Bauhaus-Jahr geht an Mittweida vorbei

Mit der Malerin Katharina Geigenmüller hat die Stadt einen Bezug zum Jubiläum der Kunstschule. Doch ihre Spur verliert sich im Museumsdepot.

Mittweida.

Deutschlandweit beherrscht das Gründungsjubiläum der Avantgardeschmiede die Kunst- und Kulturszene. 100 Jahre Bauhaus sind nicht nur Anlass, Museen in Weimar und Dessau zu eröffnen. Ausstellungen sind an vielen Orten den Werken von Bauhausschülern gewidmet. So rückten zum Beispiel die Kunstsammlungen Chemnitz in einer Sonderschau die künstlerische Arbeit von zuvor wenig beachteten Frauen am Bauhaus in den Blickpunkt. An ihrem Elternhaus in Chemnitz erinnert seit kurzem eine vom Landesfrauenrat Sachsen angebrachte Tafel an Bauhaus-Metallgestalterin Marianne Brandt.

Eine solche Würdigung erfuhr Katharina Geigenmüller, die mit Marianne Brandt befreundet war, in ihrer Geburtsstadt Mittweida hingegen nicht. Öffentlich gibt es derzeit keinen Hinweis auf die Bauhausschülerin, die 1890 in Mittweida geboren wurde, hier als freischaffende Künstlerin tätig war und 1964 auf dem Neuen Friedhof bestattet wurde. Dass Katharina Geigenmüller in Vergessenheit geraten ist, treibt den Mittweidaer Historiker Heiko Weber um. Wenigstens eine kleine Tafel an der Fassade des letzten Wohnhauses der Künstlerin an der Weitzelstraße 12 könnte an sie erinnern, so der Vorschlag des früheren Leiters des Stadtmuseums. Das Bauhaus- Jubiläum sei durchaus ein passender Anlass, sich in Mittweida mit der Malerin zu beschäftigen. Immerhin habe sie ihr letztes Studienjahr am Bauhaus Weimar absolviert, studierte zuvor ab 1913 als eine der ersten Frauen an der Großherzoglich Sächsischen Hochschule der bildenden Kunst in Weimar.

Die Stadt hätte gar die Chance, das Bauhaus-Jubiläumsjahr zum Anlass für eine Ausstellung von Werken Geigenmüllers zu nehmen. Denn dank der Unterstützung durch die Sächsische Landesstelle für Museumswesen waren schon in den 1990er-Jahren Werke der Künstlerin für das Stadtmuseum angekauft worden, wie sich Weber erinnert. Darunter befänden sich Aktstudien, anatomische Skizzen und Aquarelle. Erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurden 80 Arbeiten im Jahr 2010 in einer gut besuchten Sonderschau anlässlich des 120. Geburtstages der Künstlerin. Zuvor hatte ein Museumsmitarbeiter Leben und Wirken Geigenmüllers erforscht. Auf eine Neuauflage der Sonderschau will Weber nicht drängen, hält aber eine öffentliche Würdigung der Künstlerin im Bauhaus-Jubiläumsjahr für angebracht.

Das sieht man im Mittweidaer Rathaus anders: Auf Nachfragen der "Freien Presse" an Museumsleitung und Stadtverwaltung wies Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU) das Ansinnen einer Sonderschau mit Geigenmüllers Werken im Stadtmuseum zurück. Ein "bemerkenswerter Bezug" zum Bauhaus-Jubiläum sei nicht gegeben, denn die Künstlerin "ist für die Bauhauszeit zu unbedeutend", sagte Schreiber. Sie habe nur von 1919 bis 1920 in Weimar am Bauhaus studiert. "Die Vorreiterrolle für die prägende Epoche war zu dieser Zeit noch nicht absehbar", so der OB. Mit der "fehlenden überregionalen Bedeutung" begründete er zudem, dass in diesem Jahr nichts geplant sei, was an Geigenmüller öffentlich erinnert, also auch kein Hinweisschild an Geigenmüllers Geburtshaus. Für die Zukunft schloss er das aber nicht aus: "Eine Ausstellung und damit Würdigung wird es zum gegebenen Zeitpunkt geben", erklärte Schreiber. Wann der Zeitpunkt gegeben sein könnte, ließ er offen.


Bild von Geigenmüller bei Auktion gefragt

Bei Kunstkennern scheint Katharina Geigenmüller, deren künstlerisches Werk durch Ölgemälde, Kohlezeichnungen und Aquarelle geprägt ist, hoch im Kurs zu stehen. So wurde vor kurzem in einem Chemnitzer Auktionshaus ein Bild Geigenmüllers mit dem Titel "Stadtlandschaft im Winter" versteigert. Das Startgebot für das etwa 80 x 55 Zentimeter große Werk lag bei 80 Euro, der Zuschlag wurde bei 3600 Euro erteilt. Die kinderlose Künstlerin hatte aus ihren Werken zu Lebzeiten kein Kapital schlagen können. Katharina Geigenmüller starb 1964 verarmt. Die Sonderschau im Stadtmuseum Mittweida vor neun Jahren anlässlich ihres 120. Geburtstages war ihre erste Einzelausstellung nach ihrem Tod.

Für das Jahr 2020 plant das Mittweidaer Museum "Alte Pfarrhäuser" mehrere Sonderausstellungen. So ist unter anderem eine Schau dem Werk des Mittweidaer Malers Max Ernst Landschreiber gewidmet (17. Mai bis 5. Juli), Anlass ist dessen 140. Geburtstag. Malerei von Hanna Steinert ist vom 18. Juli bis 30. August in dem Museum zu sehen. Noch bis zum 20. Oktober dieses Jahres ist in dem Museum eine Sonderausstellung unter dem Titel "Medeaspiel - Druckgrafik und Zeichnungen" mit Werken der in Mittweida geborenen Künstlerin Anja Seidel zu sehen. Vom 27. Oktober bis 17. November 2019 stellt der Ehrenberger Künstler Jens Ossada aus. Anlass dafür ist sein 25-jähriges Schaffensjubiläum. (jl)

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