Breitband-Versorger im Wettstreit um Internet-Ausbau

Envia Tel investiert in Glasfasernetz in Gewerbegebieten - Telekom modernisiert Netz in Burgstädt und Claußnitz

Lichtenau/Mühlau/Hartmannsdorf.

Rund 7,2 Kilometer Glasfaserleitungen hat ein Breitband-Versorger in vier Gewerbegebieten verlegt. Damit soll schnelles Internet möglich sein. Trotzdem wird es noch weiße Flecken in der Region geben. "Freie Presse" beantwortet die wichtigsten Fragen.

Ein Beratungsmobil informiert heute über den Breitbandausbau in den Gewerbegebieten Oli-Park, Ottendorf-Süd, Hartmannsdorf und Mühlau. Was ist dort geplant?

Wie Breitband-Versorger Envia Tel informiert, sind in diesen vier Gewerbegebieten bereits 7,2 Kilometer Glasfaserleitungen verlegt worden. Ottendorf-Süd und das Gebiet an der Burgstädter Straße in Hartmannsdorf wurden bereits 2016 erschlossen. Der Standort Mühlau 2017 und der Oli-Park in Lichtenau dieses Jahr.

Wie hoch ist die Übertragungsgeschwindigkeit dort?

Laut Envia-Tel-Geschäftsführer Stephan Drescher beträgt die derzeitige Übertragungsgeschwindigkeit bis zu zehn Gigabit pro Sekunde. Perspektivisch seien mit der vorhandenen Glasfaser-Infrastruktur auch höhere Bandbreiten möglich.

Warum wurde der Breitbandausbau gerade in diesen Gewerbegebieten vorgenommen?

Envia Tel hat sich auf den Breitbandausbau durch Glasfaserkabel in Industrie- und Gewerbegebieten spezialisiert. Bisher wurden 5500 Kilometer Glasfaser in 230 Gebieten verlegt. Wenn es sich wirtschaftlich lohnt, wird der Ausbau veranlasst. Nach diesem Grundsatz handelt nicht nur Envia Tel, sondern auch andere Anbieter wie die Telekom. Die jeweiligen Kosten und Potenziale werden vor dem Ausbau analysiert.

Wer bezahlt den Ausbau?

Der Versorger baut das Netz ohne Unterstützung durch Fördergeld aus. Laut Envia Tel wurden in den vier Gewerbegebieten 185.000 Euro investiert. Die Unternehmen bezahlen nichts. Auch gibt es keine staatliche Förderung. Im Infomobil wird über den Glasfaseranschluss informiert. Die Anschlussgebühr beträgt 499 Euro, der monatliche Grundpreis beginnt bei 149 Euro.

Kümmern sich Versorger auch um entlegene Orte, die wirtschaftlich nicht so lukrativ sind?

Envia Tel sagt: "Als Tochterunternehmen der Envia-M sind wir sowohl der Region, als auch unseren kommunalen Anteilseignern verpflichtet." Deshalb werden auch entlegenere Gebiete wie Gornau oder Pfaffenhain erschlossen. Telekom-Pressesprecherin Stefanie Halle sagt: "Wo es wirtschaftlich machbar ist, bieten wir Glasfaserleitungen bis zu jedem Haus an." In Gebieten, wo die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben sei, werde Glasfaser von der Vermittlungsstelle bis zum Verteilerkasten (Glasfaser bis zum Bordstein/Fibre to the Curb/FTTC) verlegt oder Mobilfunk angeboten. Andere Anbieter haben ähnliche Konzepte.

Die Telekom erneuert zurzeit das Netz Burgstädt und Claußnitz. Werden Glasfaserkabel verlegt?

Nein. In Burgstädt werden 35 Kilometer Kupferkabel verlegt. Bisher sind laut Telekom 19 Verteilerkästen neu aufgestellt worden. In den kommenden Wochen werden weitere neun Stück aufgebaut. Im ersten Quartal 2019 soll schnelles Internet anliegen. Die Telekom erweitert ihr Netz über FTTC in den Ortsteilen Helsdorf, Heiersdorf, Mohsdorf, Burkersdorf, dem nördlichen Teil von Burgstädt sowie in der Innenstadt. Das neue Netz soll so leistungsstark sein, dass Telefonieren, Surfen im Internet und Fernsehen gleichzeitig möglich sind, erläutert ein Telekom-Sprecher. Das maximale Tempo beim Herunterladen steige auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde (MBit/s) und beim Hochladen auf bis zu 40 MBit/s. In Claußnitz werden bis zum Jahresende acht Verteilerkästen neu aufgestellt.

Warum werden in Burgstädt und Claußnitz keine Glasfaserkabel verlegt? Damit wären doch höhere Übertragungsgeschwindigkeiten möglich.

Das hat wirtschaftliche Gründe, sagt Telekomsprecherin Halle. Mit FTTC könnten mehr Kunden mit schnellen Anschlüssen versorgt werden. Die letzte Strecke zum Kunden werde via Vectoring schneller gemacht.

Wie können die weißen Flecken beim Breitband-Ausbau in der Region verschwinden?

Schnelles Internet ist noch nicht überall angekommen. Innerhalb der weißen Flecken erhalten die Einwohner kein DSL und müssen sich noch immer per Modem oder ISDN ins Internet einwählen. Diese Schmalbandverbindungen gibt es in ländlichen Regionen und vernachlässigten Stadtgebieten. Dazu ist eine Breitband-Initiative gestartet worden. Kommunen erhalten von Bund und Land Fördergeld, um den Breitbandausbau voranzutreiben. Geplant ist in Sachsen, dass Kommunen den Eigenanteil erlassen bekommen. Einige Orte wie Limbach-Oberfrohna, Augustusburg, Amtsberg und Lichtenau haben bereits eigenverantwortlich begonnen. Telekom und Envia wollen sich generell am Ausbau beteiligen.

Augustusburg geht eigene Wege und nimmt den Ausbau allein in die Hand. Funktioniert das?

Bürgermeister Dirk Neubau ist davon überzeugt. Geplant ist der Aufbau einer Bürgernetzgesellschaft, die gemeinnützig betrieben wird. Envia Tel hat ein Glasfasernetz in der Nähe von Augustusburg und unterstützt die Stadt bei der Errichtung der Breitband-Anbindung des lokalen TV-Kabelnetzes und liefert Internetzugänge und Telefonielösungen, sagt Chef Stephan Drescher.

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