Citybahn: Stadträte drängen auf Termintreue

Die Pannenserie beim Chemnitzer Modell ärgert die Kommunalpolitiker in Hainichen und Frankenberg. Sie fordern eine bessere Anbindung.

Hainichen/Frankenberg.

Noch ist am Chemnitzer Hauptbahnhof Schluss. Doch in einem knappen halben Jahr, ab 11. Juni, sollen die Bahnen des "Chemnitzer Modells" auch von Hainichen aus über Frankenberg und Niederwiesa bis zur Zentralhaltestelle fahren. Nach einer Serie von technischen Pannen hat der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) diesen Zeitplan angekündigt. Kommunalpolitiker aus Hainichen und Frankenberg fordern, dass an dem Termin nicht mehr gerüttelt wird.

Angesichts der Probleme bei dem Nahverkehrsgroßprojekt Chemnitzer Modell ringt Hainichens CDU-Fraktionschef Donald Bösenberg nach Worten, denn er kann nicht verstehen, "dass in einem so modernen und innovativen Deutschland solche Pannen überhaupt passieren". Er sei selbst Handwerker und habe die Aufgabe, auf Mängel der Zulieferer "kurzfristig" zu reagieren. Er unterstütze daher zu 100 Prozent den Bürgermeister in seinem Ringen um diese Anbindung. "Wir wollten zum Weihnachtsmarkt mal den Zug nutzen", sagt Bösenberg. Doch zu dieser Zeit sei die Verbindung bis zur Zentralhaltestelle bereits wieder außer Betrieb gewesen.

Das "Chemnitzer Modell" soll das Chemnitzer Umland enger mit der Stadt verbinden. Von Mittweida (Linie C 14), Burgstädt (Linie C 13) und Hainichen (Linie C 15) aus sollen moderne Bahnen bis zur Zentralhaltestelle fahren. Dafür hat der VMS 42 Millionen Euro in Fahrzeuge investiert. Am 10. Oktober 2016 hatte der VMS die Linie C 15 in Betrieb genommen. Die Verbindung reichte anfangs bis zur Zentralhaltestelle. Doch der Verkehr wurde am 29. Oktober eingestellt. Seither halten City-Bahnen am Hauptbahnhof. Lediglich die Linien C 14 und C 13 fahren noch bis zur City. Als Grund für das Aussetzen der C 15 nannte der VMS technische Probleme.

Dass diese schnell behoben werden, fordert auch Frankenbergs CDU-Fraktionschef, Andreas Schramm: "Die Bahnlinie gehört zur öffentlichen Infrastruktur, die aus Steuergeldern finanziert wird", sagt er. Der VMS müsse dafür Sorge tragen, dass die ländlichen Regionen angeschlossen sind und bleiben. "Und das bedeutet auch, dass gerade das Stadtzentrum Chemnitz in vertretbarer Zeit zumutbar erreicht werden kann", so Schramm. Wichtig sei, dass die Frankenberger schnell und günstig nach Chemnitz kommen. "Denn auch Chemnitz lebt von den Einkaufswilligen des ländlichen Raumes."

Verständnis dafür, dass beim Einsatz neuer Technik "Kinderkrankheiten" auftreten können, zeigt Thomas Kühn, Chef der gemeinsamen Fraktion aus SPD, Linken und Freien Wählern in Hainichen. "Aber in diesem Fall sind es doch einige zu viel, die da zusammenkamen." Er selbst kenne sich mit der Materie aus und sei auch schon mit den neuen Triebwagen mitgefahren. Von denen sei er allerdings enttäuscht. "Es sind halt Straßenbahnen, und die fahren über Land zu unruhig", sagt Kühn. Das "Chemnitzer Modell" an sich finde er genial. Nur müsse noch stärker an den Taktzeiten gearbeitet werden. "Die Anbindungen müssten besser funktionieren, vor allem auch beim Schülerverkehr."

Dieser Meinung ist auch Frank Hommel von der Linken-Fraktion im Frankenberger Stadtrat. "Die Idee ist gut, nur dass es nicht funktioniert, kann nicht sein", erklärte er. Vom VMS erwartet er, dass die Anbindungen an die Ortschaften besser werden. Das betreffe nicht nur die Züge, sondern auch die Busse. Die Linie C 15 habe er selbst bereits genutzt, auch an den Wochenenden. Allerdings kritisiert er, dass samstags der letzte Bus nach Frankenberg gegen Mitternacht fahre. "Das ist zu wenig, um es auch für junge Leute attraktiv zu machen." (fpe/ule/ug)

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