Das Ärztehaus bekommt eine neue Praxis

In Hainichen soll schon ab Oktober ein medizinisches Versorgungszentrum neue Patienten aufnehmen. Dafür gibt es vom Land sogar finanzielle Hilfe.

Hainichen.

Die angespannte Lage der ärztliche Versorgung in Hainichen könnte sich schon in wenigen Wochen entspannen. Voraussichtlich am 8. Oktober eröffnet eine neue Allgemeinarztpraxis im Hainichener Ärztehaus an der Ziegelstraße. Dies teilte Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD) mit. Seitens der künftigen Betreiber und der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) gibt es dafür nun auch eine Bestätigung.

Demnach bekommt die Gellertstadt nicht nur eine Praxis, sondern ein sogenanntes Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ). "Dies ist eine Neugründung", erklärte der Mittweidaer Diplom-Mediziner Ralf Bodenschatz, der im MVZ Mittweida in einem Neurologisch-Psychiatrischen Versorgungszentrum tätig ist. "Das MVZ in Hainichen hat mit dem Mittweidaer aber nichts zu tun", so der Arzt. "Diese Neugründung der MVZ Hainichen GmbH für Allgemeinmedizin habe ich zusammen mit meinem Kollegen Dr. Urs Patrick Frey aus Waldheim gemacht." Dieser Arzt habe bereits eine Außenstelle in Roßwein.

Der Neurologe und Psychiater Bodenschatz sieht das neue MVZ in Hainichen als Chance, im Kreisgebiet weiter zu wachsen. Zunächst sollen sich in den Räumen im Ärztehaus zwei Allgemeinmediziner die Arbeit teilen. "Neben Dr. Frey ist das eine junge Fachärztin für Innere Medizin, die hausärztlich tätig sein wird", so der Mittweidaer Arzt. Das MVZ in der Hochschulstadt mit derzeit vier Standorten und 60 Mitarbeitern bleibe davon unberührt. Terminvereinbarungen sollen für das MVZ in Hainichen ab jetzt möglich sein, telefonisch und im Internet.

"Für eine bessere ärztliche Versorgung in unserer Stadt ist die Neueröffnung einer Allgemeinarztpraxis erfreulich", sagte Greysinger. "Ich stand seit längerer Zeit mit beiden Ärzten sowie dem Geschäftsführer des MVZ Mittweida in Kontakt. Schön, dass deren Aktivitäten von Erfolg gekrönt wurden."

Laut Greysinger waren nach Schließung einer Praxis und dem Ruhestand einer Medizinerin die allgemeinärztliche Versorgung in der jüngeren Vergangenheit so kritisch, "dass sich unsere Bürger bisweilen Hausärzte in Mittweida und Frankenberg suchen mussten". Bereits mit der Eröffnung der Praxis von Robert Enderle im Vorjahr sei die Situation ein Stück besser geworden. Laut KVS hatte die Eröffnung dieser Praxis keine Auswirkungen auf den Versorgungsgrad, da Dr. Enderle bereits in dem Planungsbereich der ärztlichen Versorgung tätig war. Hainichen ist dem Planungsbereich Mittweida mit 86.149 Einwohnern zugeordnet. Zu dem Bereich der Region Hainichen zählen auch die Gemeinden Rossau und Striegistal. Der Versorgungsgrad mit Ärzten beträgt laut Kassenärztlicher Vereinigung 91 Prozent. Die Anzahl der Ärzte in der Bezugsregion lag im April bei neun Vertragsärzten.

Der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen Sachsen hatte im Juli 2016 noch eine drohende Unterversorgung festgestellt und Maßnahmen ergriffen. So gibt es mit Wirkung ab 1. Oktober 2018 eine Förderpauschale in Höhe von 60.000Euro und die Gewährung eines Mindestumsatzes für eine Mediziner-Stelle, die nicht ortsgebunden ist. "Gefördert werden die Praxisübernahme, die Neu-Niederlassung sowie die Anstellung eines Arztes", erläuterte Katharina Bachmann-Bux von der KVS. "Auch für die Einrichtung einer Zweigpraxis ist die Förderung möglich."

Für den Bereich Hainichen lag nach Angaben der KVS "zu keinem Zeitpunkt eine Unterversorgung vor, so Katharina Bachmann-Bux. "Diese tritt erst ein, wenn der Versorgungsgrad auf oder unter 75 Prozent sinkt. Die schwankenden Versorgungsgrade seien auf sich verändernde Einwohnerzahlen zurückzuführen. Die Gründung eines MVZ in Hainichen mit zwei Hausärzten und wie geplant eineinhalb Stellen würde den Versorgungsgrad im Planungsbereich auf fast 94 Prozent verbessern.

Bereits im April dieses Jahres gab es für die ärztliche Versorgung in Hainichen eine gute Nachricht: Damals wurde eine neue Augenarztpraxis im Ärztehaus an der Ziegelstraße in Hainichen eröffnet. Die Praxis ist Teil des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) des Städtischen Klinikums Dresden. Zwei Augenärzte des Klinikums sind auch in Hainichen für die Patienten da, nachdem es über Jahre hinweg keinen Medizinier der Fachrichtung mehr in der Stadt gab. Bei der Eröffnung der Praxis sprach einer der nun hier tätigen Fachärzte von einem Trend, wonach sich Praxen erweitern oder zusammenschließen, um die Versorgung im ländlichen Raum zu verbessern.

"Die Versorgungsprobleme im Planungsbereich Mittweida unterscheiden sich nicht grundlegend von den Problemen in anderen Landkreisen und Regionen", erklärte Katharina Bachmann-Bux. "Die Besetzung von Praxen gestaltet sich bundesweit insbesondere bei Hausärzten zunehmend schwieriger." Neben dem Bemühen, auch ausländische Ärzte für eine Praxisnachfolge in Sachsen zu gewinnen, habe die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen auch ein Modellprojekt für die Finanzierung des Medizinstudiums im Ausland initiiert.

Termine im MVZ Hainichen ab September unter Telefon 037207 994250 und im Internet unter www.mvz-hc.de

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