres". Aktuell sind elf Darstellerinnen dabei, von der Hausfrau bis zur Akademikerin, von 20 bis 75 Jahren. Das Ensemble hat samt Maske und Musik 17 Mitglieder. Sie kommen aus Mittweida und der Region. Am 22. September ist Premiere auf Schloss Rochlitz.

Einen Ausblick gibt die Gruppe am Samstag im Landtag in Dresden. Zweimal zehn Minuten werden die "Septem Mulieres" zur Festveranstaltung anlässlich des Frauentags auftreten. Eingeladen hat Sachsens Gleichstellungsministerin Petra Köpping (SPD), die 2017 den Müllerhof besuchte. Mit der Einladung möchte sie die ehrenamtliche Tätigkeit der Gruppe würdigen und deren Themen in den Mittelpunkt rücken. Köpping: "Sie zeigen in ihren Auszügen starke Frauen. Frauen, die für ihr Recht auf Mitbestimmung kämpften. Frauen, die aus dem Schatten der Männer getreten sind."


Wahlbeteiligung bei Frauen ähnlich hoch wie bei den Männern

Zur Bundestagswahl 2017 waren in Sachsen 3,3 Millionen Personen wahlberechtigt: 1,7 Millionen Frauen und 1,6 Millionen Männer. Die Wahlbeteiligung - ohne Briefwahl - lag bei den Frauen bei 58,5 Prozent, bei den Männern bei 60,5 Prozent. Das geht aus der repräsentativen Wahlstatistik hervor, einer Stichprobenerhebung des Statistischen Landesamtes.

Mit ihrer Zweitstimme, die maßgeblich über die Sitzverteilung der Parteien im Bundestag entscheidet, haben sich die Frauen wie folgt entschieden: 31,3 Prozent wählten die CDU, 21,2 Prozent die AfD, 16,3 Prozent Die Linke, 10,5 Prozent SPD, 8,1Prozent die FDP und 5,3 Prozent die Grünen. Die restlichen Stimmen entfielen auf die übrigen Parteien.

Als Nichtwähler sind 411.600 Frauen und 385.000 Männer aufgeführt. Zahlen für Landkreise und Kommunen liegen nicht vor. (fmu)


"Ich gehe immer wählen"

Sylva-Michèle Sternkopf (44), Inhaberin der Dr. Sternkopf Media Group in Flöha: "Bei der Frage zum Frauenwahlrecht denkt man zuerst: Was soll man dazu sagen? Man findet es ganz normal, denkt nicht mehr darüber nach. Und doch sagt es so viel über die Gleichberechtigung in einer Gesellschaft aus. Ich würde es sehr ungerecht finden, wenn nur mein Mann wählen dürfte, ich gehe immer wählen."

Monique Kralapp (54), Kindergartenerzieherin aus Leupahn: "Ich nehme das Wahlrecht immer wahr und könnte mir nicht vorstellen, wenn nur mein Mann wählen dürfte. Eine Frau hat einen ganz anderen Blick auf manche Sachen. Deshalb schaue ich zum Beispiel zur Landtagswahl darauf: Welche Partei hat etwas für Kinder übrig, was passiert mit den Rentnern und auf dem Arbeitsmarkt?"

Elvira Paul (63), Inhaberin der Geschwister Büschel KG Polstermöbel-Manufaktur Voigtsdorf: "Es ist wichtig, wählen zu gehen, ich sehe darin einen großen Wert. Dass Frauen wählen dürfen, ist schon so selbstverständlich, aber damals, zu der Zeit, war es eine große Errungenschaft. Ich gehe wählen. Nichtwählen ist keine Alternative." (fmu)

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