Den Schleiereulen auf der Spur

Die Vögel gelten als stark gefährdet. Um sie zu schützen, erfassen Mitarbeiterinnen der Naturschutzstation Weiditz den Bestand der Tiere und säubern Brutstätten im Landkreis.

Striegistal/Etzdorf.

Ausgerüstet mit Stirnlampen und einem Eimer voll Werkzeug steigen Marion Gringer und Ute Lippmann an diesem Donnerstagvormittag die steilen Holztreppen in der Etzdorfer St. Marienkirche hinauf. Draußen pfeift der Wind. Die zwei Mitarbeiterinnen der Naturschutzstation Weiditz sind der Schleiereule auf der Spur und machen dafür unter anderem Station in dem Gotteshaus im Striegistaler Ortsteil.

Doch an diesem Tag haben sie kein Glück: Es finden sich keinerlei Hinweise darauf, dass die Vögel in der Kirche unlängst gebrütet haben. Einen Nistkasten gibt es auch nicht. Eine Anwohnerin, die den Naturschützerinnen die Kirche aufgeschlossen hat, berichtet: Im vergangenen Jahr habe sie eine Falkenfamilie mit vier Jungtieren gesehen. Aber noch nie eine Schleiereule.

Dokumentiert werde dennoch alles, sagt Ute Lippmann. Die Naturschützerinnen wollen den Bestand der Schleiereulen im Landkreis erfassen und daraus ableiten, wie die Tiere geschützt und wie Brutplätze erhalten sowie neue geschaffen werden können. Denn die Schleiereule ist selten geworden. Vor einigen Jahren nur als gefährdet in der Roten Liste in Sachsen geführt, ist sie nun als stark gefährdet gelistet. Die Bestände schrumpfen. Grund sind unter anderem Gifte, die zur Mäusebekämpfung eingesetzt werden und ein zunehmender Wegfall von Brutplätzen.

Vom Landkreis haben die beiden Mitarbeiterinnen der Naturschutzstation eine Liste erhalten, mit rund 60 einst belegten Brutstätten, zum Beispiel im Raum Rochlitz, Hainichen, Döbeln und Leisnig. Seit vergangenem August fahren sie die Orte ab. "Die Schleiereulen wollen es gern hoch haben, einen Standort, wo sie den Überblick haben", erklärt Ute Lippmann. Die Vögel seien reine Gebäudebrüter, nisten in Burgen, Schlössern, Kirchen, aber auch in Scheunen. "In der Zwiebel der Kirchtürme ist manchmal eine Öffnung, die ist prädestiniert für Eulen und Falken", sagt Marion Gringer.

Hinweise auf Eulen gebe es etwa in Oberelsdorf, Obergräfenhain, Crossen, Milkau und Knobelsdorf. In der Seelitzer St. Annenkirche war das Glück auf der Seite der Naturschützerinnen: Ein Tier blickte ihnen aus dem Nistkasten entgegen. In der Beerwalder Kirche fand sich Gewölle von Schleiereulen - das sind Speiballen mit mattschwarzem, teerartigem Überzug. Sie enthalten unverdauliche Nahrungsteile wie Haare und Knochen von Mäusen, der Hauptnahrung der Tiere. In der Marbacher Kirche gibt es einen Nistkasten, aber dort waren keine Hinterlassenschaften auffindbar.

Ist ein Kasten vorhanden und finden die Frauen Gewölle, so säubern sie die Brutstätte, damit die Tiere wieder genug Platz zum Brüten haben. Dafür haben sie Handschuhe, Müllsäcke, Greifer, Schaufeln und Mundschutz dabei - außerdem einen Spargelstecher. "Man muss erfinderisch sein", sagt Marion Gringer. Das Material im Kasten könne hartnäckig sein. Und das Säubern schon einmal eine Stunde dauern.

Die Naturschützerinnen schauen stets ganz vorsichtig in die Kästen, um nicht zu stören, erläutern sie. Die Brutzeit der Tiere ist von März bis Dezember, manchmal brüten sie zwei- bis dreimal pro Jahr.

Eventuell lasse sich im Sommer sagen, wie es um den Bestand im Kreis bestimmt ist. Einige Nistplätze wurden vor Jahren eingerichtet und werden durch Naturschützer betreut. Doch darüber hinaus hofft die Naturschutzstation auf Mithilfe. Wer Schleiereulen oder Gewölle entdeckt hat, oder beispielsweise in seiner Scheune einen Kasten beherbergen will, kann sich melden.

Auch in der Etzdorfer Kirche muss es früher einmal einen Brutkasten für die Eulen gegeben haben, Mitte der 90er-Jahre wurde er wohl aufgestellt, sagt Marion Gringer. Wahrscheinlich wurde er bei Bauarbeiten dann aber entfernt. An der Jalousie neben den Glocken könnte man einen Ausschnitt machen, dahinter wieder einen Kasten setzen, so die Naturschützer. In den Turm selbst würden die Tiere gar nicht gelangen.

Kontakt zur Naturschutzstation in Weiditz: Telefon 03737 40284, E-Mail: info@natur-weiditz.de.


Bis zu 17.000 Paare

Der europäische Bestand der Schleiereulen umfasst laut dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) 110.000 bis 220.000 Brutpaare. Hierzulande brüten den Angaben zufolge zwischen 11.000 und 17.000 Paare.

Die Wahl zum Vogel des Jahres hatte 1977 eine Welle von Aktivitäten zum Schutz und zur Vermehrung der Schleiereulen ausgelöst, besonders durch die Schaffung von Brutplätzen, aber auch durch Information und Aufklärung der Bevölkerung über Schutzmöglichkeiten vor Ort. (fp)

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