"Corona-Zombies" nun auch in Mittweida

Eine Handvoll Vermummter zieht durch die Stadt, fordert schärfere Maßnahmen. Was steckt hinter der skurrilen Aktion?

Mittweida.

Nach Chemnitz, Zwickau und Plauen ist nun auch Mittweida zum Schauplatz eines ungewöhnlichen Coronaprotests geworden. Am Buß- und Bettag tauchten auf Facebook und Youtube mehrere Videos auf, die einen Aufzug von acht vermummten Gestalten zeigen. Angeführt von einem Maskierten mit schwarzem Anzug und Zylinder trottet die Gruppe am Markt und an der Weberstraße entlang. Die Gestalten tragen weiße Masken, die ihre Gesichter zur Gänze verdecken, außerdem blaue Schutzanzüge, auf denen Zettel angebracht sind. Auf einem davon steht "100% Überwachung", die anderen sind auf den Videos nur schwer lesbar. Das Youtube-Video wird begleitet von düsterer Musik. Eine Frauenstimme sagt Dinge wie "Erschießt die Maskenverweigerer, Merkel erhöre uns, Spahn erhöre uns" oder "Kein Sex - auch nicht in der Ehe - bis zur Impfung, Drosten erhöre uns".

Der Mittweidaer Stadtverwaltung sei die Aktion vorab mit einem handschriftlichen Zettel angekündigt worden. "Wir haben es nicht genehmigt, ausschließlich zur Kenntnis genommen", sagt Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU). Die Kontaktpersonen seien der Stadt bekannt. Auf dem Schriftstück habe laut Schreiber unter anderem gestanden: "Wir hoffen so ein wenig aufzumuntern in diesen schwierigen Zeiten". Ziel sei es den Angaben nach gewesen, in Form einer friedlichen, gewaltfreien, theatralischen Kunstaktion auf den Wegfall des öffentlichen Lebens hinzuweisen. "Für mich war das ausschließlich eine Kunstaktion, welche auf das Dilemma der Einschränkungen hinweisen soll", kommentiert der Oberbürgermeister das Video. "Nehmen wir es positiv als ausschließliche Kunstaktion und werten wir es nicht Pro oder Contra."

Der etwa dreieinhalbminütige Film hatte Stand Freitagnachmittag knapp über 600 Aufrufe. Zu sehen ist darin auch ein Aufeinandertreffen der Gruppe mit der Polizei. "Die Polizei nahm Kontakt mit den Teilnehmern auf", bestätigte eine Polizeisprecherin auf Nachfrage. "Es wurden keine Anzeigen gegen die Angetroffenen erstattet."

Derartige Proteste werden mit einem Artikel des Publizisten Stefan Korinth auf der Webseite "Multipolar" in Verbindung gebracht. "Über Bilder, Symbole und Botschaften müssen die Querdenker die Kontrolle gewinnen", heißt es darin. "Um in der großen Breite wirksam zu werden, dürfen die Proteste nicht die Maßnahmen kritisieren - das ist es, was alle erwarten -, sondern sie müssen die Maßnahmen ekstatisch bejahen." Man solle extrem sein, um den "Extremismus der Gegenseite" zu spiegeln: "Verzichtet auf die Reden. Verzichtet auf Gesichter." Eine "Armee trauriger Corona-Zombies" wünscht sich Korinth. (mit ros)

77 Kommentare
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  • 4
    2
    makema3
    26.11.2020

    ...offensichtlich sind die Menschen(Männer? Frauen?)in ihren Verkleidungen nicht ganz auf der Höhe, man kann sich nicht nur über Mund oder Nase infizieren, sondern auch über die Augen. Deshalb gehören die Schutzbrillen nicht auf die Stirn, sondern auf die Nase. ;-)

  • 5
    4
    Conrad4
    25.11.2020

    Allen diesen verquert-"denkenen" Grusel-Clows sein ins Stammbuch geschrieben: Arglosen Personen durch Erschrecken oder absichtlich abstoßendes Aussehen und Gebahren körperliches Unwohlsein zuzufügen, kann als Körperverletzung gewertet werden. Hier ist bereits der Versuch strafbar. Insbesondere Kinder verstehen den Hintergund solcher - für sie furchterregener - Aufzüge nicht UND SIND DAMIT IN JEDEM FALL OPFER! Anderen Personen gar hinterherzulaufen, ist Bedrohung oder Nötigung und damit ebenfalls strafbar. Erschrecken oder erregen sich ältere Personen derart, dass sie einen Herzinfarkt erleiden, droht Haftstrafe wegen fahrlässiger Tötung.

  • 12
    24
    Lola
    22.11.2020

    Es scheinen ja, sich hier mal die Demonstranten vor ihrer Demo was dabei gedacht zu haben. Also abgesehen von der Satzwahl finde ich es eine gelunge Demo!
    Denn die Demo hatte Hygienekonzept, Potschaft an die Menschen "das es Corona gibt und das man sich an Regeln sich halten muss, um weiteres zu verhindern" und es war eine friedliche Demonstranten.

  • 14
    8
    Schützenfrau
    21.11.2020

    Zu den hier abgebildeten Masken gibts einen Film . V - Vendetta . Passt zu der jetzigen Situation .

  • 27
    17
    GPZ
    21.11.2020

    Wer auch immer die aktuellen Maßnahmen pauschal verurteilt, sollte besser konstruktive Vorschläge machen, wie man die Zahl der Infektionen dann senken kann. Das wäre nützlicher. Und jetzt bitte Antworten darauf und keinen Müll wie weniger testen oder Tests sind falsch oder Infektionen sind egal. Vorschläge zum Senken! Danke.

  • 21
    21
    OlafF
    21.11.2020

    Trotz aller Übetspitzung. Es soll warscheinlich Denkanstöße auslösen. Den Menschen fällt es heutzutage ziemlich schwer ihre eigene Meinung zu bilden. Sie wollen diese lieber mundgerecht serviert bekommen. Es ist viel leichter , wie in Werbefilmen vermittelt, zu Hause zu bleiben, Fastfood nach Hause geliefert zu bekommen und auf dem Sofa Netflix zu schauen. Da, stellt man keine störenden Fragen und sitzt die Sache lieber mit vollem Magen aus.

  • 21
    33
    nnamhelyor
    21.11.2020

    Eine gelungene Aktion. Bringt die Menschen hoffentlich zum Nachdenken. Übertreibung ist ein Stilmittel.