"Der Unterricht reicht nicht, um Politik gänzlich zu vermitteln"

David Rennert vom Kreisschülerrat über den ersten Tag der Demokratie für Schüler in Mittelsachsen

Mittweida.

Am Gymnasium Mittweida wird es am Freitag erstmals einen Tag der Demokratie für Schüler aus ganz Mittelsachsen geben. Organisiert hat die Aktion der Kreisschülerrat. Lea Becker hat darüber mit Vorstandsmitglied David Rennert gesprochen.

Freie Presse: Was verbirgt sich hinter dem Tag der Demokratie?


David Rennert: Viele junge Leute, gerade Schüler, sind an Politik nicht interessiert und versuchen auch nicht, sich einzubringen. Einige wissen auch nicht wirklich, wie demokratische Prozesse in Deutschland überhaupt funktionieren. Der Tag der Demokratie ist eine Idee des Kreisschülerrats, um das zu ändern. Unser Ziel ist es, junge Menschen für Politik zu interessieren.

Warum braucht man so einen außerschulischen Aktionstag?

Der Gemeinschaftskunde-Unterricht reicht nicht aus, um die ganze Bandbreite der deutschen und internationalen Politik gänzlich zu vermitteln. Es gibt ja auch andere Themen, die dort bearbeitet werden müssen. Daher machen wir uns als Schülervertretung dafür stark, sich auch außerschulisch mit Demokratie zu beschäftigen.

Wie viele Teilnehmer haben sich bei Ihnen registriert?

Bis Dienstag hatten wir etwa 65 Anmeldungen. Dabei sind Vertreter von rund 20 Schulen aus ganz Mittelsachsen, zum Beispiel aus Penig, Burgstädt und Hartha. Mehr als 100 Schüler dürfen es aber nicht werden, weil der Tag der Demokratie am Gymnasium bei laufendem Schulbetrieb stattfindet. Deswegen darf jede Schule auch nur drei Schüler entsenden.

Ist es das erste Mal, dass Sie so etwas organisieren?

Ja. Ohne die Hilfe der Sächsischen Jugendstiftung könnten wir das auch gar nicht auf die Beine stellen - auch weil uns selbst die finanziellen Mittel dafür fehlen. Daher kam uns das Novum-Programm der Stiftung gut gelegen, über das unser Projekt mit 500 Euro gefördert wird. So können wir das nun erstmals umsetzen.

Geplant sind zwei Workshops, worum wird es dabei gehen?

In den Workshops können die Schüler selbst produktiv sein und eigene Antworten auf verschiedene Fragen erarbeiten. Wie kann man aktiv an der Demokratie mitarbeiten? Warum ist Demokratie überhaupt gut? Wo hat sie vielleicht noch Nachbesserungsbedarf? Beim ersten Workshop geht es um einen Vergleich der Demokratie mit anderen Herrschaftsformen wie der Diktatur oder der Anarchie. Im zweiten Workshop sollen die Teilnehmer überlegen, in welchen Feldern ihnen Demokratie überhaupt begegnet, wo überall mitbestimmt werden kann. Das ist mehr als man vielleicht erst mal denkt. Dort wird auch angeregt, was man selbst für die Demokratie tun kann: Wie kann man demokratische Strukturen für seine Schule aufbauen? Wie kann man in seiner Freizeit an demokratischen Prozessen mitwirken?

Auf dem Programm steht auch eine Podiumsdiskussion. Welche Themen stehen dort im Fokus?

Wir haben verschiedene Schwerpunkte, zum Beispiel Bildungspolitik oder die Gestaltung des öffentlichen Personennahverkehrs. Auch die Klimapolitik, die ja im Moment auch an Schulen viel diskutiert wird, greifen wir auf. Und natürlich wollen wir Rassismus und Extremismus thematisieren, das gehört einfach dazu. Wir finden es gut, wenn man an so einem Tag auch mit Leuten in Kontakt kommt, die wirklich Politik machen.

Welche Politiker sind dabei?

Wir haben von jeder im Landtag vertretenen Fraktion einen Politiker dabei. Von der CDU ist Rudolf Lehle da, von den Grünen Valentin Lippmann, von der FDP kommt Philipp Hartewig, von den Linken Antje Feiks, von der SPD ist Sophie Koch und von der AfD Rolf Weigand vertreten. Wir haben natürlich einen Fragenkatalog. Die Politiker wollen ja wissen, was gefragt wird, damit sie sich vorbereiten können. Aber wir haben von Anfang an gesagt, dass auch die Schüler die Möglichkeit haben sollen, Fragen zu stellen und zu diskutieren. Wir hoffen natürlich, dass das auch funktioniert.

Findet der Tag der Demokratie ab jetzt regelmäßig statt?

Wir müssen natürlich schauen, wie die Rückmeldungen von den Teilnehmern sind. Wenn das Feedback sehr positiv ausfällt, finden wir vielleicht auch weitere Sponsoren. Dann lässt sich das definitiv wiederholen, eventuell auch in einem größeren Rahmen mit weiteren Landkreisen. lkb

Zur Person: David Rennert (17) ist Schüler am Gymnasium Mittweida und Pressesprecher des Kreisschülerrats Mittelsachsen.

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