Bockendorfs Neuer

Seit Anfang des Monats ist Sebastian Schirmer Pfarrer auf dem Land. Für den gelernten Stadtmenschen bedeutet das schon eine Umstellung, räumt er ein. Und versichert gleichzeitig: "Ich freu' mich drauf."

Bockendorf.

In die Bockendorfer Kirche passen gut 500 Menschen, schätzt Sebastian Schirmer. "Wie sollen wir die jemals vollkriegen", fragte er sich also, als er zum ersten Mal im imposanten Gebäude stand. Bockendorf selbst, sagte er sich, hat ja nur an die 250 Einwohner. Als er dann am 3. März wieder in eben jene Kirche kam, kam er aus dem Staunen nicht mehr heraus: "Es war ja ein Fest." Um die 400 Gottesdienstbesucher zu seiner Amtseinführung zeigten, dass die Kirche Bockendorf jedenfalls nicht immer überdimensioniert ist.

Sebastian Schirmer, 34, ist neuer Pfarrer in Bockendorf. Er folgt auf Thomas Hübner, dem die Schwesterkirchgemeinden Pappendorf und Bockendorf-Langenstriegis 2018 die Zusammenarbeit aufgekündigt hatten. Schirmer beendete im Februar mit dem Vikariat den praktischen Teil der Ausbildung, auf dem üblichen Weg zum Pfarrersberuf folgt nun der dreijährige Probedienst. Wo, entscheidet das Landeskirchenamt. Im Oktober hörte Schirmer, wohin seine Reise als nächstes gehen sollte. "Hainichen war mir ein Begriff", sagt er. "Von Bockendorf hatte ich bis dahin noch nie gehört."

Also setzte er sich ins Auto und machte sich auf den Weg. Was er sah, gefiel ihm gut. Neun Dörfer bilden die Schwesterkirchgemeinden mit den drei Gotteshäusern in Pappendorf, Langenstriegis und eben Bockendorf. "Wenn man durch die Weite der Felder fährt", sagt er, "hinterlässt die Landschaft einen sehr angenehmen Eindruck."

Noch besseren Eindruck hinterließen die Menschen, die er bisher kennenlernte. "Die ersten Begegnungen waren sehr herzlich, da waren sehr nette Kaffeestunden dabei." Dabei ist Schirmer, der aus Zwickau stammt, das Leben auf dem Land zuletzt nicht allzu vertraut gewesen. Sein Theologie-Studium führte ihn nach Marburg, Zürich und Leipzig, in letzterer Stadt begann er auch, seine Doktorarbeit zu schreiben. "Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich ein von der Stadt verwöhnter Mensch bin", sagt er. "Es ist also schon eine Umstellung für mich - aber ich freu' mich drauf."

So hat er etwa seine Fühler ausgestreckt zu den Fußballern, die sich immer montags treffen, und dass der Fußballplatz in Bockendorf nicht Fußballplatz heißt, sondern Walter-Glöckner-Stadion, ist ihm längst geläufig. Die ersten Abendmahlfeiern standen bereits an, im April folgt nun schon die erste Taufe, regelmäßig gestaltet Sebastian Schirmer zwei Gottesdienste pro Woche, dazu den Konfirmandenunterricht. Der Reiz am Pfarrerdasein für ihn: "Dass man jemand ist, der Zeit hat, Menschen bei den schönen Höhe- und traurigen Tiefpunkten des Lebens zur Seite zu stehen. Beruf und Berufung lässt sich da nicht immer voneinander abgrenzen."

Dabei hat er sich relativ spät für den Pfarrerberuf entschieden, sagt er, als er nämlich parallel zur Doktorarbeit in Leipzig begann, in der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit mitzuhelfen, und dort auf einen Pfarrer namens Karl Albani traf, der ihm ein Mentor wurde. "Er hat mir aufgezeigt, wie ein Pfarramt sein, wie man es ausfüllen kann." Um selbst Kraft zu schöpfen, dafür hat er Rituale entwickelt, so fährt Sebastian Schirmer mit dem Auto raus, geht wandern. "Da bin ich dann mit meinem Gott alleine." Die schönsten Kraftpunkte aber, sagt er, findet er im alltäglichen Miteinander, in der Nächstenliebe der Menschen.

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