Brautschau mit Hindernissen

Die Theatergruppe aus Grünlichtenberg hat in Moosheim das Publikum begeistert. Und dabei gezeigt: Partnersuche ist heute nicht so einfach.

Moosheim.

Eine lachmuskelstrapazierende Veranstaltung hat die Theatergruppe Grünlichtenberg in Moosheim geboten. Die Kulturscheune am Nonnenwald war am Samstag und Sonntag Schauplatz einer familiären Kuppelshow. Dort, wo einst Kälbchen umsorgt wurden, inszenierte die Theatergruppe ein Castingspektakel. Unter dem Titel "Brautschau im Internet" machte sich die 16-köpfige Einsame-Herzen-Vermittlungstruppe daran, dem verwöhnten und in Liebesdingen zurückgebliebenen Muttersöhnchen Georg der gastgebenden Familie Schmidt eine geeignete Lebensgefährtin zu suchen. Das 90-minütige Theaterstück nahm dabei die Vor- und Nachteile der Partnersuche bei digitalen Singlebörsen aufs Korn.

So mancher in der überwiegend reiferen Publikumsschar dürfte angesichts des Geschehens erleichtert festgestellt haben, schon längst unter der Haube zu sein. Denn nicht nur demografische Gegebenheiten lassen junge Frauen auf dem Lande rarer werden. Lernte man früher seine bessere Hälfte beim Dorftanz oder in der Arbeitsbrigade kennen, besteht im Zeitalter der virtuellen Welt mangels geeigneter sozialer Kontakte die Gefahr, den Anschluss an das andere Geschlecht zu verpassen.

Genau diese Sorge ruft in dem gebotenen Theaterstück Georgs Mutter Lina Schmidt (Elke Schlieder) und deren Nachbarin Theres Krauser (Elke Auerbach) auf den Plan. Dem jungen, allein kulinarische Bedürfnisse hegenden Burschen (Martin Lange) gilt es, auf die Sprünge zu helfen. So folgt in drei Akten eine Brautsuche.

Theaterzeit in Moosheim, das ist mehr als eine Aufführung. Einmal im Jahr wird das nachbarschaftliche Miteinander im Ort gepflegt. Die von Anja und Jens Ulbricht betriebene Kulturscheune wird dann zum kulturellen Treffpunkt. "Seit 1999 nutzen wir den früheren Stall als Veranstaltungsort, sind also in der 20. Saison. In unserem Ortsteil sind kulturelle Höhepunkte mangels Veranstaltungsobjekten eher rar. Unter diesem Aspekt hatten wir seinerzeit auch beschlossen, das frühere Landwirtschaftsgebäude unseres Hofes umzunutzen", so Anja Ulbricht.

"Moosheim ist längst eine angestammte Spielstätte auf unserer Tour durch vier, fünf Städte und Gemeinden der Region. Binnen kurzer Zeit waren die zwei Veranstaltungen ausverkauft", freute sich Klaus Tast, einer der Grünlichtenberger Schauspieler der ersten Stunde. "Schon mit Ablauf der zurückliegenden Spielserie habe ich mich mit diesem Stück beschäftigt und unserer Spielauffassung angepasst. Es galt, einige Passagen noch knackiger darzustellen oder etwa die Rolle einer blonden drallen Dame dazuzuschreiben", so der 79-Jährige, der erneut die dramaturgische Aufarbeitung des Textbuches inne hatte.

In Moosheim indes macht sich bereits jetzt Vorfreude auf das Stück der Grünlichtenberger im kommenden Jahr breit. Was sie dann auf die Bühne bringen werden, bleibt allerdings noch geheim.

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