Der Ofen ist noch lange nicht aus

Was aus den Kaminen der Firma Kiefel in Seifersbach kommt, erfüllt schon jetzt künftige Umweltnormen. Dafür gab es nun sogar das Siegel "Blauer Engel".

Seifersbach.

Abgase und Feinstaub sind nicht nur bei Dieselautos und vor allem in Innenstädten ein Problem, Verordnungen und bald auch strenge Grenzwerte müssen auch von Kaminofenbauern eingehalten werden. So ein Betrieb ist die 2001 gegründete Kiefel Unternehmensgruppe GmbH & Co. KG im Gewerbegebiet Seifersbach in der Gemeinde Rossau. 50 Mitarbeiter sind dort in bis zu drei Schichten tätig, der Jahresumsatz liegt bei etwa fünf Millionen Euro. Büroeinrichtungen und Design sind bei Kiefel ebenfalls ein Geschäftszweig. Der Geräte- und Metallbau ist jedoch das wichtigste Standbein, der Schwerpunkt liegt auf Kaminöfen und -einsätzen.

Etwa 4000 Stück jährlich werden laut Geschäftsführerin Tina Kiefel am Standort produziert. "Der Bedarf am Markt ist größer, wir könnten bis zu 6000 Stück bauen, aber dazu fehlen uns die Mitarbeiter." Eine zweite volle Schicht sei laut Bernd Zwinzscher, dem technischen Geschäftsführer, nicht zu schaffen. Fachkräfte werden schon seit einigen Jahren gesucht, ebenso Auszubildende.

Möglich seien in Seifersbach sogar drei Schichten, auch deshalb hatte Seniorchef Frank Kiefel sein Unternehmen vor Jahren von Frankenberg - damals stand hinter dem Namen noch eine IT-Firma - nach Seifersbach verlegt. Hier konnte sich der Betrieb erweitern, die Öfen werden auf der anderen Straßenseite in einer von einer Firma übernommenen Halle montiert. Hatte ein Kaminofen vor gut zehn Jahren noch um die 100 Einzelteile, sind es heute bis zu 600 Komponenten.

Kiefel fertigt die Öfen nicht unter eigener Marke, sondern im Auftrag großer Hersteller. Was drin steckt, sind jedoch die eigene Entwicklungsleistung und die Forschung mit namhaften Partnern. Dazu arbeitet Kiefel zum Beispiel mit dem Brennstoffinstitut Freiberg, dem Biomasseforschungszentrum Leipzig und dem Institut für Luft- und Kältetechnik Dresden zusammen. "Es gab vor einiger Zeit wegen der Abgase wirklich die Diskussion, den Kaminofenbau in Deutschland zu beenden," sagte Frank Kiefel kürzlich beim Besuch von Mittelsachsens Landrat Mattias Damm (CDU).

Inzwischen arbeiten die Öfen aus Seifersbach so gut, dass die ab 2020 von der Deutschen Umwelthilfe aufgestellten Grenzwerte eingehalten werden. Dafür steht auch das Siegel "Blauer Engel", was seit Jahresbeginn für Kaminöfen in Kraft ist. "Seit Anfang Februar erfüllt ein Ofen, den wir für einen Kunden fertigen, die Kriterien", erläutert Zwinzscher. Die Geräte erreichen laut der Seifersbacher Firma heute einen Wirkungsgrad von bis zu 84 Prozent. "Öfen, die die Grenzwerte für die Abgase nicht schaffen, brauchen einen Elektrofilter", so Zwinzscher. "Das ist aber noch Zukunftsmusik." Die Lösung aus Seifersbach sieht vor, das Abbrennen von Holz im Kaminofen so zu optimieren, dass erst gar kein Filter nötig ist. "Das ist nicht nur gut für die Umwelt, das ist auch gut für den Kunden", sagt Tina Kiefel. Am Ofen könne fast nichts mehr selbst eingestellt werden. Das regle das Gerät selbstständig. "Nur Holz muss man schon noch selbst nachlegen", so die Geschäftsführerin. Und bei einem Stromausfall funktioniere der Ofen auch noch. Die Abbrandelektronik hat die Firma Kiefel zusammen mit einem Kunden entwickelt, den Nutzereinfluss dabei minimiert. Brennen müsse der Ofen von Haus aus gut.

"Deutschland hat da bald die schärfsten Verordnungen in Europa, auch härter als in Skandinavien, wo es Kaminöfen in fast jedem Haushalt gibt", erläutert Frank Kiefel. Wie sich die Öfen aus Seifersbach selbst regeln, können die Kunden in der Brennkammer sehen, aber auch auf einer App auf dem Handy. Das habe natürlich auch seinen Preis, der im mittleren vierstelligen Bereich beginnt. "Es sind Studiogeräte, keine Baumarktprodukte", so Zwinzscher. Für Letztere könnte laut Frank Kiefel irgendwann wirklich mal der Ofen aus sein.


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