Café in Wolkenburg droht Schließung

Erst vor gut einem Jahr eröffnete der Betreiber. Nun sucht er einen Nachfolger. Falls sich niemand findet, könnte bald Schluss sein. Mit zu wenigen Gästen hat das aber nichts zu tun.

Niederwiesa/Wolkenburg.

Glaubt man den Bewertungen bei Google, so scheint es über das Café Stefan in Wolkenburg keine zwei Meinungen zu geben. "Das Angebot an leckeren Torten, Kuchen und Eis ist groß. Man bekommt auch einen sehr guten Kaffee serviert", schreibt ein Nutzer. Ein anderer Gast stellt fest, dass der Inhaber sehr nett sei. Und eine weitere Kommentatorin ergänzt, dass das Café mit interessanten Möbeln und einer individuellen Wanddekoration punkten könne.

Die Rezensionen decken sich mit den Einschätzungen von Inhaber Kay Thiele. "Ich habe viele Stammkunden. Darunter sind auch Chemnitzer", sagt der 53-Jährige, der das Café in den Räumen des früheren Trödelcafés gegenüber vom Markt vor gut einem Jahr eröffnet hat. Die Gäste schätzten nicht nur den selbstgebackenen Kuchen und den Kaffee, sondern die vertraute Atmosphäre im Innenbereich mit bis zu 28 Sitzplätzen. "Einige Kunden haben Kuchenrezepte mitgebracht, die ich dann nachgebacken habe", berichtet Thiele. Zu seinen Gästen gehörten auch Schüler, die sich nachmittags ein Eis gönnten.

Die Frage, ob ein kleiner Ort wie Wolkenburg überhaupt zwei Cafés verträgt - das seit Jahren etablierte Brückencafé befindet sich in Sichtweite -, scheint damit beantwortet. "Wirtschaftlich stimmt alles." Zwar habe er jene 30.000 Euro, die er in die Einrichtung des Cafés investiert habe, noch nicht wieder erwirtschaftet. Aber er sei auf einem guten Weg. "Ich musste sogar eine Mitarbeiterin einstellen, weil ich es allein sonst vor allem an den Wochenenden nicht mehr geschafft hätte", sagt der Niederwiesaer, der seinen Kunden und Unterstützern dankbar ist.

Doch nun könnte die Erfolgsgeschichte ein Ende nehmen. Thiele sucht per Inserat auf Facebook einen Nachfolger als Betreiber. Aus familiären Gründen müsse er andere Prioritäten setzen und könne nicht weiter als Gastronom arbeiten. Daher habe er die Mitarbeiterin wieder entlassen. Der gelernte Metallbearbeiter, der gut 20 Jahre lang als Hausmeister in einem Kindergarten tätig war, hatte sich mit der Eröffnung des Cafés einen Traum erfüllt und viel Energie in die Einrichtung gesteckt. So funktionierte er Keramik-Kaffeefilter zu Lampenschirmen um. An den Wänden hängen bedruckte Leinensäcke, die einst zum Transport von Kaffeebohnen dienten.

Die Einrichtung würde Thiele gerne einem Nachfolger verkaufen. "Er könnte auch meine Stammkunden übernehmen", sagt der Kaffeeliebhaber. Bei der Suche nach einem neuen Betreiber ist Eile geboten. Thiele will sich in dieser Woche zurückziehen. Zwar hält er eine vorübergehende Schließung für möglich. Bis zum Jahresende müsse aber eine Lösung her, falls das Café weiterhin existieren soll. "Es haben sich zwar einige Interessenten gemeldet, doch nichts davon ist spruchreif geworden", bedauert Thiele.

Auch das Personal im Brückencafé ist mit der Entwicklung unglücklich. Die beiden Cafés hätten sich nicht als Konkurrenz verstanden, betont Mitarbeiterin Ilona Ebert. "Wir haben ein gutes Miteinander und uns bei den Öffnungszeiten ergänzt", sagt sie. Im Zuge der Eröffnung des Cafés Stefan seien die Gästezahlen im Brückencafé nicht gesunken. "Am Wochenende müssen wir oft Leute wegschicken", konstatiert Ebert. Daher sei ein weiterer Anlaufpunkt in Wolkenburg wünschenswert. Das Café Stefan zu übernehmen, kommt für die Macher des Brückencafés, das zur Landbäckerei Dietze gehört, aber nicht infrage. Ebert: "Zwei Cafés wären für uns eine Nummer zu groß."

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