Darmkrebs: Patienten wohnortnah in Spezialistenhand

Das Mittweidaer Krankenhaus arbeitet bei der Behandlung eng mit dem Klinikum Chemnitz zusammen. Erkrankte profitieren so von Therapien, die nur in der großen Klinik angeboten werden.

Mittweida.

Darmkrebs gehört zu den am weitesten verbreiteten Krebsarten. Patienten, bei denen ein Tumor im Verdauungstrakt diagnostiziert wurde, wollen die Ärzte des Mittweidaer Krankenhauses LMK die bestmögliche Behandlung bieten. Dafür kooperieren sie seit Kurzem eng mit dem OCC, dem Tumorzentrum des Klinikums Chemnitz. Patienten aus Mittweida können so von neuen Behandlungsmethoden und dem Fachwissen besonders spezialisierter Ärzte profitieren und gleichzeitig so heimatnah wie möglich behandelt werden.

"Einmal in der Woche, immer mittwochs, findet per Videokonferenz ein Tumorboard mit den Kollegen im Chemnitzer Klinikum statt. Daran nehmen Vertreter aller Fachabteilungen teil, die in die Therapie von Krebserkrankungen, unter anderem auch Darmkrebs, involviert sind. Wir sprechen dann gemeinsam über die Behandlung der Patienten unseres Hauses", erklärt Chefarzt Dr. Burghard Jenert, Leiter der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie der LMK. Die Videokonferenz wurde laut Jenert im November 2018 etabliert. Gesprochen wird nur über Patienten, die in Mittweida stationär behandelt werden. Für jeden Fall wird ein individuelles Behandlungskonzept erstellt. Bei Bedarf können die Mittweidaer auf Erfahrungen und Hinweise der Chemnitzer Kollegen zurückgreifen.

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Ein Großteil der medizinischen Betreuung findet dann auch in Mittweida statt. In der Regel erfolgt die Diagnostik der Darmkrebserkrankung bei der LMK. Behandlungen und Operationen, die in Mittweida durchgeführt werden können, werden auch dort gemacht. Wenn möglich wird die Operation minimalinvasiv, das heißt als Schlüsselloch-OP, durchgeführt. Sind komplexere Eingriffe, eine strahlentherapeutische Behandlung oder spezielle Therapieformen notwendig, werden Patienten ins Klinikum Chemnitz verlegt. "Sobald eine Behandlung wieder in Mittweida durchgeführt werden kann, etwa eine Chemotherapie nach einer größeren OP, kommen die Patienten dort wieder ins Krankenhaus", so der Leiter des Chemnitzer Darmkrebszentrums, Dr. Hagen Rudolph.

Durch die Kooperation soll die Qualität der Behandlung von Darmkrebspatienten verbessert werden. "Sie erhalten mehr Sicherheit, weil die vorgeschlagene Behandlung durch ein Team aus Spezialisten verschiedener Fachrichtungen individuell festgelegt wird und ein Maximum an routinierter Expertise sichergestellt ist", so Hagen Rudolph. Gleichzeitig würden die Patienten Zugang zu neuesten medizinischen Behandlungstechniken und Erkenntnissen aus wissenschaftlichen Studien erhalten. Das sei in Chemnitz möglich, da das Klinikum ein sogenannter Maximalversorger sei.

Wie der Chef des Chemnitzer Darmkrebszentrums erklärt, profitiert das Klinikum von den Zuweisungen aus Mittweida. Dadurch erhalte man Routine. "Die generierte Vielfalt ist auch mit Blick auf die Attraktivität für den medizinischen Nachwuchs von großem Wert", so Rudolph. Denn an der Videokonferenz mit den Mittweidaern nehmen Assistenzärzte und gelegentlich Medizinstudenten teil. Sie könnten so lernen, welche Therapie bei einem Patienten im jeweiligen Behandlungsstadium die geeignetste ist.

Auch in Mittweida sieht man in der Zusammenarbeit Vorteile. Denn in naher Zukunft will sich die LMK laut Chefarzt Jenert für die Leistungen in der Darmkrebstherapie als Darmkrebszentrum zertifizieren lassen. Neben einer Mindestanzahl von OPs in dem Fachgebiet und der Leitlinien gerechten Therapie, sind dafür auch breite Kooperationen notwendig. Man sei daher dabei, ein Netzwerk aufzubauen. Dabei sollen unter anderem auch Selbsthilfegruppen eingebunden werden. Jenert hofft, dass die Vorbereitungen in diesem und im kommenden Jahr vorangehen und die Zertifizierung als Zentrum 2021 erfolgen kann.

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