Damit die Kirche im Dorf bleibt

Ein Plakat hat besorgte Nachfragen zur Zukunft des Ringethaler Gotteshauses ausgelöst. Der Anlass für die Schlagzeile ist ernstzunehmen.

Ringethal.

Wer nur flüchtig auf den Aushang an der Ringethaler Kirche schaut, kann einen Schreck bekommen. In großen Lettern steht hier unter dem Titel Martinskirche Ringethal: "Wir schließen". Im Kleingedruckten wird der Satz mit "vielleicht bald" zu Ende geführt. Selbst in der Form bleibt die Aussage Besorgnis erregend. Bei einem Werkstatt-Gottesdienst am 26. August sollen laut Plakat Ideen zur "Rettung der Kirchgemeinde" gesucht werden. Steht es so schlimm um die mit 250 Mitgliedern kleinste Kirchgemeinde der Region?

Pfarrer Arndt Sander, der für die Schwesterkirchgemeinden Ringethal und Mittweida als Vorsitzender des Kirchenvorstandes Ringethal und Vize-Chef in Mittweida zuständig ist, sieht keine solch akute Gefahr. "Es werden keine Kirchen geschlossen, schon gar nicht die 800 Jahre alte in Ringethal", sagte der Pfarrer von Altmittweida und Ottendorf, der auch die Vakanz in Mittweida vertritt. Doch die provokante Aussage des Plakats sei kein Scherz, sondern habe einen ernsthaften Hintergrund. Denn die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde Ringethal stehe genauso wie benachbarte Gemeinden vor einer Debatte über künftige Strukturen. Das könne auch eine Fusion von kleineren Gemeinden zu größeren Einheiten zur Folge haben, wie es von der Landeskirche angeregt worden sei. Betroffen wären in der Region Mittweida sieben Kirchgemeinden - neben der von Ringethal die in Mittweida, Seifersbach, Altmittweida, Ottendorf, Taura und Claußnitz. Künftig sollten nach Vorstellungen der Landessynode Regionen eine Größenordnung von rund 4000 Kirchenmitgliedern umfassen. Das wäre theoretisch bei einem Zusammenschluss der sieben Gemeinden der Fall. In welcher Form die Zusammenarbeit geschehen könne, müsse in den Gemeinden diskutiert werden, so Sander. Dabei gehe es auch darum, wo Pfarrer und Mitarbeiter eingesetzt werden. Eine neue Regionalstruktur festzulegen, sei auf dem Land nicht einfach, wo Menschen die Identität der kleinen Orte bewahren wollten.

Urheber des Plakats an der Kirche ist der Gemeindepädagoge Ernst-Michael Weidauer. Zu dessen provokanter Aussage stehe er, sagte der Kirchenmitarbeiter. Weidauer bestätigte, dass eben jene Strukturreform der Kirchgemeinden Anlass für das Plakat und den Werkstatt-Gottesdienst ist. "Es wird sich hier einiges verändern, das ist absehbar. Umso wichtiger ist jetzt die Frage zu klären: Wie definieren wir uns als Kirchgemeinde?", sagt Weidauer. Für diese Debatte habe er die Kirchgemeindemitglieder mit der Plakat-Aussage aktivieren wollen. Das hat er wohl auch unter nicht religiös gebundenen Ringethalern erreicht. "Einige interessante Reaktionen darauf habe ich schon erhalten." Nun hoffe er darauf, dass sich die Kirchgemeinde artikuliert, was deren Mitglieder wollen. Weidauer selbst will nicht, dass die Ringethaler Kirche künftig nur als "Museum oder Konzertkirche" fungiert. Aber dazu müsse die Kirchgemeinde selbst aktiviert werden, ähnlich wie das bei Vereinen im Ort zu beobachten sei.

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