Burgstädter Band probt fürs Comeback

Die in den 1960er-Jahren gegründete Tanzformation Legato hatte sich aufgelöst. Jetzt soll es einen Neuanfang geben - trotz einiger Probleme.

Burgstädt.

Irgendwann im Frühjahr 2015 war die Idee beim Musikerstammtisch im "Erbgericht" in Burgstädt geboren worden. Dort quatschten Gastwirt Joachim Unger und ehemalige Musiker über alte Zeiten mit tollen Konzerten, vielen Fans und guter Musik. "Wir müssten wieder mal was aufziehen", sagte der heute 61-Jährige.

Er selbst hatte 2012 mit der ehemaligen Schülerband Ickss ein Comeback gestartet. Doch irgendwie sei der Wurm drin gewesen. Die Gruppe wurde aufgelöst - nicht zum ersten Mal. Und so nahm die Idee von der Wiederbelebung der Gruppe Legato Gestalt an. Schlagzeuger Christian Römer war begeistert von der Vorstellung, sich im Rentenalter wieder auf die Bühne zu trauen. Der 68-Jährige erinnerte sich an seine Sturm- und Drangzeit und daran, dass er in den 1960er-Jahren beim Jugendtanzorchester Legato, dem Betriebsorchester des damaligen Volkseigenen Betriebes Textima, seine ersten musikalischen Schritte unternahm. Damals sei nach den Worten von Walter Ulbricht, der das "Yeah, Yeah, Yeah" der westlichen Bands verbannen wollte, im Auftrag der Partei Jugendtanzorchester gegründet worden. Meistens seien populäre Hits von bekannten DDR-Gruppen wie den Puhdys, Sänger Achim Mentzel und anderen nachgespielt worden. Aber auch einige eigene Titel entstanden. "Das war eine herrliche Zeit", sagt Christian Römer. Allwöchentlich gab Legato Konzerte in den Sälen der näheren und weiteren Umgebung.

Bauchschmerzen habe nur die im Osten Deutschlands geltende 60/40-Regel bereitet. Nur vier von zehn gespielten Titeln "durften der Feder des damaligen Klassenfeindes entsprungen sein", ergänzt Unger. "Also vier Titel aus dem westlichen Ausland und sechs Titel von DDR-Künstlern." Glücklicherweise habe das damalige SED-Regime diese Vorgabe nicht wirksam überwacht, sodass nur wenige Titel der "staatlich kontrollierten und linientreuen Kunstschaffenden" gespielt wurden.

"Wer einmal Musik gespielt hat, verlernt es nicht", sagt Unger. Bereits nach der Wende habe es einen Neuanfang von Legato gegeben. Denn einige Bandmitglieder hätten gemerkt, dass ein Leben ohne Musik nur halb so schön ist, ergänzt er. 1999 trat die Band erstmals wieder auf, vor großem Publikum zum Burgstädter Altstadtfest im Rathaushof. "Die Fans hatten Legato nicht vergessen", ergänzt Christian Römer. Gespielt wurde in der Region in den bekannten Sälen wie im "Roten Hirsch" in Claußnitz, im "Ritterhof" Altmittweida und im Gasthof Köthensdorf.

Neben Christian Römer gehört Rolf Römer - beide sind nicht verwandt - zum Urgestein von Legato. Der Keyboarder tritt auch als Sänger und Gitarrist auf. Alle anderen Mitbegründer sind nicht mehr musikalisch aktiv oder bereits gestorben. Mit dem Alter hatte sich bei dem einen oder anderen ein Zipperlein eingestellt. "Das ist vergessen", sagt Christian Römer. Vor einigen Jahren hatte der heute 68-Jährige einen Schlaganfall. "Ich dachte nicht, dass ich die Knüppel wieder fest in den Händen halten kann", sagt der Schlagzeuger. Die Musik sei Therapie für ihn gewesen. Begeistert vom Neuanfang ist ebenso Rolf Römer, der gesundheitlich auch einige Probleme hatte. "Das Hören lässt nach, eine Musikerkrankheit", sagt der 68-Jährige. Aber mit ein Paar Geräten könne er jetzt mehr verstehen und auch die hohen Töne hören. Das Quintett verstärken am Keyboard Joachim Unger, Sänger und Bassist Tony Kuot (29) sowie Gitarrist Ingo Schönfeld (55). Kuot hatte bei seinem Bruder Mattias Kuot und im Radiosender DJ Locke in Limbach-Oberfrohna mitgemischt. Schönfeld war bisher mit Oldies und Schlagern in einem Duo unterwegs. Der Burgstädter Schönfeld, genannt Fiffi, hatte ebenso in einer Schülerband angefangen.

Jeden Dienstag wird seit der Idee vom Legato-Comeback im "Erbgericht" geprobt. Beim ersten Auftritt am 15. Oktober ab 20 Uhr in der Gaststätte sind im Programm etwa 50 Titel. "Wir spielen fünf Stunden, mit Pausen", sagt Unger. Dabei habe er Ohrwürmer wie "Born To Be Wild" von Steppenwolf ebenso im Repertoire wie "Kling, klang" von Keimzeit und "Rockin' All Over The World" von Status Quo.

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