Büroausstatter ist nicht mehr zu retten

Für die Firma Digro in Altmittweida hat sich kein Investor gefunden. Auch aus eigener Kraft kam der Betrieb nicht wieder auf die Beine. Was mit der Halle wird, ist unklar.

Altmittweida.

Der pleite gegangene Bürogroßausstatter Digro hinterlässt eine Lücke im Altmittweidaer Gewerbegebiet. Weder der ehrenamtliche Bürgermeister Jens-Uwe Miether (parteilos) noch die Stadtverwaltung in Mittweida konnten bisher auf Nachfragen der "Freien Presse" Auskunft geben, wie es mit dem Standort weitergeht. "Der Mietvertrag wurde beendet, das Areal Ende Januar geräumt", sagte Ingo Schorlemmer, Sprecher der vom Amtsgericht mit der Insolvenzverwaltung beauftragten Kanzlei Schultze & Braun in Chemnitz.

Knapp ein Jahr nachdem Digro Insolvenzantrag gestellt hatte, seien derzeit nur noch Mitarbeiter der bundesweit tätigen Rechtsanwaltsgesellschaft für Insolvenzverwaltung mit der Abwicklung beschäftigt, erklärte Schorlemmer. Eine Rettung des Unternehmens oder von Teilen davon war nach seinen Angaben nicht möglich. Zwar habe es kurze Zeit nach Eröffnung des Verfahrens Gespräche des vorläufigen Insolvenzverwalters, Rechtsanwalt Rüdiger Bauch, mit einem Investor gegeben, der Interesse an einer Übernahme bekundet hatte. Doch dieser habe sich schließlich wieder zurückgezogen. Weitere Interessenten habe es nicht gegeben.

Ein Grund dafür war laut Schorlemmer, dass ein Großteil der Mitarbeiter den Betrieb kurz nach der Insolvenz verlassen hatte. Geblieben sei nur ein kleines Team, das bis September 2017 bei der Abwicklung half, sagte er. Der Geschäftsbetrieb konnte mit ihnen jedoch nicht weitergeführt werden. Zu der Kündigungswelle nach einer Betriebsversammlung Ende Juli 2017 war es nach seinen Angaben allerdings aus verständlichem Grund gekommen. "Der Betrieb arbeitete zu diesem Zeitpunkt noch nach einem Plan aufgrund einer vorangegangen Insolvenz. Dieser Insolvenzplan war noch nicht vollständig erfüllt", so Schorlemmer. "47 der 53 Arbeitnehmer hatten deshalb nicht noch einmal Anspruch auf Insolvenzgeld. Sie konnten deshalb weder auf Lohn- und Gehaltszahlungen vom Betrieb noch auf Geld von der Agentur für Arbeit hoffen." Der Insolvenzverwalter habe für die Belegschaft lediglich noch für einen kurzen Zeitraum Kurzarbeitsgeld bewirken können. Danach konnte niemand mehr von den Mitarbeitern verlangen, dass sie weiter für das Unternehmen arbeiten.

Die Digro-Geschäftsführung wiederum war laut Schorlemmer mit den Bemühungen, den Betrieb nach der vorangegangen Insolvenz wieder auf die Beine zu bringen, gescheitert, weil eine neue Software im Warenwirtschaftssystem versagt hatte. Dokumentation, Auftragsbearbeitung, Lagerhaltung und Warenbestellung hätten effizienter werden sollen, doch in der Praxis sei das Gegenteil eingetreten.

Bei der Abwicklung jetzt geht es lediglich noch darum, vorhandene Betriebsmittel möglichst gewinnbringend zu veräußern, erklärt Schorlemmer. Unter anderem sei dabei auch ein Grundstück in der Schulstraße in Ottendorf verkauft worden, auf dem sich ein Digro-Außenlager befand. Für die Kommunen bedeute die Aufgabe eines mittelständischen Unternehmens stets einen Verlust, so Bürgermeister Miether. Zum einen entgingen dem Ort Steuereinnahmen. Zusätzlich drohe ein Leerstand ehemaliger Betriebsstätten, denn Lücken seien oft nur schwer zu füllen. "Wir bekommen Anfragen nach Gewerbeflächen, doch meist werden riesige Areale gesucht. Vorzugsweise sollen sie schon erschlossen und mit ausgebauten Bürotrakten ausgestattet sein", berichtete er. Das könnten die kleinen Orte im Umkreis nicht bieten.

Das Unternehmen Digro in Altmittweida ist nach Angaben aus der ehemaligen Firma 1990 gegründet worden. Der Familienbetrieb sei aus einem im Jahr 1932 als Papiergroßhandel gegründeten Betrieb hervorgegangen.

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