Betrunkener Autofahrer muss 900 Euro zahlen

Mit einem außergewöhnlichen Anklage-Mix hat sich das Amtsgericht jetzt im Fall eines Mittweidaers befasst. Er war betrunken Auto gefahren und sollte sich zudem wegen Betrugs verantworten.

Döbeln/Mittweida.

Allein der Vorwurf, wonach der Mittweidaer mit mehr als drei Promille Alkohol im Blut mit seinem Auto gefahren ist, erscheint schwerwiegend. Doch dass er zudem durch Manipulation am Gaszähler im Haus seiner Mutter für einen Schaden von rund 43.000 Euro verantwortlich sein sollte, hätte ihm eine höhere Strafe bei Gericht bescheren können.

Doch am Ende des zweiten Verhandlungstages vor dem Döbelner Amtsgericht ist der Mann vom Vorwurf des Betrugs frei gesprochen worden. Allein für das Fahren unter Alkohol verurteilte ihn Richter Janko Ehrlich zu einer Geldstrafe von 900 Euro und zu einer Führerscheinsperrfrist von 18 Monaten.

Den größeren Aufwand hatte das Gericht mit dem Anklagepunkt des Betrugs betrieben. So hatte der Angeklagte schließlich bereits am ersten Verhandlungstag gestanden, in Mittweida unter Alkoholeinfluss mit dem Pkw gefahren zu sein. Das bezog sich auf eine Fahrt im Oktober 2018, als bei ihm ein Alkoholtest 3,13 Promille ergeben hatte. Nach dem Tod seiner Mutter 2016 sei er nach eigener Aussage alkoholsüchtig geworden. Inzwischen absolviere er eine Langzeittherapie und besuche die Suchtberatung.

Dass er aber schon in den Jahren zwischen 2003 und 2004 den Gaszähler im Haus seiner Mutter manipuliert haben soll, wies der Mittweidaer zurück. Doch selbst die in der Verhandlung gehörten Zeugen konnten nicht zur Klärung der Zählermanipulation beitragen. Der Gasversorger hatte erst im September 2018 festgestellt, dass mit dem Zähler etwas nicht stimmte. Zu der Zeit war das Wohnhaus aber schon zwei Jahre unbewohnt.

Im Haus der Mutter wohnte der Angeklagte von 1997 bis 2005. Um die Abrechnung der Gasrechnungen habe sich damals die Mutter gekümmert, wie die Verteidigerin des Angeklagten erklärte. Als die Mutter des Beschuldigten 2016 starb, war das Haus unbewohnt. Der Gasanbieter lieferte trotzdem das Gas weiter. Ein Monteur bemerkte bereits 2009, dass der Zähler keinen Gasverbrauch anzeigte. Ein Prüfer stellte fest, dass an dem Zähler manipuliert worden war. Die Höhe des so entstandenen Schadens von rund 43.000 Euro hatte der Gasversorger geschätzt.

Zur Tatzeit soll aber auch ein Lebensgefährte der Mutter des Beschuldigten mit im Haus gewohnt haben. Der hätte ebenso die Möglichkeit gehabt, den Gaszähler zu manipulieren, wie es Zeugen schilderten. Der Lebensgefährte will sich laut eigener Aussage aber nicht an dem Zähler zu schaffen gemacht haben. 2003 zog er aus dem Haus aus.

Obwohl die Staatsanwaltschaft den bisher nicht vorbestraften Angeklagten für die Alkoholfahrt und für den Betrug zu einer Geldstrafe in Höhe von 2400 Euro (160 Tagessätze zu 15 Euro) und für die Einziehung der 43.000 Euro verurteilt sehen wollte, sprach Richter Janko Ehrlich den Beschuldigten im Betrugsfall frei. "Es gab einen geringen Gasverbrauch seit 2003", sagte der Richter. "2009 war ein Monteur da. Da zeigte der Zählerstand schon 2700 Kubikmeter an. Kurz darauf blieb der Gaszähler bei 2799 Kubikmetern stehen." Er verwies auf die Möglichkeit, dass der Zähler schon defekt eingebaut worden sein könnte. Außerdem hätten auch andere Personen die Gelegenheit gehabt, den Zähler zu manipulieren. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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