Chefin will Altschulden an den Kragen

Seit August hält Mandy Rudolf die Geschicke der Wohnungsbaugesellschaft Mittweida in der Hand. Die Hausbewohner will sie bei Entscheidungen mit einbeziehen.

Mittweida.

Noch hat sich im Büro an der Mühlstraße nahe der Stadtkirche wenig verändert. Lediglich zwei Holzfiguren und ein Bild ihrer 13-jährigen Tochter hat Mandy Rudolf bisher in die Geschäftsstelle der Mittweidaer Wohnungsbaugesellschaft (WBG) mitgenommen. "Das wird alles nach und nach", sagt die 43-Jährige. Seit gut einem Monat ist sie neue Geschäftsführerin des mit 1252 Wohnungen zweitgrößten Vermieters in der Stadt und kann sich vorstellen, das Amt längerfristig zu behalten.

"Ich bin ein stetiger Typ, das ist mein erster Arbeitswechsel überhaupt", erzählt Mandy Rudolf. Ihr beruflicher Werdegang sei eher geplant verlaufen. Zur Wendezeit feierte sie gerade Jugendweihe und absolvierte später an der neu gegründeten Berufsakademie Glauchau ein duales Studium der Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt mittelständische Wirtschaft. In der Firma, bei der sie die Praxis absolvierte, einem deutschlandweit agierenden Bau- und Immobilienunternehmen in Chemnitz, übernahm sie mit Anfang 20 eine leitende Funktion. "Als Unternehmen der Privatwirtschaft war die Arbeit mit vielen Reisen verbunden", erklärt Mandy Rudolf. Die WBG ist dagegen ein Tochterunternehmen der Stadt und beschränkt sich ausschließlich auf das Mittweidaer Stadtgebiet. Auch deshalb bewarb sich Rudolf auf die ausgeschriebene Stelle. Von ihrem Wohnort Oberlungwitz bei Hohenstein-Ernsthal benötige sie über die Autobahn lediglich eine halbe Stunde bis nach Mittweida. Dass sie sich in Mittweida noch nicht so gut auskennt, bewertet sie eher positiv: "Wenn man noch keine Berührung mit der Stadt hatte, sieht man manches aus einem neuen Blickwinkel." Denn einfach wird ihr neuer Job nicht: Den Großvermieter plagen Altschulden in zweistelliger Millionenhöhe und eine Leerstandsquote von etwa 11 Prozent. Deshalb werde sie den von Vorgänger Rainer Martin eingeleiteten Entschuldungsprozess in den nächsten Jahren fortsetzen und vorerst nur kleinere Investitionen wie den Anbau von Balkonen oder Wohnungssanierungen vornehmen können.

Auch wenn Mandy Rudolf aus der Privatwirtschaft kommt, hält sie kommunale Wohnungsunternehmens, wie der WBG, für wichtig: "Den Wohnungsmarkt nur Privaten zu überlassen, wäre im Hinblick auf sozial-schwache Mieter falsch."

Das Durchschnittsalter der Mieter der WBG liege jenseits der 50, wobei in den vergangenen Jahren eine steigende Nachfrage von Studenten der Hochschule zu beobachten sei, erklärt die neue Geschäftsführerin. Im Hinblick auf das entstehende Gründerzentrum für Start-ups hofft sie, auch Mieter mit höheren Ansprüchen von einer Wohnung in Mittweida überzeugen zu können. Zurzeit werden dafür im Dreiwerdener Weg zwei Single-Wohnungen modernisiert.

Ein großes Anliegen der Geschäftsführerin ist es, im Austausch mit den Mietern neue Impulse zu setzen. So sollen Veränderungen, wie der seniorengerechte Umbau von Wohnungen, frühzeitig besprochen und gemeinsam angegangen werden. Mandy Rudolf hat gleich zu Beginn ihrer Amtszeit jeden Mieter angeschrieben und einen Umfragebogen beigelegt, in denen die Kunden Probleme und Anregungen eintragen konnten. Etwa 20 Prozent der Angeschriebenen hätten bis jetzt geantwortet. "Ich bin dankbar, dass es sehr konstruktive Vorschläge sind", so Rudolf. Die vollständige Auswertung dauere noch an. Bisher würden vor allem fehlende Bänke und eine schlechte Mülltrennung kritisiert.


OB sitzt im Aufsichtsrat

Die sieben Mitarbeiter der Wohnungsbaugesellschaft verwalten im Tagesgeschäft den eigenen Bestand, der etwa 15 Prozent der Wohnungen in Mittweida ausmacht. Zusätzlich werden noch private Wohnungseigentümergemeinschaften betreut.

Als Tochtergesellschaft der WBG kümmern sich in der Regie- und Dienstleistungs GmbH elf Mitarbeiter um Handwerks- und Reinigungsarbeiten.

Zu den Aufgaben der Geschäftsführerin zählt die quartalsweise Berichterstattung an den Aufsichtsrat, der aus dem Aufsichtsratsvorsitzenden Ralf Schreiber (CDU) und fünf weiteren Stadtratsmitgliedern besteht.

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