Der Rausch am Wochenende ist kein Spaß

Alkohol ist ein Problem unter Jugendlichen, auch in Flöha. Um sie zu einem kritischen Umgang damit zu bringen, ziehen viele Akteure an einem Strang.

Flöha.

Die Achtklässlerin Lysanne von der Flöhaer Oberschule weiß, dass manche Mitschüler rauchen und trinken - dabei dürfen laut Jugendschutzgesetz weder Alkohol noch Zigaretten an sie verkauft werden. Auch sie, sagt die 14-Jährige, wurde schon damit konfrontiert, und auch in der Schule wurde nicht zum ersten Mal darüber gesprochen. Ob Jugendliche anfangen zu rauchen und zu trinken, das komme auf jeden selbst an, sagt sie. Es sei eine Frage des Selbstbewusstseins, trotz Gruppenzwangs nein zu sagen, bestätigt die 15 Jahre alte Leonie aus dem Schülerrat. Um ihnen mehr Wissen an die Hand zu geben, hat die Oberschule das Projekt "Klarsicht" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in die Turnhalle geholt. Rund 300 Flöhaer Schüler, auch aus dem Gymnasium und dem Förderzentrum, durchlaufen dort Donnerstag und Freitag einen Mitmachparcour über legale Drogen und deren Wirkung.

"Wir kommen nicht mit dem Zeigefinger, sondern setzen auf Dialog", erläutert Koordinator Max Knospe den Grundgedanken des Parcours, der sich an 12- bis 17-jährige Kinder und Jugendliche richtet. An den Stationen lernen sie, Werbung zu hinterfragen, die nur die gute Zeit zeige, "nie das Gegenteil", sagt Celien Graubaum, seit 2016 Moderatorin des Projekts. Zudem geht es um Alkoholgehalt, Ausfallerscheinungen, die Inhaltsstoffe von Tabak und vieles mehr. Als wohl eindrücklichstes Werkzeug gibt es eine Brille, die Trunkenheit simuliert. "An der Station sprechen wir über sicheres Nachhausekommen", sagt sie. Betrunkene werden nicht selten auf dem Heimweg angefahren, wie Polizeimeldungen zeigen.


Den Parcours gibt es seit 2004; mittelsächsische Schüler konnten ihn nun erstmals erleben. "Wir hatten schon länger Interesse daran, weil wir von der Methode überzeugt sind", sagt Norina Rudolph vom Referat Kindertagesbetreuung und Förderung des Landratsamts, das Präventionsprojekte fördert. Dort können auch zwei Materialkoffer ausgeliehen werden. "Vorbeugen ist besser als heilen", sagt dazu Referatsleiterin Annett Voigtländer. Um frühzeitig reagieren zu können, seien sie auf lokale Akteure angewiesen - etwa das Jugendzentrum "Ufo" oder Schulsozialarbeiter.

"Das Thema braucht Beständigkeit", so Rudolph. Treffpunkte, wo getrunken und geraucht wird, gebe es überall. In Flöha seien deshalb ebenfalls die Mitarbeiter des "Ufo" in der Stadt unterwegs. Als Bindeglied zwischen Schule und Nachmittagsbetreuung fungiere außerdem der Pausenclub, erklärt Schulleiter Falk Döring. So müssten die Schüler nicht ewig an Bushaltestellen warten. "Die Jugendlichen sind in einer Phase, wo sie Grenzen austesten", ergänzt Oberbürgermeister Volker Holuscha. "Wichtig ist, dass sie erfahren, was es heißt, sich Drogen länger auszusetzen." Das Schädigungspotenzial am sich noch entwickelnden Gehirn sei höher als bei Erwachsenen, erklärt Koordinator Knospe.


Drogenfreier Schulhof, Klassenfahrt ohne Alkohol: So funktioniert es im Förderzentrum

Regina Langer

unterrichtet seit 13 Jahren am Förderzentrum Flöha. Vor allem Kinder mit Sprach- und Lernschwierigkeiten besuchen die Schule.

Freie Presse: Am Förderzentrum können die Schüler sich mit Problemen auch an Schulsozialarbeiter wenden. Sind Alkohol oder Nikotin dabei ein Thema?

Renate Langer: In den Klassenstufen 6 bis 8 weniger, in der neunten Klasse kann es ein Thema werden. Aber es ist in den Beratungen nicht so präsent wie Liebe, Sex und Beziehungen.

Welche Regeln gelten an Ihrer Schule zum Umgang mit Drogen?

Auf unserem Schulhof ist alles verboten, auch Rauchen. Und da halten sich auch alle dran. Wir haben uns das Ziel gesetzt, dass zum Beispiel auf Klassenfahrten das Trinken wegfällt, selbst das Glas Bier am Abend. Die Schüler sollen auch nicht zum Rauchen verleitet werden; deshalb wird auch nicht vor der Tür geraucht.

Ihre Schüler waren beim Mitmach-Parcours. Welche anderen Präventionsmaßnahmen ergreift die Schule, um Alkoholmissbrauch und Rauchen vorzubeugen?

Wir sprechen in vielen Unterrichtsfächern darüber, zum Beispiel in Biologie oder ich in Ethik. Auch unsere Sozialarbeiterin unterstützt uns mit Angeboten. Gerade spricht sie mit den Mädchen über das Thema Schwangerschaft und Rauchen. Viele unserer Schüler sind lernbehindert, da müssen wir anders rangehen.

Welches Gefühl haben Sie, wohin sich Ihre Schüler entwickeln?

Ich sehe sie seit der fünften Klasse wachsen, jetzt besuchen sie die achte. Alkohol und Rauchen sind wirklich nicht die vorherrschenden Themen. Es ist auch noch nicht vorgekommen, dass einer angetüdelt zum Unterricht gekommen ist. kala

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