Der Mann im Mond ist eine Frau

Mit der Operette "Frau Luna" hat das Mittelsächsische Theater für seine Freiluftsaison auf der Seebühne Kriebstein einen respektablen Auftakt gesetzt.

Kriebstein.

Berliner Luft kann für die in Sachsen einzigartige Naturkulisse der Seebühne Kriebstein ein echter Gewinn sein. Das hat die Premiere der Operette "Frau Luna" von Paul Lincke (1866 - 1946) am Samstagabend gezeigt. Nicht nur für die Atmung, sondern vor allem für Ohren und Augen der rund 600 Besucher. Das von Jürgen Mai (Regisseur von "Olsenbande") inszenierte, gut zweieinhalbstündige Stück hat das Zeug zum Kassenschlager der Saison auf der Bühne an der Talsperre.

Ob in Heinrich Zilles Alt-Berlin oder auf der Rückseite des Mondes - Solisten, Opernchor, Extraballett und Komparserie laufen bei dem unterhaltsamen Sternenritt zur Hochform auf. Kulisse und Kostüme passen perfekt. Für erstklassige musikalische Umrahmung sorgt die Mittelsächsische Philharmonie unter Leitung von Juheon Han. Melodien wie "Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe" haben über 100 Jahre auf dem Buckel und sind zu Schlagern geworden. Der bekannteste Hit der Operette, der Marsch "Berliner Luft" erklingt dreimal, bis am Ende wirklich jeder Zuschauer mitsingt oder -klatscht.


Die Geschichte ist etwas vorhersehbar, dennoch voller Humor und rasant. Die Zeit vergeht wie im (Ballon-)Fluge, der die Hauptdarsteller zum Mond führt. Die geben auch mächtig Gas: Johannes Pietzonka als Fritz Steppke, Frank Ernst als Wilhelm Pannecke und Christian Härtig als August Lämmermeier. Das Trio ist ein Glücksgriff. Härtig etwa glänzt als sächselnder Berliner, der auf alles einen Reim parat hat. Aber Dialekte und Akzente sollte man nicht überbewerten, vor allem, wenn man eine Stimme hat wie Dimitra Kalaitzi-Tilikidou als Marie oder Sergio Raonic Lukovic in der Doppelrolle als Schutzmann und Haushofmeister. Glanzvoll ist Frank Ungers Auftritt als selbstverliebter, sangeswütiger Prinz Sternschnuppe. Der Meteoriten-Punk und Susanne Engelhardt in der Rolle der "Berliner Fresse" Mathilde Pusebach ragen aus dem Team mit Peggy Steiner als Frau Luna an der Spitze noch heraus.

Steppke, Lämmermeier, Pannecke und die Pusebach erfahren auf ihrer Sternenreise, dass die Mondbewohner bei aller Feierlaune ähnliche Probleme haben wie ihr Besuch von der Erde. So gibt es ein Dieselfahrverbot, weshalb Prinz Sternschnuppe per Tretboot anreisen muss. Herr Mars (Stefan Burmester) testet den ersten Elektro-Roller auf der Milchstraße. Auch Eifersucht gibt es im siebten Himmel, wie Lisa Schnejdar als Stella zeigt. Und es gilt auf dem Mond eine Obergrenze für Wesen aus anderen Teilen des Universums, weist der Haushofmeister die Erdlinge auf die kosmische Einwanderungskrise hin. Der Himmelskörper biete nicht genug Platz. Auch bei Vollmond nicht! Geschlechterrollen spielen auf dem Erdtrabanten indes keine Rolle. Im Mondballett schwingen Männer in Frauenkleidern die Hüften. Und selbst der Mann im Mond ist eine Frau.

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