Ausstellung zeigt das Schicksal jüdischer Zwangsarbeiterinnen

"Wenn nicht ein Wunder geschieht, halten wir es nicht aus" heißt eine Dokumentation in der Freiberger Petrikirche. Sie ist den während des Naziregimes gefangenen Frauen im KZ-Außenlager Freiberg gewidmet.

Freiberg/Frankenberg.

Ergreifend in ihren Bildern und Texten führt eine neue Ausstellung in der Freiberger Petrikirche Schicksale jüdischer Frauen und Mädchen vor Augen, die während des Zweiten Weltkrieges als Zwangsarbeiterinnen im KZ-Außenlager Freiberg gefangen waren und 1945 das Kriegsende und ihre Befreiung erlebten. "Wenn nicht ein Wunder geschieht, halten wir es nicht aus", hatte eine von ihnen die grausame Zeit im Außenlager des KZ Flossenbürg beschrieben. Dieser Satz steht über der Dokumentation, die bis 27. Januar 2021 zu sehen ist.

Der Freiberger Verein Zeitzeugnis erarbeitete die Ausstellung und zeichnet mit ihr den Leidensweg der damals Gefangenen und ihre Befreiung nach, beginnend bei der Deportation im sogenannten Rassenkrieg über das Schicksal der Zwangsarbeiterinnen, den Todeszug zur Evakuierung des KZ Mauthausen bis hin zum Kriegsende und den Neuanfang in Freiberg. Zitate von einigen der bis zu 1000 jüdischen Frauen und Mädchen vermitteln, unter welch katastrophalen Bedingungen sie lebten, ausgebeutet wurden und im heutigen Landratsamtsgebäude Flugzeugteile fertigen mussten. Ergänzt werden die Informationstafeln durch Kunstwerke von Jana Zimmer. Ihre Mutter war Überlebende des Holocaust und eine der jüdischen Zwangsarbeiterinnen im KZ-Außenlager Freiberg. "Für die Frauen war das Kriegsende ein Tag der Befreiung, während die meisten der in Deutschland lebenden Menschen nicht befreit werden wollten, sondern besiegt werden mussten, damit das Kämpfen und Morden unter dem Banner des Nationalsozialismus ein Ende hatte", beschreibt es der Pfarrer der Petrikirche, Dr. Michael Stahl. Daniel Großmann vom Verein Zeitzeugnis sagt: "Entscheidend ist die Ausstellung Dr. Michael Düsing zu verdanken, der jahrelang zum KZ-Außenlager in Freiberg geforscht hat und die Ergebnisse hier zusammenführt."

Unter der Schirmherrschaft von Landrat Damm sollte die Dokumentation im Frühjahr im Theater gezeigt werden, was aber wegen des Lockdowns nicht möglich war. Auch am Freitagabend wurde sie wegen der Regelungen zur Corona-pandemie ohne Publikum eröffnet. Der Verein hofft aber, sie im Dezember präsentieren zu können. "Wir haben sie trotzdem jetzt eröffnet, weil sie auch ein Hoffnungssignal sein soll. Viele sind derzeit etwas frustriert. Das Kriegsende war ebenfalls ambivalent. Es herrschten Verzweiflung über die Situation und zugleich Hoffnung auf ein besseres Leben", sagt Daniel Großmann. Die Dokumentation halte Schicksale von Menschen vor Augen und nehme dabei Bezug auf unser Lebensumfeld. "Solche Perspektiven sind wichtig, weil sie zeigen, dass der nationalsozialistische Terror und die Kriegstreiberei nicht irgendwo stattfanden, sondern inmitten der Menschen, die in Freiberg lebten", so Michael Stahl. Jeden Tag wurden die jüdischen Frauen vom Lager in die Fabrik und zurückgeführt, sagt der Pfarrer. Das spielte sich am Rande der Stadt ab. "Geheimgehalten werden aber konnte es nicht", so Michael Stahl. Er legt die Ausstellung allen ans Herz, die sich ein umfassendes Bild von der Freiberger Stadtgeschichte machen möchten: "Freiberg war KZ-Standort. In Freiberg wurden Zwangsarbeiterinnen ausgebeutet. In Freiberg wurde Rüstungsindustrie betrieben. Ohne diese Facetten ist das Bild unserer Stadt nicht komplett."

Ausstellung: Im Dezember ist sie für die Öffentlichkeit in Absprache mit dem Zeitzeugnis-Verein (Ruf 0163 8691996) und der Freiberger Kirchgemeinde Petri-Johannis (Ruf 03731 247859) geöffnet. Im Netz ist sie bereits jetzt zu sehen:

freiberger-zeitzeugnis.de


Pfad der Erinnerung an KZ

In der Stadt Frankenberg erinnern 20 Säulen mit Zeitdokumenten und Erläuterungen an das frühere Konzentrationslager Sachsenburg. Das KZ im heutigen Frankenberger Ortsteil gilt als Vorläufer der großen Lager wie Buchenwald und Sachsenhausen. Es steht beispielhaft für die Entwicklung des Lagersystems in Deutschland. Gegründet wurde die Einrichtung noch als Arbeitsdienstlager, dann in Schutzhaftlager umbenannt. Nach August 1934 wurde amtlich vom Konzentrationslager Sachsenburg gesprochen. Zu dieser Zeit hatte die SS die Führung übernommen.

Die Außenraumausstellung in dem Ortsteil sowie in der Stadt selbst erinnert anschaulich und eindrücklich an die KZ-Geschichte. Metallstelen mit Text- und Bildmaterial sowie Zitaten von Zeitzeugen belegen die Schicksale von Menschen, die Geschichte des Areals und der darauf befindlichen Gebäude zwischen 1933 und 1937. Historische Fotografien ermöglichen dem Betrachter einen Eindruck von der einstigen Gebäudenutzung. Zitate von Überlebenden des Lagers vermitteln eine Vorstellung des brutalen Alltags darin. (dahl)

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