CDU-Stadtrat greift nach dem Bürgermeister-Amt

Joachim Fänder will Stadtoberhaupt in Hainichen werden. Kurz vor der Wahl hat ihn die "Freie Presse" zuhause besucht.

Hainichen.

Einladend sieht es aus, das von Pflanzen umspielte Holzhaus, in dem Joachim Fänder mit seiner Frau Silke und den beiden jüngsten Kindern lebt. Doch auf der Terrasse der blau gestrichenen Doppelhaushälfte ist Schluss - die Presse muss draußen bleiben. Das Haus solle sein Rückzugsort bleiben, erklärt Fänder, der sich kommende Woche in Hainichen zur Bürgermeisterwahl stellt: "Die Kandidatur ist meine Sache, nicht die meiner Familie. Es ist mir sehr wichtig, dass sie dabei so gut es geht außen vor bleibt."

Das Wohnhaus befindet auf dem Grundstück des Vereins Jugend mit einer Mission (JMEM) Hainichen, dessen Leiter Fänder 18 Jahre lang war. Vor rund einem halben Jahr gab der 47-Jährige den Posten ab. Nun kümmert er sich als Vorstandsmitglied um einzelne Projekte und Verwaltungsaufgaben. "Ich wäre also frei für die Aufgaben des Bürgermeisters", sagt er. Nachbarn und Vereinsmitglieder sähen seine Kandidatur mit Wohlwollen. "Aber das ist kein Projekt des JMEM, das machen wir als CDU-Ortsverband."

In dem fungiert Fänder bislang als Beisitzer, seit etwa dreieinhalb Jahren ist er Mitglied in der Partei. "Eine Gruppe, die politisch aktiv ist, sollte auch einen Bürgermeisterkandidaten stellen", sagt der einzige Herausforderer des amtierenden SPD-Bürgermeisters Dieter Greysinger. "Das sind wir den Leuten schuldig, die zur Wendezeit für Demokratie auf die Straßen gegangen sind."

Erst seit gut vier Jahren sitzt Fänder im Hainichener Stadtrat, kaum einer dort habe eine kürzere Amtszeit vorzuweisen als er. Die Chancen, den Amtsinhaber aus dieser Position heraus zu verdrängen, seien nicht die größten, weiß Fänder: "Den Bekanntheitsgrad hätte ich auch nicht aufgeholt, wenn ich ein halbes Jahr lang herumgetingelt wäre." Doch der Herausforderer sagt auch: "Wenn man zum Fußballspiel antritt, dann muss man gewinnen wollen." Sein Ziel für die Wahl: Mindestens 50 Prozent der Stimmen.

Nun gehe es darum, den Leuten zu zeigen, was er bereits erreicht hat: die Leitung des Vereins, den Aufbau des Kindergartens "Springbrunnen", zuletzt das Stadtrats-Projekt "Familienfreundliche Kommune". "Und wir haben hier in der Stadt unsere Kinder aufgezogen, uns als Eltern immer engagiert", betont Fänder. Vor Verantwortung habe er sich nie gedrückt, als sechsfacher Vater sei das nicht möglich. "An jede Verantwortung, die ich übernommen habe, bin ich als Lernender herangetreten", sagt Fänder.

Fänder wächst mit zwei Geschwistern in Falkenau bei Flöha auf. Kurz vor der Wende schließt er die zehnte Klasse an der Polytechnischen Oberschule ab, beginnt 1987 auf Wunsch seiner Mutter eine Ausbildung zum Steinmetz. Im Sommer 1989 beendet er die Lehre und verliebt sich etwa zur selben Zeit in seine jetzige Frau, mit der er seit nunmehr 26 Jahren verheiratet ist. Fänder arbeitet noch für kurze Zeit als Steinmetz, leistet dann seinen Zivildienst in einer Reha-Klinik für Alkoholkranke. Es folgen weitere Stationen in der sozialen Arbeit und ein zweimonatiger Aufenthalt in China. Im Jahr 1997 zieht die Familie schließlich nach Hainichen, wo sie bereits zuvor Kontakte zu JMEM geknüpft hatte. Dort kann man Fänder mit seiner handwerklichen Ausbildung beim Ausbau des Grundstücks gut gebrauchen.

Zur Vorbereitung auf den Wahlkampf und um eine Ahnung davon zu erhalten, was ihn im Amt erwartet, habe er mit CDU-Bürgermeistern aus anderen Orten gesprochen. Sollte er gewählt werden, will er außerdem Bürgermeister-Schulungen der Konrad-Adenauer-Stiftung besuchen: "Die Termine im Oktober und November habe ich schon in meinem Kalender stehen."

Ein Porträt des Amtsinhabers Dieter Greysinger (SPD) lesen Sie in den nächsten Tagen. Das Wahlforum der "Freien Presse" findet am 11. September, 18.30 Uhr, im Landgasthof Ottendorf, Nossener Straße 18 in Hainichen statt. Eintritt frei, Anmeldung nicht nötig. Welche Fragen haben Sie zur Wahl an die Kandidaten? Schreiben Sie uns an:

red.mittweida@freiepresse.de


Sieben Fragen an Joachim Fänder

1. Was ist Ihr Lieblingsplatz zuhause?

Mein Arbeitszimmer, das ist mein Rückzugsort. Dort schreibe ich unter anderem Tagebuch.

2. Was ist Ihr Lieblingsort in Hainichen?

Die Felder zwischen Berthelsdorf und Falkenau; außerdem der Weg vom Freibad in Richtung Schneiderhäuser.

3. Ihre Hobbys?

Radfahren, Wandern, Laufen, Lesen, Werkeln und Reisen.

4. Was bringt Sie auf die Palme?

Wenn Recht und Gesetz nicht eingehalten werden.

5. Welchen Lebenstraum haben Sie sich noch nicht erfüllt?

Den Segelschein zu machen.

6. Was macht einen guten Bürgermeister aus?

Wie gut er seine finanziellen und personellen Ressourcen einsetzt. Und dass er Verantwortung teilt, zuhört und kluge Entscheidungen trifft.

7. Was sollte ein guter Bürgermeister nicht tun?

Er sollte weder versuchen, es jedem Recht zu machen, noch jemanden bevorzugen. (lkb)

Bewertung des Artikels: Ø 1 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...