Blitzer soll doch noch teure Fotos liefern

Ortsfremden jagt die graue Säule in Greifendorf einen Schrecken ein, für Einheimische ist es eine Lachnummer. Die Anlage ist immer noch nicht scharf geschaltet. Das soll sich nun im neuen Jahr ändern.

Greifendorf.

Über den Blitzer, der nicht blitzt, lacht schon halb Mittelsachsen. Geht es um die vor mehr als einem Jahr aufgebaute Tempomess-Anlage an der Bundesstraße 169 im Ortsteil Greifendorf, nimmt der Rossauer Bürgermeister Dietmar Gottwald schon lange kein Blatt mehr vor den Mund und umreißt in einem Satz die für die Kreisverwaltung peinlichen Folge einer Fehlplanung. Denn vor fast einem Jahr schon hat das Eichamt Zwickau der mittelsächsischen Verwaltung bescheinigt, dass das ursprünglich hier geplante Radar-Messverfahren an der vorgesehenen Stelle im Tempo-30-Abschnitt vor dem Restaurant "Schmiedelandhaus" ungeeignet ist.

Nun will die Kreisverwaltung im neuen Jahr einen neuen Anlauf für den Betrieb der Anlage nehmen. Das kündigte Kreissprecher André Kaiser auf Nachfrage der "Freien Presse" an. "Die Neuausschreibung soll durch den Landkreis Mittelsachsen in der ersten Jahreshälfte 2019 erfolgen", so Kaiser. Am Standort der festen Geschwindigkeitsmessanlage in Greifendorf, die bereits im Oktober 2017 aufgebaut worden ist, werde festgehalten. Ob die vorhandene Hülle des Blitzers auch von einer anderen Firma verwendet werden kann, muss laut Kaiser aber noch geklärt werden. Als Alternative zum früher verfolgten Radar-Messverfahren könne zum Beispiel ein Laser-Messverfahren zum Einsatz kommen, so die jüngste Prognose der Kreisverwaltung. Mitarbeiter des Eichamtes Zwickau waren nach ihrer Prüfung davon ausgegangen, dass das Gerät an einen anderen Standort versetzt oder die Messmethode geändert werden müsse.

Die Kreisverwaltung nannte aber auch noch keinen Termin, bis zu dem der Blitzer in Betrieb gehen soll. Zwar lässt er sich so weiter Einnahmen aus Bußgeldern entgehen, müsse aber auch keine eigenen Investitionen tragen. Denn für den Greifendorfer Standort war ein sogenanntes Betreibermodell vereinbart worden. Demnach übernimmt eine private Firma die Kosten für den Aufbau und den Betrieb der Anlage, erhält im Gegenzug einen Anteil der Einnahmen. Unterdessen hatte der Landkreis im Juni 2018 im Hainichener Ortsteil Schlegel quasi als Ersatz für Greifendorf einen Blitzer mit zwei Säulen aufbauen lassen.

Für den Rossauer Bürgermeister Gottwald ist das aber kein Ausgleich. Denn Einwohner von Greifendorf fordern weiter den Blitzer in der Ortschaft, um den Durchgangsverkehr auf der Verbindung zwischen den Autobahnen 4 und 14 (Hainichen-Döbeln) zu bremsen und so die Verkehrssicherheit an der ehemals als Sachsens gefährlichsten Schulweg geltenden Trasse zu erhöhen. Viele Autofahrer hätten mitbekommen, dass der Blitzer nicht aktiv ist. "Die Gefahrensituation muss entschärft werden", fordert Dietmar Gottwald. Darauf habe er im Gespräch mit Mittelsachsens Landrat Matthias Damm gepocht.

Die Kreis-Bußgeldstelle hat im vorigen Jahr bis Ende November fast 53.100 Anzeigen zu Verkehrsordnungswidrigkeiten bearbeitet. Mit rund 83 Prozent aller Anzeigen galt 2018 zu schnelles Fahren als häufigste Ordnungswidrigkeit. Im Jahr zuvor traf das auf etwa 70 Prozent aller eingehenden Anzeigen zu. Insgesamt wurden 2018 etwa 44.000 Geschwindigkeitsverstöße festgestellt, 2017 waren es rund 24.000.

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