Bilanz: Nach Trockenheit droht bei Kühen Futtermangel

Durch die Dürre gab es bei der Getreideernte Einbußen bis zu 30 Prozent gegenüber den Vorjahren. Besonders schlimm sah es bei der Grasmahd aus - eigentlich eine Grundlage für die Versorgung der Rinder im Winter.

Hainichen.

Minus 17 Prozent bei Weizen, 6 Prozent weniger bei Wintergerste und Einbußen von 30 Prozent bei Raps im Vergleich zum fünfjährigen Durchschnitt - im Bereich des Regionalbauernverbandes Mittweidasindteils herbe Einbußen bei der Ernte zu beklagen. "Diese sind aber nicht so hoch, wie in den stärker von der Dürre betroffen Regionen in Nord- und Ostsachsen", sagt Geschäftsführer Peter Köhler. Die Kartoffelernte sei in den meisten Betrieben noch nicht komplett eingebracht. Abschließende Ergebnisse lägen deshalb bisher nicht vor. Es sei aber ebenfalls mit einem Ertragsrückgang von etwa 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr und annähernd 20 Prozent zum fünfjährigen Mittel zu rechnen.

"Doch die größten Auswirkungen der Dürre zeigen sich in unserer Region beim Grünfutter. Die meisten Betriebe haben nur die Hälfte der sonst üblichen Mengen geerntet", so Köhler. Der Bauernverband habe deshalb eine Futtermittelbörse eingerichtet. Allerdings gebe es nur wenige Betriebe, die Futtermittel abgeben können. Es bestehe aber Hoffnung, noch einen Schnitt Grünfutter einzufahren. "Danach können die Betriebe kalkulieren, wie lange die Futtervorräte reichen", so Köhler. Dass in der Region bereits Tiere aus Futternot geschlachtet wurden, sei ihm nicht bekannt. Es wird laut Verband allerdings zu Bestandsreduzierungen auf Höfen kommen, die nicht genug Futter haben.

Nicht so heftig fielen die Einbußen in höheren Lagen aus. Wie Werner Bergelt, Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes Erzgebirge, mitteilt, lagen sie bei Getreide im Vergleich zu den vergangenen Jahren bei 10, beim Raps bei 15 Prozent minus. Kopfzerbrechen bereitet auch im Erzgebirge Futter wie Gras, Klee oder Luzerne. Wie eine Umfrage unter Betrieben beweist, stehen die Landwirte vor ähnlichen Herausforderungen.

Hainichen: Nach dem Beginn Ende Juni ist die Getreideernte und die Ernte von Silomais bei der Agrargenossenschaft Hainichen-Pappendorf beendet. Kommende Woche werden nach Angaben von Vorstandschef Silvio Hainich die Zuckerrüben gerodet. Die Erträge lägen 15 Prozent unter dem Durchschnitt der letzten drei Jahre, bei Ackerbohnen sei 50 Prozent Verlust zu beklagen, bei Silomais 30 Prozent. Für die Grundfutterversorgung werden Weidelgräser sowie Kleegras angebaut. Es habe Einbußen bis zu 50 Prozent gegeben. Um Futterknappheit zu entgehen, seien Mais und Rübenschnitzel gekauft worden. "Und es wird Getreide in der Fütterung eingesetzt, das für den Verkauf vorgesehen war", so Hainich. Aus jetziger Sicht müssten keine Tiere - 1250 Kühe sowie 1300 Kälber und Jungrinder sind im Bestand - geschlachtet werden.

Rochlitz: Bei der Agraset Agrargenossenschaft Naundorf bei Rochlitz sind nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Jan Gumpert zwischen 20 und 30 Prozent weniger Getreide geerntet worden als im Schnitt der Vorjahre. Derzeit geerntet würden noch Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben. Bei den Kartoffeln rechnet Gumpert mit Einbußen von rund 50 Prozent, die Qualität bezeichnet er als brauchbar. Größtes Problem sei die Grasmahd. Statt drei kompletten Ernten konnte nur eine eingefahren werden. Dennoch werde man den Bedarf der rund 1000 Kühe und 1000 Jungtiere abdecken können - durch den Rückgriff auf Reserven.

Bobritzsch-Hilbersdorf: Rund 30 Prozent Einbußen bei der Getreideernte musste die Agrargenossenschaft "Bobritzschtal" in Bobritzsch-Hilbersdorf verkraften. "Es ist eine prekäre Lage, da wir in den letzten Jahren keine großen Reserven bilden konnten", sagt Vorstandschef Lars Furkert. Beim Gras sei der Ausfall mit 75 Prozent dramatisch. Es sei nur eine richtige Ernte eingefahren worden. Man habe auch Klee angebaut. "Davon ist nichts gekommen." Beim Mais wurden 50 Prozent weniger eingefahren als in den Vorjahren. Das führe zu einer extremen Futterknappheit bei den Kühen. Man habe Konsequenzen gezogen und Tiere eher zum Schlachten gebracht. Eine Selektion finde jedes Jahr statt. Die Kriterien - Knochenbau, Gelenk- und Euter-Zustand sowie Milchmenge - seien in diesem Jahr strenger ausgelegt worden.

Memmendorf: Bei der Agrargenossenschaft Memmendorf sind die Einbußen bei der Getreideernte laut Vorstandschef Maxim Steinhardt mit rund 20 Prozent so hoch wie erwartet. Hervorstechend sei der Ertrag bei der Ackerbohne, die als Viehfutter dient, gewesen. Dort habe man fast einen Totalverlust verbuchen müssen. Mais indes sei ausreichend vorhanden. Die Milchkühe - rund 850 zuzüglich der Jungrinder - wolle man alle behalten. Mastrinder würden jedoch eher verkauft.

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