Coronakrise: Direktvermarkter punkten

Egal ob Gans, Fisch oder Wild - Regionales ist bei Verbrauchern gefragt. Das liegt auch am Lockdown. Denn Gaststätten und Restaurants sind geschlossen. Doch nicht alle Produzenten profitieren.

Mittweida.

Gemütlich außer Haus essen, das geht in der diesjährigen Vorweihnachtszeit nicht. Schließlich sind die meisten Gaststätten und Restaurants zu, nur wenige bieten Mahlzeiten zum Abholen an. Davon profitieren Direktvermarkter, wie eine Umfrage der "Freien Presse" offenbart. Denn gegessen wird immer, in diesen Zeiten eben öfter daheim.

"Wir verkaufen mehr als in den Vorjahren", erklärt Nils Graichen vom Geflügelhof Hinkelmann aus Zschaagwitz. "Es werden bis zu den Festtagen etwa 500 Gänse und ebenso viele Enten in heimischen Küchen zubereitet", schätzt der Züchter ein. Bis zum 22. Dezember gibt es für Spätentschlossene gerupfte Exemplare samt Tipps zur Zubereitung direkt vom Hof.

Ähnlich die Lage beim Fischhof Fuhrmann in Topfseifersdorf. Zwar ist die zum Familienunternehmen gehörende Gaststätte geschlossen, der Hofladen aber offen. "Neben Karpfen, Lachsforelle und Zander kredenzen wir diesmal Wels", sagt Carola Fuhrmann. Die vor Ort gezüchteten Fische werden nicht mehr nur an Silvester zubereitet. An den Weihnachtstagen ist ebenfalls eine erhöhte Nachfrage zu spüren. "Die Bestellungen laufen", sagt sie.

Auch Heidi Reißig vom Straußenhof Pappendorf freut sich über mehr Umsatz. "Unsere Wurst- und Fleischvariationen vom Strauß sind 2020 besonders gefragt", sagt Reißig, deren Familienbetrieb seit 17 Jahren in der Zucht tätig ist. Besonders Grillware wie Bratwurst und Steak wurden zum Knüller. Vorbestellungen von Steaks, Bratwürsten, Salami und Schinken für das Weihnachtsgeschäft sind in vollem Gange. "Den Weihnachtsmarkt auf unserem Hof dürfen wir aber nicht durchführen.

Genauso wie viele andere Direktvermarkter kann Wilfried Reinke von der gleichnamigen Imkerei und dem Wildgehege in Weinsdorf auf seine Stammkunden zählen. Aber auch Neukunden hat er in Zeiten der Pandemie gewonnen. Der Wildexperte zerstreut Bedenken, dass Fälle der Schweinepest an der deutsch-polnischen Grenze Auswirkungen auf das Weihnachtsangebot haben könnten. "Wir haben einen Zubereitungsvorlauf. Dam- und Muffelwild sind längst erlegt, Schinken und Salami hergestellt." Trotzdem muss Reinke einen Teil seines sonst üblichen Umsatzes abschreiben. "Den Wegfall der Weihnachtsmärkte und Pyramidenanschieben bekommen wir zu spüren."

Das bestätigt Wolfgang Möbius vom Salamihof Mittweida. "Ein wesentliches Standbein sind für uns die Weihnachtsmärkte, hier setzen wir direkt beim Kunden unsere Ware ab. Die Absagen sind ein Schlag ins Kontor", betont Möbius. Der Großteil des Sortiments ist produziert, etwa Wildschinken vom Hirsch und Wildschwein. Die Ware wird nun dienstags bis donnerstags direkt ab Hof verkauft. "Derzeit halten uns Stammkunden die Treue."

Gut läuft es beim Burgstädter Uwe Müller. "Mit dem Absatz haben wir kein Problem, im Gegenteil. In den 23 Jahren meines Wildhandels und Wildfleischerei wurde die Ware nie so stark nachgefragt." Beliebt ist Wildgulasch "Das geht oft über den Ladentresen."

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