Bäckerei heuert Tschechen an

In der Produktionshalle der Bäckerei Lieberwirth in Leubsdorf geht es seit vier Monaten international zu. Mit Englisch und Gebärden wird die Sprachbarriere überwunden.

Leubsdorf.

Es gibt verschiedene Varianten, wie sich die Mitarbeiter der Bäckerei Lieberwirth zu Schichtbeginn begrüßen. Neben den vielen deutschen Versionen ist seit einigen Monaten auch regelmäßig "Dobry Den" zu hören. Das ist Tschechisch und heißt "Guten Tag".

Seit April dieses Jahres verstärkt Petra Pekarova das Team in der großen Produktionshalle, auch ihr Lebenspartner Julius Novak ist dabei. Beide kommen aus der Region Most und haben sich mittlerweile gut integriert. Derzeit packt sogar Petras Sohn Daniel Pekar in Leubsdorf mit an. "Ich lerne in der Hotelfachschule in Most, habe gerade Semesterferien und mache für drei Wochen einen Ferienjob", sagt der 21-Jährige.


Produktionsleiter Oliver Jakob bescheinigt den ausländischen Arbeitnehmern sehr großen Einsatz, schnelle Auffassungsgabe und Zuverlässigkeit. "Natürlich gibt es die Sprachbarriere zu überwinden. Denn bei uns kann niemand Tschechisch und Petra und Julius können kaum Deutsch", sagt Jakob. "Aber mit ein paar Brocken Englisch, Zeigen und Demonstrieren haben wir bisher alles gemeistert", sagt Jakob. Die Mitarbeiter begegnen den neuen Kollegen freundlich und aufgeschlossen, wenngleich es hier und da auch kleine Berührungsängste gibt. "Manche Mitarbeiter sind sich unsicher, weil sie sich nicht richtig ausdrücken können", erklärt er, "doch im Großen und Ganzen läuft die Verständigung".

Petra Pekarova profitiert von der Kooperation der Gemeinde Leubsdorf mit der tschechischen Region Peruc. Über einige Umwege habe sie dadurch erfahren, dass die Bäckerei Arbeitskräfte benötigt. Da sie vorher mehr als ein Jahr arbeitslos war, habe sie die Initiative ergriffen, ist von der 41-Jährigen zu erfahren. Zwar benötigten sie und ihr Lebenspartner bei der täglichen An- und Abreise je Strecke rund 70 Minuten, doch diesen Aufwand nehmen sie gern in Kauf. Der Verdienst, den Petra Pekarova in ihrer Heimat bekommen könnte, würde nur etwa die Hälfte ausmachen von dem, was sie in der Bäckerei Lieberwirth derzeit erzielt. Auf absehbare Zeit wollen die beiden Tschechen darum in Leubsdorf arbeiten. "Wir wären natürlich froh, wenn die beiden bei uns blieben und haben ihnen deshalb auch das Angebot gemacht, eine preisgünstige Wohnung in Leubsdorf zu mieten. Aber davon haben sie bisher noch nicht Gebrauch gemacht", sagt Udo Lieberwirth, der gemeinsam mit seinem Bruder Jörg das Unternehmen leitet. "Es ist kein Geheimnis, dass wir händeringend zuverlässige Mitarbeiter suchen. Die Fachkräfte stehen am Personalbüro erst recht nicht Schlange", sagt Jörg Lieberwirth. Vor einigen Tagen wurde ein Lehrling eingestellt, zwei Stellen hatten die Lieberwirths ausgeschrieben.

Dass die Leubsdorfer Bäckerei ausländische Arbeitnehmer eingestellt hat, sei aus sächsischer Sicht kein Novum. "Es lässt sich derzeit aber auch kein Trend ableiten. Aber durch die Einführung der Arbeitnehmerfreizügigkeit in den Staaten der Europäischen Union stellt diese Variante einen gängigen Weg dar", sagte Manuela Lohse. Laut der Geschäftsführerin des Landesinnungsverbands Saxonia des Bäckereihandwerks Sachsen ist der Fachkräftemangel auch in den Bäckereibetrieben zu spüren. Unlängst wurden Programme aufgelegt, um gezielt ausländische Bürger für eine Ausbildung in Deutschland zu gewinnen. "Inwiefern die Bäckereien davon profitieren werden, wird sich zeigen", sagt sie. Die beiden Leubsdorfer Unternehmer hoffen unterdessen, dass die beiden Tschechen nicht so schnell für immer "na shledanou" sagen: "Auf Wiedersehen".


Arbeitnehmer können in 28 Mitgliedsstaaten arbeiten

Die Arbeitnehmerfreizügigkeit ist ein Kernbestandteil des für alle EU-Mitgliedstaaten geltenden Gemeinschaftsrechts. Jeder Unionsbürger hat die Möglichkeit, ungeachtet seines Wohnorts in jedem Mitgliedstaat, dessen Staatsangehörigkeit er nicht besitzt, unter gleichen Voraussetzungen eine Beschäftigung aufzunehmen.

Freizügigkeit ist also gegeben, wenn Arbeitnehmer nicht aufgrund ihrer Nationalität je nach Herkunft aus den Mitgliedstaaten unterschiedlich behandelt werden. Jedem Bürger muss der gleiche Zugang zu Beschäftigung, muss gleiche Entlohnung gewährt werden. Auch andere Arbeitsbedingungen dürfen nicht abweichen - insofern dies nicht von den Staaten vereinbart wurde. (Quelle: Wikipedia)

Demnach können auch Bürger aus Mittelsachsen in den 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union eine Beschäftigung aufnehmen. (kbe)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...