Das Striegistal verliert ein Original

Gerhard Jost ist verstorben und wird heute beigesetzt. Der Berbersdorfer hat die Musik der Region über Jahrzehnte geprägt.

Berbersdorf.

Es gibt für Journalisten Termine, die sie gern wahrnehmen. Auftritte von Gerhard Jost gehörten für mich immer dazu. Irgendwann hatte ich mich auch daran gewöhnt, dass er sogar Lieder unterbrach, um mich zu begrüßen und dem Publikum vorzustellen. So war es jedenfalls beim Volksliedersingen in der "Kalkbrüche" und auf vielen anderen Festivitäten. Ich habe Gerhard Jost vor gut 20 Jahren kennengelernt, als herzensguten Menschen, engagierten Striegistaler und stets gut gelaunten Musiker.

Jost wurde am 30. Dezember 1928 in Berbersdorf geboren, 1951 heiratete er seine aus Schlesien stammende Frau Marianne, die er nach dem Krieg als Bedienung im Gasthof kennenlernte. Angefangen mit der Musik hat er im Hansa-Quartett am Klavier, der erste Auftritt war am 1. Mai 1955 im Gasthof Berbersdorf zusammen mit Walter Groke (Bass), Dieter Barthel (Gitarre) und Gottfried Tauchert (Akkordeon). Später wurde aus der Tanzkapelle sogar ein Sextett. 1978 kam nach unzähligen Auftritten, die es vor allem im Parkcafé in Hainichen gab, das endgültige Aus für das Hansa, damals noch als Trio aktiv.

Jost hob die Heimatgruppe, die damals noch Kulturgruppe Berbersdorf hieß, schon 1977 mit aus der Taufe und leitet sie von 1990 an viele Jahre. Später wurde er zum Ehrenmitglied ernannt. Unter seiner Führung kam auch Martin Fischer, heute im Schlagerpop erfolgreich, noch im Grundschulalter zur Musik. Zum Tag der Sachsen in Rochlitz präsentierte Jost 1995 das "Sachsenlied", ein Stück aus eigener Feder. Ein weiterer Klassiker und bis heute im Programm der Heimatgruppe: "Drum grüß ich dich viel tausendmal, mein herrlich schönes Striegistal". Viele Lieder konnte Jost übrigens auch ohne Noten, nur auf Zuruf spielen.

Am Samstag vor einer Woche ist er im Alter von fast 90 Jahren verstorben, die Trauerfeier findet heute, 11 Uhr, in der Kirche Etzdorf statt. Beerdigt wird der Berbersdorfer danach auf dem Friedhof in Marbach.

Der Autor dieses Beitrags, Falk Bernhardt, ist Gerhard Jost als "Freie Presse"-Mitarbeiter oft begegnet.

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