Chemnitzer Messerattacke: Studenten publizieren Online-Doku

Ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod von Daniel H. beim Chemnitzer Stadtfest hat die Mittweidaer Hochschule die Abschlussarbeit von Medienstudenten zu dem Fall und dessen Folgen veröffentlicht. Darauf gab es auch schon eine erste Reaktion.

Mittweida.

Am Montag vor einem Jahr wurde in Chemnitz Daniel H. bei einer Messerattacke getötet. Vor wenigen Tagen ist in dem Fall der angeklagte Syrer Alaa S. wegen gemeinschaftlichen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Und bis heute steht Chemnitz wegen der Demonstrationen, die auf die Tat folgten, im Blickpunkt von Medien und Politik.

Nun haben Mittweidaer Medienstudenten eine multimediale Webseite zu dem Fall und den folgenden Ereignissen sowie Medienberichten veröffentlicht. Über das Profil der Hochschule im sozialen Netzwerk Facebook ist diese Abschlussarbeit des vierten Medienmanagement-Semesters geteilt und bekannt gemacht worden. Entstanden ist eine Art Online-Dokumentation mit rund 40 Webseiten sowie jeweils etwa zehn Audio- und Videodateien.

Geleitet wurde das Projekt von Professor Janis Brinkmann, Studiendekan Medienmanagement an der Hochschule Mittweida. "Ich wollte sehen, ob die Studenten in der Lage sind, die in Vorlesungen vermittelte Theorie zum Nachrichtenjournalismus auch im Rahmen des Projekts in die Praxis umzusetzen", sagte Brinkmann. Noch sei die Arbeit nicht benotet worden. Doch schon jetzt zolle er den beteiligten Studenten Anerkennung für deren Engagement. Sie hätten im vergangenen halben Jahr - auch in der vorlesungsfreien Zeit - einen immensen Rechercheaufwand betrieben, sich mit Behörden und Polizei auseinandergesetzt, Informationen auf mehreren hunderten Seiten gesammelt und sortiert sowie letztlich auch die Webseiten gestaltet und programmiert.

"Wir haben versucht, uns auf neutrale Nacherzählung der Ereignisse zu konzentrieren", sagt der Professor zu dem Dossier, in dem an vielen Stellen auch auf Medienberichte wie die der "Freien Presse" als Quelle von Informationen verwiesen wird.

Bei dem Projekt handelt es sich laut Brinkmann, der erst seit zwei Jahren in Mittweida lehrt und zuvor in Dortmund tätig war, um das erste seiner Art an der hiesigen Hochschule. Die Mittweidaer Einrichtung bildet eigentlich keine Journalisten aus, es gibt dort aber die Möglichkeit, die Ausbildung zur journalistischen Arbeit im Medienmanagement-Studium zu vertiefen.

So beschäftigten sich die am Projekt beteiligten Studenten unter anderem schwerpunktmäßig mit den Theorien der Nachrichtenberichterstattung und Darstellungsformen im Nachrichtenjournalismus. "Ziel ist dabei, nicht nur Trockenübungen zu machen, sondern auch Inhalte zu veröffentlichen", so der Professor. Erst dann gebe es mit den Lesern eine weitere Kontrollinstanz für die Arbeit mit Recherchequellen und an Nachrichten.

Die Entscheidung über das Projektthema hätten die Studenten selbst gefällt. "Am Anfang stand die Tat im Mittelpunkt. Sie und der jüngste Prozess bilden den Rahmen. Aber wir haben uns auch auf die Ereignisse danach in Chemnitz fokussiert", so Brinkmann.

Kurz nachdem die Hochschule selbst via Facebook auf die Abschlussarbeit hingewiesen hat, habe es auch eine erste Reaktion aus Chemnitz gegeben. Der Pressesprecher der Stadtverwaltung, Matthias Nowak, hatte sich bei Brinkmann gemeldet, weil er die Arbeit für gelungen hielt, wie er selbst bestätigte.

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